Rezension

Der Atlas des Himmels

Edward Brooke-Hitching: Der Atlas des Himmels, Knesebeck, München 2020, 256 S., 261 Abb., geb., 35 Euro, ISBN 9783957284242

Edward Brooke-Hitching ist im englischen Sprachraum ein Bestseller­autor und preisgekrönter Dokumentarfilmer. In den letzten Jahren hat er eine ganze Reihe von Büchern veröffentlicht, die sich mit Karten beschäftigen, etwa den „Atlas der erfundenen Orte“ und „Der goldene Atlas“ (beide im Deutschen Taschenbuchverlag).

Sein neues Buch, der „Atlas des Himmels“, befasst sich mit den Himmelsdarstellungen der Menschheit. Der zeitliche Bogen reicht von steinzeitlichen Bildern vom Himmel, wie sie sich etwa in der Höhle von Lascaux finden, bis hin zum neuesten Bild von der Milchstraße, das derzeit die Weltraumsonde Gaia liefert.

Das wunderschön gestaltete Buch gliedert sich in vier große Abschnitte bzw. Epochen: der Himmel der Antike, des Mittelalters, der wissenschaftliche Himmel (Neuzeit) und der moderne Himmel. Durch den großen Zeitraum, den der Autor betrachtet, ist die Auswahl der Karten natürlich beschränkt.

Der englische Unter­titel des Buches lautet „The Greatest Maps, Myths and Discoveries of the Universe“ und trifft den Inhalt besser als der deutsche Untertitel „Eine kleine Geschichte der Astronomie“. Lobens­wert ist, dass es Vorstellungen des Himmels quer über alle Kontinente hinweg vorstellt, also auch Asien und hier speziell Indien und China berücksichtigt sowie Süd- und Mittelamerika und den islamischen Raum. Damit erfüllt der Autor seinen selbstgewählten Anspruch, „eine visuelle Geschichte des Himmels zu schaffen, in der die weitreichenden, komplexen Vorstellungen der himmlischen Mythologie, der philosophischen Kosmologie und der Astrophysik in einer einzigen illustrierten Reise durch die Jahrtausende zusammengefasst werden.“

So finden sich tibetische Mandalas aus dem 15. Jahrhundert neben Robert Fludds (17. Jh.) Vorstellungen von der Unendlichkeit. Diese Karten sind nicht nur ein Medium zum Transport von Information und geben Auskunft über die Vorstellungen der Menschen, sondern sind aus der Warte der Ästhetik auf hohem künstlerischen Niveau.

Nach all dem positiven Eindruck, den das Buch beim Durchblättern bietet, fallen die begleitenden Texte etwas ab. Das ist vor allem bei den Texten zur Neuzeit und Moderne zu bemerken. So bleibt die Geschichte hinter der Entdeckung des Planeten Neptun von jeglicher Spannung befreit. Ein anderes Beispiel ist das Fehlen der Raum- und Zeitvorstellung Newtons, auf der die klassische Physik basiert, und konträrer Vorstellungen jener Zeit, wie der von Leibniz.

Gerade diese Themen und Kontroversen würden sehr gut in dieses Buch passen. Weil der Autor die Newtonsche Vorstellung nicht behandelt, gelingt es ihm am Ende nicht, die Bedeutung von Einsteins Relativitätstheorie in den richtigen Kontext zu stellen. Damit verspielt Brooke-Hitching inhaltliche Tiefe und das Begreifen der Konsequenzen. Das hinterlässt bei physikalisch Vorgebildeten einen schalen Beigeschmack. Bei den großen Abschnitten der Neuzeit und Moderne ist das Fehlen eines Zusammenhangs besonders schmerzlich. Daher ergibt sich eher eine willkürliche Ansammlung von „Discoveries“.

Daher kann ich dem Autor nur bedingt bescheinigen, dass sein Vorhaben geglückt ist. Insbesondere Kontroversen – wissenschaftliche, politische, religiöse – kommen nicht ausreichend zur Sprache. Hinter jedem Bild von der Welt, und damit auch ihrer visuellen Repräsentation, stehen Diskussionen, Kämpfe und Schicksale. Entschieden hat sich der Autor hingegen für eine anekdotenhafte Erzählung. Dennoch lässt sich in dem schönen Band gut blättern, um die menschlichen Vorstellungen vom Himmel über die Zeiten und Kulturen hinweg zu betrachten.

Dr. Matthias Hahn, Karlsruhe

Weitere Infos:

Verlags-Webseite zum Buch
Homepage des Autors

 

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