Rezension

The Collec­ted Papers of Albert Einstein − Bd. 15: Die Berliner Jahre. Schriften und Briefwechsel

Diana Buchwald et al.: The Collec­ted Papers of Albert Einstein − Bd. 15: Die Berliner Jahre. Schriften und Briefwechsel. Juni 1925 – Mai 1927, 1080 S., Princeton Univ. Press 2018, geb., ca. 96 €. ISBN 9780691178813

Der Band 15 der Gesamtausgabe von Einsteins Werken markiert die editorische Mitte des auf etwa 30 Bände angelegten Mammutprojekts und umfasst eine der spannendsten Zeiten der modernen Physik, die Formulierung der Quantenmechanik. Einstein erfasst zwar sehr schnell die konzeptionellen Besonderheiten der neuen Quantenmechanik, wie etwa die Unterschiede zwischen Schrödingers Wellenfunktion und einem in der Raumzeit definierten Feld oder die statistischen Interpretationen von Matrizen- und Wellenmechanik, doch bleibt er skeptisch.

Leider haben sich Einsteins Briefe an Heisenberg nicht erhalten, doch aus der Korrespondenz mit Freunden und aus Heisenbergs Antworten lassen sich seine Einwände rekonstruieren. Über das „Hexeneinmaleins“ der Matrizen-Mechanik schreibt er seinem Jugend­freund Michele Besso: „Höchst geistreich und durch grosse Kompliziertheit gegen den Beweis der Unrichtigkeit hinreichend geschützt.“ Auch die von ihm favorisierte Wellenmechanik scheint ihm nicht „nach der Wirklichkeit zu riechen“. Heinrich Zangger gegenüber bekennt er: „Die Schrödingersche Quanten­mechanik hat grosse Erfolge, aber diese Theorie ist kaum weniger rätselvoll als die durch sie dargestellten Thatsachen.“

Er selbst beschäftigt sich mit dem Problem der Bewegung in der Allgemeinen Relativitätstheorie, in der Hoffnung auf einen Weg hin zu einer einheitlichen Feldtheorie. Zusammen mit Leo Szilard verfasst er einen Vertragsentwurf über die von ihnen entwickelte Kühlmaschine mit der Bamag-Meguin AG. Er fällt auf den Betrüger Emil Rupp herein, der ihn mit angeblichen Experimenten von der wellentheoretischen Natur des von angeregten Atomen ausgesandten Lichtes überzeugt. Neu entdeckte Briefe belegen, dass Einstein auch während seiner Ehe mit Mileva Mari seiner Jugendliebe Marie Winteler nachtrauert. So bekennt er Winteler im September 1909 seine Liebe: „Ich entgehe der ewigen Sehnsucht nach dir nur durch angestrengtes Arbeiten & Grübeln.“< p> Die Verträge von Locarno lassen Einstein weiter auf eine europäische Verständigung hoffen. Zusammen mit Bertrand Russell, Mahatma Gandhi und anderen unterschreibt er ein „Internationales Manifest gegen die Wehrpflicht“. Er engagiert sich für die Hebräische Universität in Jerusalem, protestiert gegen den weißen Terror in Polen und setzt sich für die zum Tode verurteilten Sacco und Vanzetti ein. Eine wiederholte Einladung Millikans in die USA lehnt er ab. Im Moment könne er an große Reisen wie in den Vorjahren nicht denken.

Das sind nur einige Beispiele aus dem umfangreichen und sehr lesenswerten Band. Dieser zeugt mit über 1300 Briefen und knapp 100 Veröffentlichungen Einsteins (Fachbeiträge, Zeitungsartikel, Aufrufe, Reden etc.) − etwa ein Drittel bisher unveröffentlicht − von der enormen Produktivität Einsteins, aber auch von der Hektik seines Lebens in dieser Zeit.

Dr. Michael Schaaf, Attendorn

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