Rezension

Arthur E. Haas

Michael Wiescher: Arthur E. Haas – The Hidden Pioneer of Quantum Mechanics. A Biography, Springer, Cham 2021, geb., 577 S., 106,99 Euro, ISBN 9783030806057

Arthur Erich Haas (1884 – 1941) hat 1910 und somit drei Jahre vor Niels Bohr den Versuch unternommen, das Plancksche Wirkungsquantum mit der Größe von Atomen in Beziehung zu setzen. Seine Vorstellung wurde 1911 auf dem ersten Solvay-Kongress, der als erste internationale Quantenkonferenz in die Physikgeschichte einging, eingehend diskutiert. Danach hinterließ Haas kaum noch Spuren in der Quantenphysik.

Als die Physik des Mikrokosmos sich vom Bohr-Sommerfeldschen Atommodell zur Quantenmechanik wandelte, machte sich Haas als Lehrbuchautor, Wissenschaftshistoriker und -popularisierer einen Namen. Später galt sein vorrangiges Interesse der Kosmologie. Ob man Haas als „hidden pioneer of quantum mechanics“ bezeichnen kann, sei dahingestellt. Dennoch verdienen sein Leben und Wirken ein breiteres Interesse, denn daran zeigt sich eindringlich, wie die Zeitläufe nicht nur die äußeren Lebensumstände bestimmen, sondern auch Inhalt und Ziele der wissenschaftlichen Arbeit.

Haas entstammte einer wohlhaben­den jüdischen Familie aus Brünn (heute Brno in Tschechien). Nach seinem Studium in Wien und Göttingen wirkte er einige Jahre als Professor für Physikgeschichte an der Universität Leipzig, bevor er 1921 an der Universität Wien Privatdozent für Physik wurde. Ab 1925 verdiente er als „Aktuar“ an der Wiener Akademie für Wissen­schaften seinen Lebensunterhalt – eine Stellung, die kaum seinen Ansprüchen und Fähigkeiten entsprach. Für eine Berufung auf eine Professur erschien seine Karriere zu heterogen. Als Inflation und Wirtschaftskrise das ererbte Vermögen dezimierten, unternahm er verzweifelte Versuche, eine Stellung in den USA zu finden. Nach jahrelangen Bemühungen erhielt er 1935 eine Stelle als Gastprofessor an einem College in Brunswick (Maine) und ein Jahr später eine Physikprofessur an der katholischen Universität von Notre Dame (Indiana).

Wiescher gliedert seine Biografie in fünf Teile: Kindheit und Jugend in der Donaumonarchie bis zum Ende des Ersten Weltkriegs, „Post-War Struggles“ (1920 – 1924), die Jahre im Dienst der Wiener Akademie (1925 – 1935); die Zeit in den USA bis zu Haas‘ frühem Tod im Jahr 1941. Der letzte Teil ist mit „Post Mortem 1943 – 2017“ überschrieben und den Kindern sowie der Ehefrau von Haas gewidmet.

Ein ganzes Kapitel mit über 90 Seiten erzählt nur vom Jahr 1924 („Hope and Despair“). Darin wird nicht nur Haas selbst mit seinen beruflichen und privaten Sorgen geschildert, sondern auch seine künftige Ehefrau, Emma Huber, als eigenständige und faszinierende Persönlichkeit. Die Quelle dafür bot der private Nachlass, den die Nachfahren von Haas dem Bio­grafen zugänglich machten.

Wiescher hat die Fülle der Einzelheiten mit detektivischer Gründlichkeit zu einer gut lesbaren und wahrlich „dichten Beschreibung“ aufbereitet. Dabei geraten Facetten in den Blick, die auf den ersten Blick nicht zur Biografie von Haas gehören, wie die erst nach seinem Tod begonnene Spionagetätigkeit seiner Frau für den Auslandsgeheimdienst der USA im Kalten Krieg (S. 537 – 540) – die aber doch zum Nachleben von Haas gehören. Wer sich an die Lektüre dieser opulenten Biografie macht, den erwartet also eine bewegende und faszinierende Lebensgeschichte.

Dr. Michael Eckert,
Deutsches Museum München

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