EFDS: 25 Jahre Förderung der Dünnschichttechnologie

  • 08. September 2017

Innovation und Fortschritt durch Wissenstransfer, Expertenaustausch und Vernetzung.

Die Grenze zwischen Werk­stoff und Außen­welt ist in der Regel Dreh- und Angel­punkt für das Wohl und Weh seiner An­wen­dung. Das ver­schleiß­ge­schützte Werk­zeug, das kratz­feste Brillen­glas, der anti­bak­terielle Tür­griff oder das körper­verträg­liche Implan­tat sind gängige Bei­spiele für eine gelungene An­passung von Pro­duk­ten an die An­for­de­run­gen der An­wen­der. Darüber hinaus schafft die Kunst, auf Dimensionen zwischen Nano- und Mikro­metern jedem noch so einfachen Bauteil Multi­funktio­nalität zu verleihen, eine schein­bar unendliche Fülle an Mög­lich­keiten, Pro­dukte für die Welt von morgen zu ent­wickeln.

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Abb.: Verbandssitz der EFDS ist Dresden – schon in den frühen 1990ern ein Zentrum der Vakuum- und Dünnschichttechnologie.

Die Vakuum- und Plasmaoberflächentechnik bietet mit ihrer Vielzahl an einstellbaren Para­metern zur gezielten Ab­schei­dung von Schichten dem Ent­wickler maximale Flexibilität bei der Umsetzung seiner Ideen. Dass dabei neben geeigneter Ausrüstung auch ein hohes Maß an Know-­How erforderlich ist, versteht sich von selbst.

Dieses Know-How zu bündeln und ihren Mitgliedern zugänglich zu machen, ist Kern­auf­gabe der Europäische Forschungs­gesellschaft Dünne Schichten (EFDS) e. V. Vor einem viertel Jahr­hun­dert als gemein­nützige Förder­gemein­schaft Dünne Schichten (FDS) e. V. in Dresden gegründet, unterstützt das – der vakuum- und plasma­gestützten Oberflächen­technik gewidmete und mittler­weile mit europäischer Aus­richtung geführte – Branchen­netzwerk ins­beson­dere kleine und mittlere Unter­nehmen auf ihrem Weg zur Innovation in der Welt der Dünn­schicht­technologie.

Anfangs eher regional aufgestellt, entwickelte sich die EFDS rasch zu einem nationalen und zunehmend auch Europäischen Netzwerk der Vakuum und Dünnschicht­technologie. Die im Jahr 2000 beschlossene Namens­änderung von der Förder­gesellschaft zur Europäischen Forschungs­gesellschaft dokumentiert das neue Selbst­verständnis der Akteure. Heute gehören 95 Unternehmen, 32 Forschungsinstitute, 3 Verbände und 64 persönliche Mitglieder aus ganz Europa der EFDS an.

Die abgedeckten Branchen sind vielfältig: von der Verfahrens­entwicklung, über den Anlagenbau zu Materialwissenschaften und Lohnbeschichtung, und die angestrebten Märkte umfassen nahezu jede Disziplin: angefangen von der Werkstoffveredelung sowie dem Werkzeug- und Gerätebau, über die Mikrosystemtechnik und Sensorik sowie die Optik und Photonik bis hin zur Energietechnik und den Life Sciences mit der so wichtigen Medizintechnik. Bei diesem breiten Spektrum kommt der eingangs beschriebene Aspekt der Vakuum-, Plasma und Dünnschichttechnik als Querschnittstechnologien zum Tragen.

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Abb.: Wissen teilen und Märkte gewinnen: 25 Jahre nach seiner Gründung ist das Branchennetzwerk EFDS mit rund 200 Mitgliedern mittlerweile europaweit aufgestellt.

Als Interessensvertretung ihrer Mitglieder will die EFDS durch das Zusammenführen von Industrie und Forschung eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit zukünftiger Produkte erreichen. Der Förderung von Gemeinschafts­forschung kommt dabei eine Schlüssel­­funktion zu. Schon früh strebte die FDS eine Mitgliedschaft in der AiF – Arbeits­­ge­mein­schaft industrieller Forschungs­vereinigungen „Otto von Guericke“ e.V. an. Seit ihrer Auf­nahme im Jahr 1994 ist die EFDS die für das Technologie­feld „Dünne Schichten“ verant­wort­liche Forschungs­vereinigung und kann damit Anträge auf Förderung von Vorhaben der Indus­triellen Gemein­schafts­forschung (IGF) für diesen Schwer­punkt stellen.

Die Förderung von IGF-Vorhaben soll die struktur­bedingten Nachteile kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) auf dem Gebiet von For­schung und Ent­wicklung ausgleichen, die diese aufgrund ihrer geringen Größe und häufig fehlender Ent­wick­lungs­ab­tei­lungen haben. Im Rahmen der IGF können die KMU ihre gemeinsamen Probleme in Forschungs­vorhaben von Hoch­schulen und außer­universitären Forschungs­einrichtungen bearbeiten lassen. Seit 1996 kann die EFDS auf über hundert abgeschlossene und rund zehn laufende Projekte blicken. In einigen der Projekte profitieren Unternehmen durch die Fördervariante CORNET auch vom ergänzenden Know-how internationaler Partner.

Die Formulierung industrierelevanter Forschungsprojekte und die Ausarbeitung von Trans­ferstrategien finden in den Fachausschüssen der EFDS statt. Zurzeit arbeiten Ex­per­ten aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen in den drei Fachausschüssen – Tribologische Schichten, Funktionalisierung von Kunststoffen sowie Oberflächen und Beschichtungen in der Bio- und Medizintechnik – zukunftsweisend zusammen und setzen auch Impulse für Veranstaltungen der EFDS. Ein weiterer Fachausschuss, der sich mit Beschichtungs­technologien für optische und elektronische Funktionalisierung beschäftigt, wird sich in diesem Jahr auf der V2017 neu konstituieren.

Den für Innovation und Fortschritt so wichtigen Wissenstransfer und Expertenaustausch bietet die EFDS – nicht nur ihren Mitgliedern – über verschiedene Formate auf nationaler und internationaler Ebene an: Konferenzen verschaffen Überblick über den aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik sowie aktuelle und zukünftige Entwicklungen, Workshops bereiten Themenschwerpunkte auf und bieten Gelegenheit, neue Perspektiven zu gewinnen und Partner für gemeinsame Projekte zu finden und Seminare und Tutorials vermitteln technologisches Basiswissen, wissenschaftliche Hintergründe und beantworten anwendungsbezogene Fragestellungen zur Anlagen- und Prozessführung.

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Abb.: Eines der von der EFDS ausgerichteten Highlights, die PSE – International Conference on Plasma Surface Engineering, findet alle zwei Jahre im Herbst in Gamisch-Partenkirchen statt.

Insbesondere die International Conference on Plasma Surface Engineering – PSE, die die EFDS seit 2006 mit weltweit positiver Resonanz alle zwei Jahre in Garmisch-Partenkirchen ausrichtet, sowie die in den Zwischenjahren in Dresden stattfindende V - Industrie­aus­stellung & Workshop-­Woche für Vakuum­beschichtung und Plasma­oberflächen­technik seien hier als prominente Beispiele für die ersten beiden Kategorien angeführt. Ihre jeweilige Ergänzung durch Industrie­ausstellungen betont dabei immer auch anwendungs- und marktorientierte Gesichtspunkte der präsentierten Themen. Eine laufend aktualisierte Aufstellung aller Veranstaltungen stellt die Homepage der EFDS bereit.

Durch die Fokussierung auf vakuum- und plasmagestützte Beschichtungs­verfahren repräsentiert die EFDS eine hochspezialisierte Gruppe von Entwicklern und Anwendern, die sich mit großem Können Märkte erhalten und erschließen müssen. Ihnen eine von kreativer Atmosphäre geprägte Kommunikationsplattform zu bieten, ist Ziel der EFDS.

Dazu trägt eine breite Vernetzung bei: die EFDS-eigenen aber auch verbands­­über­greifenden Plattformen sind entweder an Verfahren oder an Anwendungen aus­ge­rich­tet. So dient beispielsweise das verbands­über­greifende Kompetenznetz PLASMA GERMANY, deren Geschäfts­führung der EFDS seit 2005 obliegt, der Förderung der wissen­schaft­lichen und technischen Zusammen­arbeit auf den Gebiet der plasmagestützten Ober­flächen­behandlung und als Promoter der Plasmatechnologie.

Die EFDS-Plattform NassRein widmet sich der nasschemischen Reinigung von Bauteilen als Vorbereitung für die Schichtabscheidung mittels physikalischer Dünnschichtverfahren. Unterstützung durch die EFDS findet auch das Netzwerk Surface4Food, welches methodenübergreifend Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Institutionen entlang der Wertschöpfungskette der Lebensmittelindustrie miteinander vereint, um in Kontakt zu Lebensmittel stehende Oberflächen leichter reinigbar und nachhaltig keimabweisend zu gestalten. Im verbandsübergreifender Gemeinschaftsausschuss Kombinierte Oberflächen­technik unterstützt die EFDS – in Zusammenarbeit mit der Deutschen Forschungs­gesellschaft für Oberflächen­behandlung e.V. (DFO), der Deutsche Gesellschaft für Galvano- und Oberflächentechnik e. V. (DGO) und dem Kompetenznetz INPLAS – der Weiterentwicklung mittels Galvanik, Lackier- und Plasma­technik abgeschiedener Kombi­nations­schichten.

An der Grenze zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlicher Anwendung bietet die EFDS ihren Mitgliedern so auf vielfältige Weise eine flexible Unterstützung bei der Erarbeitung marktfähiger Innovationen rund um „Dünne Schichten“.

EFDS / LK

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