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The Road to Relativity

  • von Henoch Gutfreund und Jürgen Renn (Hrsg.)
  • 17. February 2016
thumbnail image: The Road to Relativity

Henoch Gutfreund und Jürgen Renn (Hrsg.): The Road to Rela­tivity, Princeton University Press, Princeton 2015, 264 S., geb., 35 $, ISBN 9780-691162539

„Die Serie meiner Gravitations­arbeiten ist eine Kette von Irrwegen, die aber doch allmählich dem Ziele näher führten. Daher sind nun endlich die Grundformeln gut, aber die Ableitungen abscheulich; dieser Mangel muss noch behoben werden.“ Das schrieb Albert Einstein am 17. Januar 1916 an Hendrik Antoon Lorentz. Zu diesem Zeitpunkt war die Allgemeine Relativitätstheo­rie (ART) noch keine zwei Monate alt: Am 25. November des Vorjahres erschien Einsteins letzte von vier in hektischer Folge publizierten Arbeiten. Mit Ausnahme des kosmologischen Terms hatte er darin die bis heute gültigen Feldgleichungen der Gravitation formuliert. Am 11. Mai 1916 ging Einsteins erste zusammenfassende Darstellung seiner neuen Theorie („Die Grundlage der Allgemeinen Relativitätstheorie“) bei den Annalen der Physik ein. Diese Arbeit ist Kerngegenstand des herrlichen Buches von Henoch Gutfreund und Jürgen Renn, beide international ausgewiesene Kenner von Einsteins Œuvre.

Das handgeschriebene Original­manuskript dieser Arbeit lagert heute im Einstein-Archiv der Hebräischen Universität Jerusalem und wird im vorliegenden Buch mit zahlreichen Anmerkungen und Erklärungen vollständig und sehr übersichtlich reproduziert. Jeweils die linke Seite des Buches gibt das Faksimile einer Manuskriptseite wieder und die rechte Seite die Erklärungen der Herausgeber. Diese betreffen den wissenschaftlichen Hintergrund, begriffliche Erläuterungen oder historische Bezüge. Da sich die mathematischen Teile von Einsteins Manuskript damaligem Gebrauch folgend ausschließlich einer koordinatenbasierten Sprache der Differentialgeometrie bedienen, erwarten den Leser auch einige, eher barock anmutende symbolische Formeln, welche die Herausgeber unmöglich im Einzelnen erklären können. Insofern erfordert eine lückenlose Lektüre einige mathematische Vorkenntnisse. Aber auch ohne diese lassen sich große Teile des physikalisch-begrifflichen Inhalts einordnen und verstehen. Gerade darin liegt ein großes Verdienst dieses liebevoll konzipierten Buches, das rechtzeitig zum 100. Geburtstag der ART erschien, und das zu einem ausnehmend günstigen Preis.

Die gut hundert Seiten, die Faksimile und Kommentare einnehmen, bilden aber nur knapp die Hälfte des Buches. Dazu kommen zwei Vorworte, ein Postskript „The Drama Continues“ über die weitere Entwicklungsgeschichte der ART, eine Chronologie ihrer Entstehungsgeschichte, eine Ahnengalerie mit 40 Kurzportraits der Physiker, Mathematiker und Philosophen, die Einsteins Denken maßgeblich beeinflusst haben, sowie eine englische Übersetzung von Einsteins Manuskript (inklusive der gedruckten Versionen seiner Formeln). Darüber hinaus findet sich eine englische Übersetzung von Einsteins wichtiger Arbeit „Hamilton’sches Prinzip und Allgemeine Relativitätstheorie“, die ursprünglich als Anhang geplant war, aber dann doch später separat erschien. Zahlreiche Cartoons des Zeichners Laurent Taudin illustrieren den Text auf oft recht hintergründige Weise.

Müsste ich einen Makel nennen, wäre es der Titel: Mit „Road“ ist Einsteins Odyssee (wie es die Autoren im Text treffend nennen) zu einer relativistischen Theorie der Gravitation schlecht beschrieben. Seine Suche führte ihn vielmehr in „wegloses Gelände“, wo sein Instinkt oft die Führung übernehmen musste. Gerade das wird aber wunderbar klar beim Lesen dieses Buches, das ich all denen wärmstens ans Herz legen möchte, die von der ART und ihrer Geschichte fasziniert oder allgemein an der Ideen­geschichte der modernen Physik interessiert sind.

Domenico Giulini

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