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The Second Law of Economics

  • von R. Kümmel
  • 08. June 2012
thumbnail image: The Second Law of Economics

R. Kümmel: The Second Law of Economics, Springer, Heidelberg 2011, geb., 293 S., 74,85 €, ISBN 9781441993649

In seinem Buch fügt Reiner Kümmel der Ökonomik, die sich heute immer noch als Sozialwissenschaft versteht, die wichtige naturwissenschaftliche Komponente Energie hinzu, ohne die sich eine moderne Volkswirtschaft nicht verstehen lässt. Für diese Synthese ist Reiner Kümmel besonders geeignet. Er war als Professor der Theoretischen Physik an der Universität Würzburg auch Vorsitzender des „Arbeitskreises Energie“ der DPG und Mitbegründer der „Studiengruppe Entwicklungsprobleme der Industriegesellschaft“. Seit 2004 ist er im Ruhestand und Lehrbeauftragter für Thermodynamik und Ökonomik.

Kümmel geht didaktisch geschickt vor, um die Energie in der Ökonomik zu implementieren. Er betrachtet zunächst die Entwicklungsgeschichte der Menschheit unter dem Aspekt der Energie, die den Jägern, Sammlern, Bauern, Arbeitern jeweils zur Verfügung stand. Demnach ist diese Geschichte durch drei wichtige Revolutionen markiert: die neolithische Revolution der Agrar- und Viehwirtschaft, die industrielle Revolution nach dem ersten Einsatz der Dampf­maschine von James Watt (1776) und die Revolution der Informa­tionsverarbeitung durch den Transistor von Bardeen, Brittain und Shockley (1956).

Anschließend vollzieht der Autor die historische Entwicklung des Energie­begriffs nach und stellt die verschiedenen Erscheinungsformen der Energie vor. Schließlich diskutiert Kümmel die für den Menschen zur Verfügung stehenden Energiequellen an konkreten Beispielen wie Kernspaltung, Fusion und dem Sonnenenergie-Projekt Desertec. Die Schwierigkeiten bei der Erzeugung von technisch nützlicher Energie aus anderen Energieformen werden dann am Begriff der Entropie ausführlich erörtert. Dabei wird deutlich, dass jede technische Energiequelle mit Emissionen, mit Erderwärmung, mit Umweltveränderungen und mit Entropieproduktion verbunden ist. Entropie ist das Maß der Unordnung, sie bestimmt die Richtung der Zeitachse und den technisch verwertbaren Anteil bei der Energieumwandlung.

Nach der ausführlichen Diskussion der naturwissenschaftlichen Elemente Energie und Entropie kommt Kümmel auf sein Hauptanliegen, die Verbesserung der ökonomischen Theorie, und führt aufgrund naturwissenschaftlicher Ergebnisse die Energie als neue Variable in die Ökonomik ein. Es entsteht ein Modell, in dem die ökonomische Produktionsfunktion von den Faktoren Kapital, Arbeit, Energie und Kreativität abhängt. Das Modell prüft Kümmel an ökonomischen Daten aus Deutschland, USA und Japan. Er schließt sein Buch mit der Hoffnung auf eine Gesellschaft, die ihre Zukunft auf Vernunft und allgemeine ethische Werte baut. „The Second Law of Economics“ ist sehr überzeugend, und es ist zu wünschen, dass es hilft, die tiefen Gräben zwischen Natur- und Sozialwissenschaften zu überbrücken.

Prof. Dr. Jürgen ­Mimkes, FB Physik, Universität Paderborn

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