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­Coming of Age with Quantum Information

  • von C. A. Fuchs
  • 08. February 2012
thumbnail image: ­Coming of Age with Quantum Information

C. A. Fuchs: ­Coming of Age with Quantum ­Information, Cambridge University Press, 2011, 600 S., geb., 57,99 €, ISBN 9780521199261

Für dieses Buch öffnet der Quantenphysiker Christopher Fuchs (Perimeter Institute) sein E-Mail-Archiv: Es besteht aus einer Auswahl seiner Nachrichten aus den Jahren 1996 bis 2001 an eine ganze Reihe von Physikern und Philosophen, die sich mit den Grundlagen der Quantentheorie (insbesondere der Quanten­informationstheorie) befassen. In Schreiben an Kollegen wie Gilles Brassard, David Mermin, Asher Peres, John Preskill, Abner Shimony und Anton Zeilinger legt Fuchs seine Ansichten zu den Grundlagen und dem Verständnis der Quanten­theorie dar (die Antworten der Kollegen sind nur teilweise und in Auszügen abgedruckt). Das Buch dokumentiert, dass Physiker und Philosophen nach wie vor um ein tieferes Verständnis der Quantentheorie jenseits der rein mathematischen Beschreibung ringen: Was sagt die quantenmechanische Beschreibung über die Welt aus? Worauf referieren Quantenzustände? Gibt es eine objektive, beobachterunabhängige Realität? Wie ist der Kollaps der Wellenfunktion zu verstehen?

Diese und ähnliche Fragen umkreist Fuchs im Dialog mit seinen Kollegen und entwirft eine subjektive, epistemologische Sicht der Quantentheorie: Quanten­zustände beschreiben keine objektive unabhängige Realität, sondern spiegeln die Überzeugungen des Beobachters wider, bestimmte Mess­ergebnisse zu erhalten. Die von der Quantentheorie vorhergesagten Wahrscheinlichkeiten geben die Stärke an, mit der der Beobachter das Messergebnis erwartet (Bayesianismus). Für Fuchs legt die Quanten­informationstheorie eine solche Deutung nahe, weil diese zeige, dass es in der Quanten­mechanik um Information gehe, also nicht um objektive physikalische Fakten, sondern um subjektive Erwartungen.

Die E-Mails von Christopher Fuchs sind eher lautes Nachdenken darüber, wie eine Interpretation funktionieren könnte, ohne im Einzelnen begrifflich präzise ausformuliert oder überzeugend begründet zu sein. Zwar merkt man, wie enthusiastisch er in der Sache ist, doch fehlen letztlich klare Definitionen und Argumente. Zudem sind die Antworten auf den mehr als 500 Seiten des Buches verstreut, sie kommen nur bruchstückhaft, sind versteckt zwischen größeren und kleineren Trivialitäten normaler Wissenschafts-Korrespondenzen, redundanten Passagen und Zitaten aus der klassischen Debatte von Pauli, Bohr, Heisenberg und Einstein. Das Buch ist nach Korrespondenzpartnern und dann chronologisch geordnet und somit, was die Fragen und Antworten betrifft, gänzlich unsystematisch. Fuchs liefert Puzzlestücke einer Interpretation, die der Leser selbst zusammensetzen muss. Wenn man sich für dessen Ideen interessiert, ist es dann wohl lohnender, einen seiner Artikel zu diesem Thema zu lesen statt das umfangreiche Buch – wenn überhaupt, dann eignet es sich eher zum Hineinblättern.

Dipl.-Phys. Paul Näger, Institut für Philosophie, Universität Bremen

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