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... Deine Lise. Die Physikerin Lise Meitner im Exil

  • von Stefan Frankenberger
  • 20. November 2018
thumbnail image:  ... Deine Lise. Die Physikerin Lise Meitner im Exil

S. Frankenberger, ... Deine Lise. Die Physikerin Lise Meitner im Exil, Buchfunk, Leipzig 2018, 2 CDs., 97 min., 25 €, ISBN 9783868474237

Diese Audioproduktion zum 50. Todestag der Physikerin Lise Meitner nimmt die Hörer mit auf eine eindringliche Reise in die Physik der Jahre 1938 bis 1945. Anhand der Briefwechsel von Lise Meitner aus ihrem Exil, speziell mit ihrem Kollegen und Freund Otto Hahn, hat der freischaffende Produzent und Autor Stefan Frankenberger ein „Zeithörbild“ geschaffen, das die dunkelste Periode des 20. Jahrhunderts aus der persönlichen Perspektive Meitners nachfühlbar macht.

Meitner war es gelungen, als Frau Physik, Mathematik und Philosophie in Wien zu studieren, in Physik zu promovieren und fast dreißig Jahre erfolgreich mit dem Chemiker Otto Hahn in Berlin zusammenzuarbeiten. Doch mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verlor sie ihre Professur und ihre österreichische Staatsbürgerschaft. Meitner floh 1938 nach Schweden. Von dort schrieb sie: „Nach Wochen des Bangens und der Angst falle ich in die Leere der Ankunft in einem neuen Leben. Nichts liegt vor mir, alles hinter mir ...“

Sie bleibt mit Hahn brieflich in Kontakt, der zusammen mit Fritz Straßmann Uranproben mit langsamen Neutronen beschoss und versuchte, Klarheit über die stattfindenden Reaktionen und ihre Produkte zu erlangen. Meitner tauscht sich in ihrer Korrespondenz mit Hahn nicht nur wissen­schaftlich aus, sondern gibt auch tiefe Einblicke in ihre Lebens­situation und Resignation. Materiell ist sie in Schweden schlecht gestellt, doch 1939 gelingt es ihr zusammen mit ihrem Neffen Otto Robert Frisch, die Kernspaltung theoretisch zu erklären: „Mir scheint vorläufig die Annahme eines so weitgehenden Zerplatzens sehr schwierig. Aber wir haben in der Kernphysik so viele Überraschungen erlebt, dass man auf nichts so ohne weiteres sagen kann: Es ist unmöglich ...“.

Die Sprecher des Hörbuchs sind exzellent, allen voran Elisabeth Orth, die Lise Meitner überzeugend ihre Stimme leiht. Die improvisierte Musik verstärkt zusammen mit zeitgenössischen Originaltönen die eindringliche Atmosphäre.

Am bedrückendsten ist sicher ein Brief Meitners an Hahn nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der die Versicherung ihrer Freundschaft mit einer schonungslosen Analyse des moralischen Dilemmas der deutschen Wissenschaftler im Dritten Reich angesichts des Holo­causts verbindet. Das Hörbuch macht die damit verbundenen moralischen Fragen gegenwärtig.

Die Aufmachung der Doppel-CD ist geschmackvoll wie wertig, das 48-seitige Booklet liefert Hintergründe und ein interessantes Gespräch von Stefan Frankenberger mit dem österreichischen Physiker Herbert Pietschman.

Alexander Pawlak

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