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Werner Heisenberg - Leben und Werk

  • von Cassidy
  • 18. September 2003

Werner Heisenberg - Leben und Werk

Von D. C. Cassidy.
Spektrum, Heidelberg 1995. 808 S., 19 Abb., gebunden,
ISBN 3-86025-315-8

Die unter dem Originaltitel "Uncertainty. The Life and Science of Werner Heisenberg" im Jahre 1991 in den USA veröffentlichte große, vom American Institute of Physics ausgezeichnete Biographie liegt nunmehr in leicht überarbeiteter, vorzüglicher deutscher Übersetzung vor. Sie behandelt in 27 Kapiteln das wissenschaftliche, öffentliche und private Leben eines nach der Meinung des Autors "der größten und umstrittensten Physikers seiner Zeit". Jeweils die Hälfte des Buches sind der Zeit vor bzw. nach 1933 gewidmet, wobei die letzten 25 Jahre mit wenigen Seiten praktisch unbeachtet blieben.

Cassidys Biographie, sicher die bedeutendste von Heisenberg bisher, setzt ihren Schwerpunkt in den frühen Jahren, die mit fast unüberbietbarer Akribie recherchiert wurden. Jugend und Jugendbewegung sowie ihre Einbettung in die deutsche Geschichte des Ersten Weltkrieges und danach werden dem Leser lebendig nahegebracht, ebenso der Weg des Studenten zur Quantenmechanik. Nicht so deutlich kommen die Schritte zur Vollendung der modernen Atomtheorie heraus - das Kapitel über die Unbestimmtheitsrelationen bringt eine eigenwillige psychologische Interpretation des Verhältnisses von Heisenberg zu seinen Lehrern, namentlich Niels Bohr. Die späteren Teile der Biographie konzentrieren sich auf die Nachzeichnung der persönlichen, durch die äußeren Umstände stark bestimmten Situation Heisenbergs, dessen gleichzeitige höchst bedeutende Forschungen nur am Rande behandelt werden. Der Autor bemüht sich vor allem um die Deutung des Denkens und Handelns seines Subjektes in der schwierigen Zeit des Dritten Reiches; er versucht auch eine den amerikanischen und deutschen Quellen zugleich gerecht werdende Schilderung seiner Rolle im deutschen Kernenergieprojekt des Zweiten Weltkrieges. Sie kommt insgesamt den Tatsachen näher als frühere Beurteilungen, abgesehen von einigen Einzelheiten. (Etwa in der Analyse des Kopenhagener Besuches vom September 1941 und der pauschalen Interpretation der Auslandsreisen als "Beweis" der engen Loyalität zum Regime - die wirkliche Sachlage war sicher komplizierter!) Trotz solcher Einschränkungen darf dem Autor und dem Verlag zu diesem wichtigen Buch aufrichtig gratuliert werden.

H. Rechenberg, München

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