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Gravi­tationswellen / Signale der Schwerkraft

  • von H. Grote / R. Vaas
  • 23. April 2018
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H. Grote: Gravi­tationswellen und R. Vaas: Signale der Schwerkraft

Der Nachweis von Gravitationswellen war eine wissenschaftliche Sensation ersten Ranges, ihre Geschichte umfasst rund hundert Jahre, von Einsteins Postulierung der Gravitationswellen im Jahr 1916 bis zu ihrem ersten Nachweis im September 2015 und dem Physik-Nobelpreis 2017 für Kip Thorne, Rainer Weiss und Barry Barrish, die entscheidenen Anteil an der Entwicklung und Organisation des Gravitationswellendetektors LIGO hatten. Dieses Projekt ruhte aber nicht nur auf den Schultern der drei Nobelpreisträger, sondern brauchte natürlich viel mehr Mitstreiter. Einer davon ist Hartmut Grote, Professor für Physik im britischen Cardiff. Von 2009 bis 2017 war er wissenschaftlicher Leiter bei GEO600, wo essenzielle Bauteile und Techniken für LIGO entwickelt worden sind. Grote kann also aus erster Hand von der Jahrhundertentdeckung berichten.
Sein Buch, erschienen in der Reihe „C. H. Beck Wissen“, vermittelt kompakt und fundiert die Geschichte und die Physik der Gravitationswellenforschung. Dabei bringt einem Grote die vielen wichtigen Figuren nahe und vermittelt hervorragend die zentralen physikalischen Überlegungen und die Entwicklung und Funktionsweise speziell von LIGO, besonders im Hinblick auf die mehr als anspruchsvolle Analyse der Daten. Dazu führt er ein sehr schönes Zitat des Astronomen Saul Perlmutter an: „Wissenschaft ist ein permanentes Rennen zwischen unserem Erfindungsreichtum, uns selbst zu täuschen, und unserem Erfindungsreichtum, gerade dies zu vermeiden.“ Um zu verstehen, wie ein Gravitationswellendetektor funktioniert und wie lang und mühevoll der Weg dorthin war, ist das Buch von Hartmut Grote bes­tens geeignet. Einziges Manko ist das etwas lieblose Verzeichnis der verwendeten Literatur. Ein ausführlicheres und systematischeres Verzeichnis weiterführender Lektüre hätte dem Werk besser gestanden.

Von ganz anderer Art ist das Buch von Rüdiger Vaas, der als rastloser Reporter engagiert über die Wissenschaft berichtet, die sich um Einsteins und Hawkings Arbeiten rankt. Dabei gelingt es ihm in seinen zahlreichen Artikeln und Büchern oft genug, auch die gewagteren Ideen nachvollziehbar zu vermitteln. Sein Buch, das zeitgerecht zum Physik-Nobelpreis 2017 erschienen ist, stellt eine abwechslungsreiche Tour durch die Gravitationswellenforschung und die damit zusammenhängenden Untersuchungen in Astrophysik und Kosmologie dar. Allerdings wirkt es wie aus separaten Artikeln aufgebaut und ist daher nicht so stringent lesbar wie das Buch von Hartmut Grote.

Vaas ist durchaus nah dran an den Forschern. Allerdings stehen die vielen Wissenschaftlernamen und Institutionsbezeichnungen einer übersichtlicheren Darstellung oft im Weg. Die Sprache im Buch ist dagegen betont locker. Dabei vergaloppiert sich Vaas jedoch manchmal, etwa wenn er über den zweiten Nachweis von Gravitationswellen am 26. Dezember 2015 schreibt: „Diesmal zitterten die Christbäume, die Geschenke darunter wackelten, und selbst die in Verdauung befindlichen Weihnachtsgänse zitterten ein letztes Mal auf. Das war aber alles so extrem schwach, dass niemand es bemerken konnte.“
All denen, die sich bei solchen Flapsigkeiten nicht die Haare raufen, sondern lieber mehr über die Haare von Schwarzen Löcher erfahren möchte, kann ich das Buch durchaus empfehlen. Vaas kennt sich mit der Materie aus, über die er schreibt, egal ob baryonisch oder dunkel.

Alexander Pawlak

Cover Grote

H. Grote: Gravi­tationswellen – Geschichte einer Jahrhundert­entdeckung, C. H. Beck, München 2018, brosch., 127 S., 9,95 €, ISBN 9783406719417 

Cover Vaas

R. Vaas, Signale der Schwerkraft – Gravitations­wellen: Von Einsteins Erkenntnis zur neuen Ära der Astrophysik, Kosmos 2017, brosch., 208 S., 12,99 €, ISBN 9783440159576

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