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Standing together in troubled times. Unpub­lished Letters by Pauli, Einstein, Franck and others

  • von Mikhail Shifman
  • 23. January 2018
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Mikhail Shifman: Standing together in troubled times. Unpub­lished Letters by Pauli, Einstein, Franck and others, World Scientific, Singapur 2017, broschiert, 337 S., 32 £, ISBN 97898113201019

Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau, heißt es oft. Wer nach einem Beweis für diese Alltagsweisheit sucht, kann diesen in der vorliegenden Briefedition finden. Diese enthält jüngst aufgefundene Briefe und andere Dokumente von Charlotte Houtermans. Sie hatte 1927 in Göttingen bei Gustav Tammann promoviert und dort nicht nur ihren späteren Ehemann Fritz Houtermans kennengelernt, sondern auch Freundschaft mit zahlreichen (später weltberühmten) Kollegen geschlossen – darunter Robert Oppenheimer, dem sie nach der Promotion nach Amerika folgte. Nach der Rückkehr nach Deutschland heiratete sie dann ihren einstigen Kommilitonen Fritz Houtermans – während eines Physikerkongresses in der Sowjetunion. Trauzeuge war Wolfgang Pauli, der auch Pate der Kinder wurde. 1933 musste die Familie aus Deutschland emigrieren, und man glaubte, in der Sowjet­union eine neue Heimat sowie eine lohnende berufliche Perspektive gefunden zu haben. Allerdings erfüllte sich diese Hoffnung nicht, denn 1937 kamen die Houtermans in das Räderwerk von Stalins „Großem Terror“. Fritz Houtermans wurde als vermeintlicher Volksfeind und deutscher Spion verhaftet. Dass er nicht wie Millionen von Leidensgenossen im Gulag verschwand und ermordet wurde, hat er nicht zuletzt seiner couragierten Frau zu verdanken.

Nach ihrer abenteuerlichen Flucht fand Charlotte Houtermans mit ihren beiden Kindern in Kopen­hagen am Institut von Niels Bohr eine erste Zufluchtsstätte. Von dort organisierte sie eine weltweite Solidaritätsaktion für ihren Mann und gewann dafür prominente Unterstützer wie Einstein, Pauli oder Patrick Blackett. Diese Aktion, aber zynischerweise auch der Hitler-Stalin-Pakt von 1939, der die Ausweisung deutscher Emigranten nach Deutschland bestimmte, rettete Houtermans wohl das Leben.

Die vorliegende Briefedition dokumentiert nicht nur die damaligen Bemühungen, sondern liefert auch ein Porträt der Frau, die hinter Fritz Houtermans stand. Beides allerdings recht lückenhaft, und man muss hier leider wiederholen, was bereits bei der Vorläufer-Publikation des Herausgebers kritisch anzumerken war (vgl. Physik Journal, März 2017, S. 65): Der Umgang des Herausgebers mit den Dokumenten und auch deren Kommentierung entspricht in keiner Weise den Standards, die man an eine wissen­schaftshistorische Edition zu stellen hat. Gleiches trifft auf die einführenden Texte zu, die viel historisches Potenzial verschenken und nur unzureichend über Charlotte und Fritz Houtermans sowie Wolfgang Pauli informieren. Dessen Korrespondenz mit Charlotte Houtermans – darunter fast 30 vom Herausgeber gefundene Pauli-Briefe! – steht im Mittelpunkt der Publikation. Für den Leser ist es deshalb ein Glück, dass die abgedruckte Korrespondenz in großen Teilen für sich spricht.

Prof. Dr. Dieter Hoffmann, Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin

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