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Science oder Fiction? Stanislaw Lems Philosophie der Wissenschaft und Technik

  • von J. Murašov, S. Werner (Hrsg.)
  • 29. November 2017
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J. Murašov, S. Werner (Hrsg.): Science oder Fiction? Stanislaw Lems Philosophie der Wissenschaft und Technik, Wilhelm Fink 2017, broschiert, 170 S., 29,90 € ISBN 9783770561742

Der „Literatur-Papst“ Marcel Reich-Ranicki (1920 – 2013) bekannte sich einmal zu seiner Abneigung gegen Science-Fiction-Romane. Vom polnischen Autor Stanislaw Lem (1921 – 2006) habe er deswegen keine einzige Zeile gelesen. Nach einem längeren Treffen bezeichnete er ihn aber als „ungewöhnlich intelligenten und gebildeten Mann, sehr witzig und amüsant“. Gewiss, Science-Fiction hat nicht nur Meisterwerke zu bieten, vieles mag nur kosmisch angehauchtes Blendwerk oder trashige Unterhaltung sein. Seine Stärken kann das Genre aber oft am besten in Form origineller Ideen-Literatur entfalten. Hier ist Stanislaw Lem sicherlich einer der herausragendsten Vertreter. Von den hochkomischen „Sterntagebüchern“ des kosmischen Helden Ijon Tichy über SF-Klassiker wie „Solaris“ bis hin zu umfangreichen und erstaunlich weitsichtigen Traktaten wie „Summa Technologiae“ gibt es bei Lem viel zu entdecken.

Der Sammelband „Science oder Fiction?“ ist aus einem interdisziplinären Workshop zu Lems Werken an der Universität Konstanz im Jahr 2015 entstanden, an dem sich Vertreterinnen und Vertreter aus Slawistik, Literatur­wissenschaft und Philosophie beteiligt hatten. Vorausgeschickt sei, dass man sich nicht von dem gedrängten Layout und den zahlreichen Fußnoten abschrecken lassen sollte, die unter anderem auch den polnischen Wortlaut der Lem-Zitate aufführen. Wer Interesse am Erkenntnisanspruch hat, den Lem zweifelsohne mit seinen Büchern verfolgte, der kann aus den Beiträgen viel über dessen Wissenschaftsskepsis, Überlegungen zum Zufall, über Parallelen zu den Werken von Jorge Luis Borges und Olaf Stapledon oder versteckte autobio­graphische Spuren lernen, speziell wenn es um die schwere Zeit der deutschen Besetzung Polens geht. Das ist nichts für Leser, die Lem erst noch kennen lernen möchten, sondern eher für solche, die sein Werk wieder zur Hand nehmen und dabei über das Lesevergnügen hinaus neue Einsichten gewinnen möchten.

So bietet Franz Rottensteiners Text zu „Solaris“ interessante Lesarten und zeigt einmal mehr, was von den Verfilmungen ignoriert wurde. Der studierte Germanist und Physiker Christian Kassung liest Ijon Tichys „Siebente Reise“ auf originelle Weise relativistisch, während Herausgeberin und Germanistin Sylwia Werner Lems Literaturtheorie mit wissenschaftsphilosophischen Überlegungen koppelt. Die Brücke, die der Slawist Michael Düring vom Fremden in Lems Schaffen zur aktuellen Flüchtlingsproblematik baut, erscheint mir allerdings etwas wackelig. Doch das tat für mich der Lektüre des Bandes keinen Abbruch. Selbst wenn man nicht allen dargebotenen Überlegungen zustimmen oder folgen mag, bieten die insgesamt neun Beiträge genug Anregungen, um den „Kosmos Lem“2) weiter zu erkunden.

Alexander Pawlak

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