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Energie – Wie verschwendet man etwas, das nicht weniger werden kann?

  • von Martin Buchholz
  • 23. August 2017
thumbnail image: Energie – Wie verschwendet man etwas, das nicht weniger werden kann?

Martin Buchholz: Energie – Wie verschwendet man etwas, das nicht weniger werden kann?, Springer, Berlin, Heidelberg 2016, 249 S., broschiert, 19,99 €, ISBN 9783662497418

Das Buch von Martin Buchholz verfolgt das Ziel, Wissen zur Thermo­dynamik unterhaltsam mit alltäglichen Fragen zum Thema Energie zu verknüpfen. Der Autor scheint perfekt geeignet für dieses ehrgeizige Projekt zu sein, unterrichtet er doch Thermodynamik an der TU Braunschweig und war 2010 der erste Deutsche Meister im Science Slam. Doch was in einem Kurz­vortrag von wenigen Minuten funktioniert, taugt noch lange nicht für ein Buch von knapp 250 Seiten.

In den ersten beiden Kapiteln füllt Martin Buchholz ganz die Rolle des Slammers aus: Die Ein­leitung und im Anschluss die Definition der wichtigsten Einheiten und Größen kommen so locker-flockig daher, dass es gar nicht zum spröden Layout des Buches passen will. Nach diesem fröhlichen Aufgalopp überrascht der Autor den Leser mit einer Kehrtwende: Die Erklärungen zu Exergie, Anergie und Entropie sollte zwar das physikbewanderte Publikum problemlos bewältigen, doch ist zumindest fraglich, wie sich Laien dabei schlagen. Waren die beiden Erzählstile bis dahin klar getrennt und wurden dem Thema angemessen eingesetzt, sind sie auf den restlichen Seiten des Buches komplett durchmischt. Neben den zahlreichen und teilweise irreführenden Druckfehlern sorgt das für eine mehr angespannte als entspann­te Lektüre.

Inhaltlich ist nicht klar, warum der Autor den verschiedenen Umwandlungsprozessen von Energie und ihren Grenzen den gleichen Raum gibt wie der Diskussion von Perpetuum mobiles zur Energie­umwandlung jenseits aller Grenzen. Letzteres ist zwar interessant erzählt, schiebt sich aber als Fremdkörper vor die beiden abschließenden Kapitel zur Energiewende und zum Energie „sparen“ im Alltag, was sich an den zahlreichen Wiederholungen zu Umwandlungsprozessen zeigt. Hier wäre weniger Perpetuum mobile mehr gewesen.

Die Auswahl an Zahlen und Fakten zur Energiewende und dem Sparpotenzial im Alltag erscheint mir ausgewogen – Experten mögen anderer Meinung sein. Schade nur, das der Text dabei zum Sammelsurium mutiert, in dem auch gestalterische Elemente nicht zur Ordnung beitragen. Warum Gedanken zur Elektromobilität im gleichen Gewand daher kommen wie die Antwort auf die Frage, warum Windräder genau drei Flügel haben, erschließt sich mir nicht.

Wer sich gerade mit Thermodynamik beschäftigt und wissen möchte, wo die manchmal sehr abstrakt daherkommenden Zusammenhänge eine praktische Anwendung finden, ist bei Martin Buchholz gut aufgehoben. Als begleitende Literatur zu einer ent­sprechenden Vorlesung kann ich mir das Buch gut vorstellen, auch wenn der dünne Band recht teuer ist.

Kerstin Sonnabend

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