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Relativer Quantenquark

  • von Holm Gero Hümmler
  • 23. August 2017
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Holm Gero Hümmler: Relativer Quantenquark, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2017, 233 S., Taschenbuch, 19,99 €, ISBN 9783662538289

Der promovierte Physiker Holm Gero Hümmler engagiert sich bei der GWUP, der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung der Parawissenschaften. In seinem Buch zeigt er gut lesbar und strukturiert, wie Relativitätstheorie und Quantenmechanik für Verschwörungstheorien und esoterischen Schwindel missbraucht werden. Ein kurzes „fiktives Fallbeispiel“ beleuchtet, was mit der launigen Bezeichnung „Relativer Quantenquark“ gemeint ist.

In den ersten Kapiteln widmet sich Hümmler den physikalischen Grundlagen. Dabei gelingt es ihm ausgesprochen lehrreich und unterhaltsam, in diese doch sehr anspruchsvolle Physik einzuführen. Er verzichtet vollständig auf Formeln − eine kurze Einführung in die Lorentz-Transformation findet sich im Anhang − und verwendet da, wo es nötig ist, Abbildungen zur Veranschaulichung. Auch der his­torische Kontext, in dem die Theorien sich entwickelt haben, und die mit heutigem Wissen absurd anmutenden Spekulationen namhafter Wissenschaftler kommen nicht zu kurz.

Im folgenden eher wissenschaftstheoretischen Kapitel geht es darum, was eine wissenschaftliche Theorie überhaupt ausmacht. Hümmler erklärt sehr übersichtlich die unterschiedliche Verwendung von Begriffen wie „Theorie“ oder „Hypothese“ in der Wissenschaft und im alltäglichen Sprachgebrauch und erklärt Konzepte wie „Falsifizierbarkeit“ und „Occam‘s Razor“.
Anschließend schlägt er den Bogen über spekulative, aber durchaus seriöse Forschungsgebiete der modernen Physik wie der Stringtheorie bis zu fehlgeleiteten Theorien, bei denen sich auch (ehemals) etablierte Forscher teilweise in seltsame Abhandlungen versteigen. Auch fehlt nicht der Hinweis, dass Wissenschaftler durch ungeschickte Kommunikation oder allzu originelle Bezeichnungen oft selbst zu pseudowissenschaftlichen Missverständnissen beitragen können.

Insgesamt ist es eine große Stärke des Buches, das der Autor nicht versucht, alle ihm bekannten esoterischen Schwurbeltheorien aufzulisten und einzeln akribisch zu widerlegen. Das wäre sicher ein Fass ohne Boden. Stattdessen finden sich Verweise auf besonders abstruse oder amüsante Schwurbeleien als kleine „Quarkstückchen“ eingestreut in den Kapiteln. Dazu kommen farblich abgesetzte Textkästen „Zum Mitnehmen“, welche die Kernaussagen kurz und präzise zusammenfassen. Die entsprechende Fachliteratur wie auch populärwissenschaftliche Artikel und Weblinks finden sich in ausführlichen Literaturlisten am Ende jeden Kapitels.

Das Buch endet mit einem kurzen Kapitel dazu, wie sich „generischer“ Quantenquark in drei Schritten anrühren lässt, und anhand welcher Faustregeln man relativen Quantenquark von seriöser Wissen­schaft unterscheiden kann. All jenen, die diese Unterscheidung interessiert, die aber nicht in die Untiefen der Fachliteratur eintauchen möchten, ist das Buch uneingeschränkt zu empfehlen.

Dipl.-Phys. Birgit Niederhaus, Eppstein-Bremthal

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