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Building the H-Bomb. A Per­sonal History

  • von K. W. Ford
  • 23. May 2017
thumbnail image: Building the H-Bomb. A Per­sonal History

K. W. Ford: Building the H-Bomb. A Per­sonal History, World Scientific ­Publishing, Singapur 2015, 225 S., broschiert, 16 £, ISBN 9789814618793

Staatsgeheimnisse werden in diesem Buch nicht verraten, auch wenn das amerikanische Energieministerium den Autor vor der Veröffentlichung zum Löschen ganzer Passagen aufgefordert hatte. Ford weigerte sich und hat seinen persönlichen Erfahrungsbericht ungekürzt herausgebracht. Und in der Tat, bis auf das Faktum, dass die ursprünglich berechnete Sprengkraft der ersten thermonuklearen Testexplosion „Ivy Mike“ im November 1952 nur sieben statt der tatsächlichen zehn Megatonnen betrug, konnte der Rezensent keinerlei Details feststellen, die nicht bereits anderswo veröffentlicht sind.

„Ivy Mike“ war keine abwerfbare Bombe, sondern eine 74 Tonnen schwere Versuchsanordnung, bei der etwa ein Viertel der Sprengkraft durch Fusionsreaktionen mit Deuterium erzeugt wurde. Sie war der erste Großtest des von Edward Teller und Stanislaw Ulam entworfenen Konzepts einer mehrstufigen Bombe, bei der Spalt- und Fusionsmaterial räumlich getrennt waren. Das Deuterium wurde dabei durch den von einer Atombombe erzeugten Strahlungsdruck komprimiert und zur Zündung gebracht. Vor dem Hintergrund des Ringens um die Machbarkeit und das kos­teneffektivste Design der Wasserstoffbombe („more bang for the buck“) schildert der Autor seinen Beitrag zum Projekt.

Ford war 24 Jahre alt, als er 1950 zunächst nach Los Alamos ging. Dort schloss er sich der Arbeitsgruppe um John Archibald Wheeler an, die unter dem Codenamen „Matterhorn“ entscheidend zur Entwicklung der Wasserstoffbombe beitrug. Aus ihr ging später das Princeton Laboratorium für Plasmaphysik hervor. In unzähligen Nachtschichten berechnete Ford zwei Jahre lang, wie sich die Kernreaktion bei verschiedenen Bombenkonfigurationen im späten Stadium der Explosion durch das Fusionsmaterial frisst, ob sie eventuell ausgeht „wie ein Feuer mit nassem Holz“ und wie hoch die freigesetzte Energie ist. Von 1952 an benutzte er hierfür den IBM Großrechner SEAC in Princeton, einen lochkartenprogrammierten Röhrencomputer mit einer Takt­frequenz von einem Megahertz.

Der Autor spannt seine persönlichen Erinnerungen in einen wissenschaftshistorischen Rahmen, der von der Entdeckung der Radioaktivität bis zur Zündung der ersten Wasserstoffbombe reicht. Er weist auch auf die eigenständigen und zeitgleichen Arbeiten in der Sowjetunion durch Andrej Sacharow und Vitalij Ginzburg hin und macht zu Recht deutlich, dass ihre wissenschaftlichen Leistungen denen ihrer amerikanischen Kollegen in nichts nachstanden. In den 1960er-Jahren distanzierte sich der Autor von der Waffenforschung. Seine Mitarbeit am H-Bombenprogramm hält er aber auch heute noch aus Gründen der nuklearen Parität für richtig.

Fords Buch setzt keinerlei Physikkenntnisse voraus. Es ist fachkundig, unterhaltsam, bisweilen sogar humorvoll geschrieben und mit zahlreichen persönlichen Anek­doten über Fermi, Teller, Wheeler und andere gespickt.

Michael Schaaf

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