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Die drei Sonnen

  • von C. Liu
  • 21. March 2017
thumbnail image: Die drei Sonnen

C. Liu: Die drei Sonnen, Heyne, München 2016, 592 S., brosch., 14,99 €, ISBN 9783453317161

Dieser Science-Fiction-Roman enthält eine Menge Physik: das Drei-Körper-Problem, Radioastronomie, kosmischer Mikrowellenhintergrund, Zusatzdimensionen etc., und viele der Protagonisten sind Physikerinnen und Physiker. Das Buch ist aber vor allem deshalb bemerkenswert, weil es aus dem Chinesischen übersetzt wurde. Denn auch wenn China eine lange (allerdings nicht bruchlose) Science-Fiction-Tradition besitzt, gab es nur sehr wenige Übersetzungen: Auf Deutsch erschien 1984 die wohl erste westliche Anthologie utopischer Kurzgeschichten aus China, ein Jahr später folgte der SF-Klassiker „Die Stadt der Katzen“ (1932) von Lao She.

Cixin Liu war vor seiner Schriftstellerkarriere als Kraftwerksingenieur tätig. Im ersten Band seiner Trisolaris-Trilogie erzählt er vor dem Hintergrund der chinesischen Kulturrevolution sowie der nahen Zukunft die Geschichte vom Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation im Alpha-Centauri-System. Das chinesische Lokalkolorit und der Erfindungsreichtum des Autors machten mich zu Beginn neugierig: Im Roman bemüht sich China bereits 1967 um den Kontakt mit Außerirdischen, der Physiker Wang Miao lernt die außerirdische Welt „Trisolaris“ über ein Virtual-Reality-Spiel kennen, und die Trisolarianer planen den „Tod der menschlichen Wissenschaft“, in Vorbereitung auf ihre Invasion in 450 Jahren – so lange dauert es nämlich, bis deren Raumschiffe die Erde erreichen. Dabei variiert Liu auf seine Weise Motive der Kurzgeschichten „Nightfall“ (1941) von Isaac Asimov oder „Liebe im Unendlichen“ (1979) von Tong Enzheng.

Trotz aller Ideenfülle empfand ich die Lektüre als ermüdend. Die Charaktere bleiben blass, viele langatmige Passagen erinnern an Wissenschaftsexkurse à la Frank Schätzing, und der Plot wirkt wie ein interstellarer Spionage-Thriller. Dazu kommt eine allzu frei fabulierte Physik. Spätestens als die Trisolarier davon reden, „in der neunten von elf Dimensionen zu operieren“ und Protonen „zweidimensional zu machen“, um integrierte Schaltkreise einzuätzen, wurde es mir zu beliebig. Schade, denn solche Passagen konterkarieren das vor­handene Potenzial dieses Buches.

Alexander Pawlak

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