Sonne, Wolken, Neutrinos

  • 15. March 2016

Mitte März hat das Europäische Strategieforum für Forschungsinfrastrukturen seine neue Roadmap vorgestellt.

Vor fast genau zehn Jahren hat das European Strategy Forum for Research Infrastructure (ESFRI) seine erste Roadmap für europäische Infrastrukturen veröffentlicht und in den Jahren 2008 und 2010 aktualisiert. Rund 60 Prozent der damals ausgewählten Projekte sind inzwischen umgesetzt und tauchen nun als sog. Landmarks in der Roadmap auf. Das sind unter anderem das European Extremely Large Telescope, die Extreme Light Infrastructure, SKA oder European XFEL. Auf der Mitte März vorgelegten aktuellen Roadmap stehen 21 Projekte, von denen fünf neu dabei sind und sich eines neu ausgerichtet hat – darunter das Neutrinoteleskop KM3NET, das europäische Solarteleskop EST und das Atmosphären-Projekt ACTRIS für Aerosole, Wolken und Spurengase.

In den letzten anderthalb Jahren hat ESFRI die europäische Forschungslandschaft auf neue und bestehende Infrastrukturen von gesamteuropäischem Interesse hin untersucht. Der Fokus lag dabei auf wissenschaftlich exzellenten Projekten, die sich innerhalb von zehn Jahren realisieren lassen und eine hohe sozio-ökonomische Bedeutung haben. Fünf Projekte wurden aus 20 Vorschlägen ausgewählt und in die Roadmap aufgenommen. Wichtig für die Entscheidung waren die finanziellen Zusagen der Mitgliedsländer und der beteiligten Forschungsorganisationen für den Aufbau und Betrieb der jeweiligen Infrastruktur.

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Das Kubikkilometer Neutrinoteleskop KM3NET entsteht am Boden des Mittelmeers und wird nach seiner Fertigstellung aus rund 2000 „Glaskugeln“, den digitalen Optikmodulen, bestehen (Foto: KM3NET)

KM3NET stand bereits 2006 auf der ESFRI-Roadmap. In der ersten Projektphase ging es um die Entwicklung der modularen Detektoren des Neutrinoteleskops und um den Bau der Prototypen. Diese werden derzeit in der Tiefe des Mittelmeers installiert und sollen ab 2020 unter anderen die Eigenschaften von Neutrinos messen und deren Massenhierarchie bestimmen. Aus Deutschland sind die Universitäten in Tübingen, Erlangen-Nürnberg, Würzburg und die Remeis-Sternwarte in Erlangen beteiligt.

Als neues Projekt steht das European Solar Telescope auf der Roadmap – ein vier Meter großes Teleskop mit dem Ziel, fundamentale Prozesse in der Sonne zu untersuchen, welche ihre Atmosphäre und deren Aktivität sowie die Bedingungen in der Heliosphäre bestimmen. In etwa drei Jahren soll der Aufbau auf den kanarischen Inseln beginnen, 2026 könnte das Teleskop seinen Betrieb aufnehmen. Aus Deutschland sind neben dem Kiepenheuer-Institut für Sonnenphysik in Freiburg und dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen verschiedene Industrieunternehmen beteiligt.

ACTRIS ist eine Infrastruktur zur Messung von Aerosolen, Wolken und Spurengasen sowie zur Untersuchung ihrer Wechselwirkung. Deutsche Projektpartner sind das Leibniz Institut für Troposphärenforschung in Leipzig, die LMU München, der Deutsche Wetterdienst und das Rheinische Institut für Umweltforschung an der Universität zu Köln.

Alle Infrastrukturen auf der Roadmap haben zehn Jahre lang Zeit, um die Implementierungsphase zu erreichen. Sind sie erfolgreich, werden sie zu Landmarks, andernfalls verschwinden sie von der Roadmap bzw. müssen sich neu dafür bewerben. 2018 endet für neun Projekte diese Frist, 2020 für weitere sechs.

Maike Pfalz

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