Dem Physikör ist nichts zu schwör

  • 15. January 2016

Die Physik von Entenhausen, der Heimat von Donald Duck und Co., hält erstaunliche Ent-Deckungen bereit.

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Kaum etwas inspiriert Physikerinnen und Physiker so sehr wie die Suche nach neuer Physik. Wo diese sich zuerst manifestieren wird, ist Gegenstand zahlloser Spekulationen. Der Astrophysiker Stefan Jordan vom Astronomischen Rechen-Institut (ARI) der Universität Heidelberg erkundet neue Bereiche der Physik auf höchst ungewöhnliche Weise: Neben seiner Arbeit im Rahmen des Gaia-Projekts zur Kartierung der Milchstraße versucht er der „Physik, Astronomie und Raumfahrt“ in Entenhausen auf die Spur zu kommen. Welche Ent-Deckungen sich dabei ergeben haben, stellte er am 14. Januar im Planetarium Mannheim vor. Jordans Vortrag war Teil des Begleitprogramms zur höchst unterhaltsamen Ausstellung „Duckomenta“, die noch bis zum 24. April im Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museum zu sehen ist.

Grundlage für seine Forschungen sind die Geschichten des amerikanischen Comiczeichners Carl Barks (1901 – 2000), die in Deutschland von Erika Fuchs kongenial ins Deutsche übertragen wurden. Für Mitglieder der D.O.N.A.L.D. (Deutsche Organisation der nichtkommerziellen Anhänger des lauteren Donaldismus) sind diese Geschichten nicht einfach Comics, sondern Berichte aus dem tatsächlich irgendwo existierenden Duckschen Universum.

Stefan Jordan zeigte angesichts vieler Beispiele aus dem Werk von Barks, dass die Physik in Entenhausen zumeist ähnlich zu funktionieren scheint wie in unserer Welt. Dabei ist zudem noch ungeklärt, ob das „anatidische“ (von „anas“, lateinisch für Ente) Universum und das unsere völlig getrennt sind oder doch irgendwie in Verbindung stehen.

Zu den physikalischen Gesetzmäßigkeiten, die möglicherweise in Entenhausen nicht gelten, zählt der zweite Hauptsatz der Themodynmaik, zumindest in der Formulierung, dass in der Welt nichts von alleine ordentlicher wird. Stefan Jordan zeigt, welche Indizien dafür donaldistische Forscher gefunden haben. So setzt sich ein Geheimplan, der in Fetzen gerissen in einem Bach gelandet ist, stromabwärts wieder zusammen.

In einer anderen Geschichte gelingt es dem Erfinder Daniel Düsentrieb, ein 500 Kilo-Gewicht mit einem kleinen Ballon zum Schweben zu bringen. Dies hat sogar Anlass zu einer Quantenchromodynamik in Entenhausen gegeben, die über die Existenz exotischer Materieformen spekuliert, die aus „Quaks“ und „Antiquaks“ aufgebaut sein sollen. So genannte „away-Quaks“ sind dabei Träger einer antigravitativen Wechselwirkung.

Interessant wird es bei den astronomischen Verhältnissen von „Stella Anatium“, dem Heimatplaneten von Donald Duck Da es in den Geschichten von Carl Barks Trabanten mal mit, mal ohne Atmosphäre gibt, vermuten donaldistische Forscher, dass der Heimatplanet von Donald Duck zwei oder sogar mehrere Monde haben könnte. Dazu kommt noch ein sagenhafter Goldmond, der lange verborgen blieb, weil er sich immer hinter einem größeren Mond versteckte.

Jordan hat untersucht, ob eine solche himmelsmechanische Konstellation überhaupt möglich ist. In einer Simulation platzierte er den Goldmond auf einem der Lagrange-Punkte hinter dem größeren Mond. Die anfänglich stabile Anordnung Gerät aber allzu rasch durcheinander und der Goldmond stürzt auf den anderen Mond. Lösung böte da nur eine modifizierte Newtonsche Dynamik (MOND), die in unseren Universum postuliert wird, nicht jedoch im Hinblick auf eine Tauglichkeit für eine ducksche Welt.

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Der Goldmond (Inset)  im Entenhausener-Universum kann sich nach irdischer Physik nicht auf Dauer auf einer stabilen Bahn hinter dem größeren Mond verstecken. (Bilder: S. Jordan; C. Barks)

Man mag solche Überlegungen als höheren Blödsinn abtun. Unterhaltsam sind diese oft erstaunlich anspruchsvollen Spekulationen jedoch allemal. Zudem belegen sie auch, wie visionär Carl Barks war. So stellte er Asteroiden als lose Ansammlungen von Geröll dar, rund zwei Jahrzehnte, bevor solche Objekte („rubble pile asteroids“) tatsächlich entdeckt worden. Das führte schließlich dazu, dass der Asteroid 2730 auf den Namen Barks getauft wurde. Und bereits 1961 beschrieb er in einer seiner Geschichten mit Daniel Düsentrieb die drahtlose Übertragung von Materie, fünf Jahre bevor das „Beamen“ durch die Fernsehserie „Raumschiff Enterprise“ weltbekannt wurde.

Alexander Pawlak

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