Ranking in neuem Licht

  • 04. May 2015

Das diesjährige CHE-Ranking beleuchtet erneut die Studienbedingungen im Fach Physik. Die KFP hat den Prozess des Rankings zwei Jahre lang begleitet und zahlreiche Veränderungen bewirkt.

Bald wird wieder eine neue Generation von Abiturienten in Deutschland stolz ihre Zeugnisse in Empfang nehmen und dann vor der schwierigen Entscheidung stehen: Was soll ich studieren? Und wo? Orientierung in dieser Situation bieten zahlreiche Rankings. Speziell an Schulabgänger richtet sich das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE). Am 4. Mai hat das CHE neue Daten zum Physikstudium in Deutschland veröffentlicht.

Insgesamt 29 Indikatoren geben hierbei Auskunft über Forschungsprofil, internationale Ausrichtung, Abschlüsse in angemessener Zeit, Betreuung durch Lehrende oder Zahl der Hauptfach-Studierenden. Diese fünf Hauptindikatoren finden sich im gedruckten Studienführer, online können Studieninteressierte sich auch über Studieneinstieg, Laborpraktika, Dozenten, Wissenschaftsbezug oder Infrastruktur an den einzelnen Standorten informieren. Indikatoren wie das Forschungsprofil oder die Zahl der Studierenden tauchen im Ranking als Farbbalken bzw. Zahl auf, viele andere werden in den Farben der „CHE-Ampel“ angezeigt. Diese geben darüber Auskunft, ob ein Fachbereich in der Spitzengruppe (grün) gelandet ist, im Mittelfeld (gelb) oder in der Schlussgruppe (blau). Am besten schneidet in Physik die U Duisburg-Essen ab, die bereits 2012 einen der vorderen Plätze erreichen konnte und die nun in den Hauptindikatoren der Printfassung zur Spitzengruppe zählt. Neu auf vorderen Plätzen sind u. a. die FU Berlin, die TU Dortmund oder die Uni Hannover, während beispielsweise das Karlsruher Institut für Technologie in Physik eher mäßig abschneidet und bei den Indikatoren der Printfassung einen der hinteren Plätze einnimmt. Wie schon in den vergangenen Ausgaben des CHE-Rankings fällt auch dieses Mal auf, dass sich traditionell forschungs- und drittmittelstarke Universitäten wie die LMU und TU München oder die RWTH Aachen in puncto Betreuung durch Lehrende höchstens im Mittelfeld befinden.

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Je größer die Hochschule dargestellt ist, desto besser ist ihr Ranking-Ergebnis. Im Zentrum findet sich die U Duisburg-Essen, die bei drei Hauptindikatoren, die sich in der Printfassung des Rankings finden, zur Spitzengruppe zählt. (Abb.: CHE Hochschulranking)

In den vergangenen Jahren ist das CHE-Ranking massiv in die Kritik geraten: Die Deutsche Gesellschaft für Soziologie bemängelte gravierende methodische Schwächen und rief die Soziologie-Institute auf, das Ranking zu boykottieren und keine Zahlen mehr zu liefern. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker empfahl seinen Fachbereichen, sich nicht zu beteiligen und forderte die Abschaffung der „Ampel“. Auch die DPG hat auf die Schwächen des Rankings reagiert: So hat die Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) vor mehr als zwei Jahren eine Arbeitsgruppe gebildet, um das Ranking konstruktiv zu begleiten. Die Arbeitsgruppe bestand aus vier Physikhochschullehrern, einem Vertreter der jDPG und einer Vertreterin der ZaPF (Zusammenkunft aller Physik-Fachschaften).

Im Ergebnis wurde der Fragebogen gründlich überarbeitet, um genau diejenigen Aspekte abzufragen, die für die Attraktivität eines Hochschulstandorts bzw. eines Fachbereichs für Studienanfänger die wichtigste Rolle spielen. Wie entscheidend ist beispielsweise die Forschungsstärke eines Fachbereichs zu Beginn des Studiums? „Am Anfang spielt das noch keine wesentliche Rolle, andererseits sollte ein Fachbereich für Studierende aber auch eine Perspektive für die eigene Bildungskarriere bieten“, ist René Matzdorf, Sprecher der KFP und Mitglied der Arbeitsgruppe, überzeugt. Aus diesem Grund wird die Forschungsstärke eines Fachbereichs nach wie vor im Ranking erfasst, allerdings ist die Zahl der Doktoranden der einzige Gradmesser für die Forschungsstärke. Publikationen, Zitationen und eingeworbene Drittmittel wurden nicht abgefragt.

Wichtig für Studieninteressierte ist zudem das Forschungsprofil eines jeden Fachbereichs. Das neue Ranking zeigt erstmals auf, wie stark sich die Standorte in ihren Profilen unterscheiden. Die verschiedenen Fachrichtungen innerhalb der Physik wurden hierzu in sechs Gruppen zusammengefasst und im Ranking als Farbbalken dargestellt. Das Forschungsprofil zusammen mit der Gesamtzahl der Physikstudierenden zeigt deutlich den unterschiedlichen Charakter der einzelnen Standorte. „Studieninteressierte sollten bei ihrer Suche deswegen nicht nur auf die Ampelbewertung blicken“, rät René Matzdorf.

Veränderungen gab es auch bei der Frage der Studiendauer: Während früher nach dem Abschluss in Regelstudienzeit gefragt wurde, heißt es nun „Abschluss in angemessener Zeit“. Liegt die durchschnittliche Studiendauer zwei Semester über der Regelstudiendauer, wird das einer Universität nicht mehr negativ angelastet. „Für viele Studierende ist es gar nicht erstrebenswert, in Regelstudienzeit fertig zu werden. Sie wollen die Zeit an der Universität auch nutzen, um ihre Kenntnisse zu vertiefen und über den Tellerrand zu blicken“, meint Matzdorf.

Damit das Ranking möglichst unterschiedliche Dimensionen zum Physikstudium aufzeigt, wurde auch die internationale Ausrichtung des Standorts dargestellt. „Dieses Thema wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, denn die jungen Leute sind viel mobiler geworden“, erklärt Matzdorf. Wer bereits strukturierte Programme für Aufenthalte an ausländischen Universitäten anbietet und vor Ort mit vielen Gästen ein international geprägtes Umfeld besitzt, bietet Studierenden einen spürbaren Mehrwert.

Nach über zweijähriger Zusammenarbeit hat sich das CHE-Ranking in der Physik stark verändert – ein Wandel, der auch auf andere Fächer ausstrahlt. „Die Zusammenarbeit mit dem CHE war sehr konstruktiv, viele unserer Vorschläge wurden bereits im letzten Jahr auf andere Fächer angewandt“, freut sich René Matzdorf. „Aus unserer Sicht hat sich das Ranking erheblich verbessert und erscheint nun in völlig neuem Licht! Wir sind gespannt auf die Reaktion der breiten Öffentlichkeit.“

Maike Pfalz

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