Eine europäische Erfolgsgeschichte

  • 29. August 2014

In Darmstadt feierte die Europäische Weltraumorganisation ESA ihren 50. Geburtstag.

Der Sputnik-Schock lag gerade ein Jahr zurück, und Amerika und die Sowjetunion lieferten sich ein Wettrennen um die Eroberung des Weltraums, als 1958 die beiden Physiker Pierre Auger und Edoardo Amaldi die Gründung einer europäischen Weltraumorganisation vorschlugen. Nach dem Vorbild des CERN sollte Europa eine rein wissenschaftliche Organisation gründen. Nur sechs Jahre später nahmen 1964 gleich zwei europäische Einrichtungen ihre Arbeit auf: die European Space Research Organisation (ESRO) und die European Launcher Development Organisation (ELDO), aus denen 1975 die ESA hervorging. „Heute ist die ESA eine der wenigen Agenturen weltweit, die das gesamte Spektrum der Weltraumaktivitäten abdecken“, sagte Thomas Reiter, Astronaut und ESA-Direktor für Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb, bei einer Feierstunde Ende August im Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt. Von hier aus wurden seit 1967 mehr als 70 Satelliten gesteuert, darunter der Erdbeobachtungsatellit ENVISAT, die Weltraumteleskope Herschel und Planck, die Raumsonden Mars Express, Venus Express, Huygens (mit der Landung auf dem Jupiter-Mond Titan 2005) oder die Mission Giotto zum Halleyschen Kometen.

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Gruppenbild mit Dame: Staatssekretärin Brigitte Zypries mit u. a. den beiden Ex-Astronauten Thomas Reiter und Ulf Merbold (hinten), ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain (rote Krawatte) und DLR-Vorstandsvorsitzender Johann-Dietrich Wörner (ganz links; Bild: ESA)

Highlights der ESA im Jubiläumsjahr sind der Aufenthalt des deutschen Astronauten Alexander Gerst auf der ISS – von dort meldete er sich per Twitter – und die Mission Rosetta, die nach einer zehnjährigen Anreise derzeit nur 50 Kilometer entfernt um den Kometen Churyumov-Gerasimenko kreist. Für den 11. November ist erstmals überhaupt die Landung auf einem Kometen geplant. „Wir erfinden neue Technologien und neue Missionen, die niemand zuvor unternommen hat“, sagte ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain, der aber auch an Rückschläge erinnerte: „Wir müssen Risiken eingehen, nicht, weil wir das wollen, sondern weil es der einzige Weg ist, die Grenzen des Wissens zu verschieben.“ So seien die ESOC-Experten Tag und Nacht mit den beiden neuesten Satelliten für das Navigationssystem Galileo beschäftigt, die sich seit dem Start am 22. August in der falschen Umlaufbahn befinden. Die Sonnensegel sind inzwischen entfaltet, und die Satelliten befinden sich unter Kontrolle – ob sie jedoch die vorhergesehene Umlaufbahn noch erreichen können, ist fraglich.

Die ESA hat heute 20 Mitgliedsstaaten, rund 2200 Mitarbeiter und ein Budget von 4,2 Milliarden Euro, dessen größten Posten die Erdbeobachtung (980 Mio.), Navigation (710), Trägerraketen (689), Wissenschaft (508) und Bemannte Raumfahrt (399) sind. Beate Zypries, Staatssekretärin im BMWi und Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung, erinnerte in Darmstadt daran, dass Deutschland über den ESA-Beitrag von 630 Millionen Euro hinaus jährlich weitere rund 600 Millionen für die Raumfahrt ausgibt und wünschte sich „noch eine stärkere Verlagerung weg von eher staatlich geprägten Aktivitäten auf die Seite der Industrie. Die Raumfahrt sollte zunehmend ein Wirtschaftsmodell werden, das immer mehr ohne Unterstützung des Staates auskommt.“ Dies mag zwar für die Telekommunikation und Navigation gelten, aber wie das zur Erdbeobachtung oder Grundlagenforschung passt, ließ sie offen.

Stefan Jorda

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