Karriere mit Perspektive

  • 22. July 2014

Der Wissenschaftsrat hat Empfehlungen zu Karrierezielen und -wegen an Universitäten vorgelegt.

Mit der Promotion öffnen sich dem Nachwuchs viele Türen – die in die Industrie, aber auch die zu einer Karriere in der Wissenschaft. Doch welcher Weg ist der beste? Die Mehrheit der Absolventen kehrt der Universität den Rücken. Auf diejenigen, die sich für die wissenschaftliche Laufbahn entscheiden, wartet ein meist steiniger Weg, der über befristete und mehr oder minder gut bezahlte Verträge führt und doch keine Sicherheiten bietet. Eine Neuordnung der Karrierewege an den Hochschulen zählt daher zu den zentralen Herausforderungen des deutschen Wissenschaftssystems. Aus diesem Grund hat der Wissenschaftsrat Mitte Juli Empfehlungen vorgelegt, nachdem eine Arbeitsgruppe rund anderthalb Jahre lang Experten befragt und mit Repräsentanten der betroffenen Gruppen diskutiert hat. Bereits im Jahr 2001 hatte der Wissenschaftsrat sich zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses geäußert und unter anderem die Einführung der Juniorprofessur gefordert.

Die Mehrzahl der Karrierewege an der Universität ist derzeit auf die Professur ausgerichtet. Daten über die Bewerberlage gibt es allerdings nicht, sodass die Berufungschancen nicht einzuschätzen sind. Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben meist befristete Stellen mit Laufzeiten von zum Teil unter einem Jahr. Zum Zeitpunkt ihrer Berufung sind Professoren in Deutschland häufig über 40 Jahre alt, sodass manch ein Nachwuchswissenschaftler zu spät in eine Sackgasse gerät, um in andere Berufsfelder zu wechseln. All dies mindert die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Deutschland. Der Wissenschaftsrat fordert daher bessere Perspektiven, eine größere Durchlässigkeit zwischen Universitäten und anderen Arbeitsmärkten innerhalb und außerhalb der Wissenschaft und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Zentral ist dabei die Empfehlung, mehr unbefristete Stellen an den Universitäten zu schaffen – bis 2025 soll etwa jede fünfte Professur einen Tenure Track beinhalten. Gleichzeitig gilt es, die Zahl der Professuren insgesamt um etwa 7500 zu erhöhen und auch die Zahl der unbefristet beschäftigten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Lehrkräfte für besondere Aufgaben in gleichem Maße zu erhöhen.

Der Wissenschaftsrat unterscheidet die Karriereziele Professur und wissenschaftlicher Mitarbeiter. Zur unbefristeten Professur soll zum einen der offene Wettbewerb über die herkömmliche Berufung führen und zum anderen der Tenure Track, also eine zunächst befristete Professur, die nach einer Bewährungsphase und einer erfolgreichen Evaluation nach transparenten und verbindlichen Kriterien entfristet wird. Die zweite Kategorie umfasst wissenschaftliche Dienstleistungen wie Forschung, Lehre, Forschungsinfrastrukturen und Technologietransfer sowie wissenschaftsnahe Dienstleistungen, also Wissenschaftsmanagement und -administration. Die Universitäten müssten für diese Stellen Standards, Prozesse sowie Aufgaben- und Anforderungsprofile entwickeln und Aufstiegschancen festlegen. Bislang sei dieser Weg wenig ausgestaltet und erkennbar, sondern habe sich eher „zufällig ergeben“.

Aus Sicht des Wissenschaftsrats sind von Universitäten sowie Bund und Ländern erhebliche Anstrengungen erforderlich, um die Tenure-Track-Professur zu etablieren und die Personalstruktur an den Universitäten zu verändern. Aber nur mit einem rechtlich verbindlichen Tenure-Track-Modell könne man im Wettbewerb um die besten Köpfe bestehen, wie Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, verdeutlichte: „Damit lassen sich die eigenen Chancen auf eine Professur besser einschätzen. Universitäten wird er dabei helfen, talentierte und ambitionierte Personen für eine Hochschullehrertätigkeit zu gewinnen.“

Maike Pfalz

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