Wechsel an der Spitze

  • 10. July 2018

Der neue DFG-Förderatlas für die Jahre 2014 bis 2016 zeigt, welche Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Deutschland am erfolgreichsten Drittmittel eingeworben haben.

Während bei den letzten beiden Ausgaben des DFG-Förderatlas die beiden Münchner Universitäten und die U Hamburg das Spitzentrio der deutschen Hochschulen bildeten, die in der Physik am erfolgreichsten Drittmittel der DFG einwerben konnten, hat sich nun die Universität Mainz an die Spitze gesetzt. Dies ist eines der Ergebnisse der nunmehr achten Ausgabe des Förderatlas, mit dem die DFG alle drei Jahre Kennzahlen zur öffentlich finanzierten Forschung vorlegt. Ansonsten finden sich die „üblichen Verdächtigen“ in den Top 10 der Physik – allerdings ist das Karlsruher Institut für Technologie vom 4. auf den 12. Platz abgerutscht, während sich die TU Berlin auf Platz 10 vorarbeiten konnte. Fast 320 von 631 Millionen Euro warben die erfolgreichsten 12 Hochschulen ein – der Rest verteilt sich auf 60 weitere Hochschulen.

In den betrachteten Jahren 2014 bis 2016 war die Universität Mainz insbesondere bei der Physik kondensierter Materie sowie bei Teilchen, Kerne, Felder erfolgreich und warb dort 20,1 bzw. 23,1 Millionen Euro ein – unter anderem ein Erfolg des Exzellenzclusters PRISMA. Die Universität Mainz ist damit Spitzenreiter in beiden Forschungsfeldern, wobei der Abstand zum zweitplatzierten Standort bei Teilchen, Kerne, Felder besonders groß ist: Die Universität Heidelberg liegt dort mit 8,6 Millionen Euro abgeschlagen auf Platz 2. Innerhalb von drei Jahren stieg die Summe der DFG-Bewilligungen an der U Mainz von 18,6 auf stolze 47,4 Euro! Bei den Universitäten in München und Hamburg gab es dagegen nur leichte Veränderungen. „Dass die JGU Mainz in den Naturwissenschaften die Liste aller deutschen Universitäten anführt, ist ein herausragender Erfolg. Dieses Top-Ergebnis bestätigt die Spitzenleistungen insbesondere unserer Physiker und Mathematiker in den Profilschwerpunkten der Universität“, freut sich der Präsident der JGU und Physiker Georg Krausch.

Auf die der Physik zugeordneten Forschungsfelder entfielen insgesamt 726 Millionen Euro, dies entspricht 41 Prozent der DFG-Bewilligungen in den Naturwissenschaften. An Hochschulen tätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler warben rund 631 Millionen Euro ein (Tabelle). Bei den außeruniversitären Forschungseinrichtungen waren in der Physik das Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr, das Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden und das Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam am erfolgreichsten.


Die erfolgreichsten zwölf Hochschulen in der Physik haben zwischen 2014 und 2016 knapp 320 Millionen Euro eingeworben. Seit dem letzten Förderatlas ist die U Mainz von Platz 10 an die Spitze vorgerückt. Die DFG-Bewilligungen sind nach Forschungsfeldern aufgeschlüsselt: Physik der kondensierten Materie (PKM), Optik, Quantenoptik und Physik der Atome, Moleküle und Plasmen (OPT), Teilchen, Kerne und Felder (TKF), Statistische Physik, Weiche Materie, Biologische Physik, Nichtlineare Dynamik (SND) sowie Astrophysik und Astronomie (AST). (Quelle: DFG)

Einen besonderen Akzent setzt der aktuelle Förderatlas auf die Forschungsförderung in der EU. Verschiedene Auswertungen zeigen hier, dass insbesondere Deutschland und Großbritannien den europäischen Forschungsraum prägen. So hat Deutschland im EU-Rahmenprogramm Horizon 2020 im betrachteten Zeitraum mit 3,9 Milliarden Euro die meisten Mittel eingeworben, gefolgt von Großbritannien mit 3,6 Milliarden. Danach folgen Frankreich (2,4 Mrd. Euro), Spanien (2,1 Mrd. Euro) und Italien (1,9 Mrd. Euro). Auch bei den bilateralen Kooperationen und EU-weiten Netzwerken im Rahmen von Horizon 2020 liegen Deutschland und Großbritannien vorn. Bei der Förderung durch den European Research Council dagegen führt Großbritannien mit 555 Starting, Advanced oder Consolidator Grants vor Deutschland mit 456 ERC-Grants.

Darüber hinaus richtet der Förderatlas einen Blick auf die Bedeutung der Drittmittel für die Gesamtfinanzierung der Hochschulen. Nachdem der Drittmittelanteil lange angestiegen ist und 2012 mit 28,1 Prozent einen Höchststand erreichte, ist er seitdem weitgehend stabil. Zudem sind die Steigerungsraten deutlich zurückgegangen – von rund 9 Prozent zwischen 2008 und 2013 auf 1,5 Prozent im Jahr 2015. Die Grundfinanzierung ist dagegen seit 2008 gestiegen, 2014 erstmals stärker als die Drittmittel. Insgesamt erhielten die deutschen Hochschulen 2015 knapp 20 Milliarden Euro Grundmittel und 7,4 Milliarden Drittmittel.

Die Drittmittel seien dabei nie allein als finanzielle Kategorie und monetärer Gewinn für die einzelnen Institutionen zu sehen, sondern vielmehr als „Ausweis von Forschungsqualität und als wesentliches Element der Qualitätssicherung im Wissenschaftssystem“, unterstrich DFG-Präsident Peter Strohschneider bei der Präsentation des Förderatlas in Berlin. Der Förderatlas basiert auf zehntausenden Daten aller großen öffentlichen Forschungsförderer in Deutschland und der EU und versteht sich damit als umfassendes Informationswerk für die Öffentlichkeit und als Entscheidungsinstrument für die Wissenschaft.

Maike Pfalz / DFG

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