Zum Tod von Peter Grünberg

  • 09. April 2018

Der Physik-Nobelpreisträger und Stern-Gerlach-Preisträger ist im Alter von 78 Jahren gestorben.

Das Forschungszentrum Jülich und die Physik-Community trauern um Peter Grünberg. Der Physik-Nobelpreisträger und Wissenschaftler am Forschungszentrum starb in der vergangenen Woche im Alter von 78 Jahren in Jülich. „Die Nachricht vom Tod von Professor Grünberg macht uns alle sehr traurig. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie. Mit ihm verlieren wir einen herausragenden Wissenschaftler, der auf dem Gebiet der Festkörperforschung weltweit Maßstäbe gesetzt hat", würdigte Wolfgang Marquardt, Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, den Verstorbenen.

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Peter Grünberg ((Foto Forschungszentrum Jülich / Ralf-Uwe Limbach)

Grünberg wurde 1939 in Pilsen geboren und wuchs nach der Vertreibung seiner Familie aus der Tschechoslowakei 1946 im hessischen Lauterbach auf, wo er 1959 am Alexander-von-Humboldt-Gymnasium Abitur machte. Ab 1962 studierte er Physik, zunächst in Frankfurt, dann in Darmstadt, wo er 1969 bei Stefan Hüfner mit einer Arbeit über optische Untersuchungen an Selten-Erd-Granat-Verbindungen 1969 promovierte. Anschließend forschte er von 1969 bis 1972 in Ottawa zur Raman-Streuung.

1972 wurde Peter Grünberg wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungszentrums am damaligen Institut für Festkörperforschung. Im Jahr 1988 entdeckten er und Albert Fert aus Paris-Orsay, unabhängig voneinander den „Riesenmagnetowiderstand“ (englisch: Giant Magnetoresistance – GMR). Grünberg und seine Mitarbeiter hatten ein Fe/Cr/Fe-Dreilagensystem untersucht und eine etwa zehnprozentige Widerstandsänderung gefunden, wenn sie mit einem Magnetfeld die Momente der Fe-Lagen von der antiparallelen in die parallele Konfiguration überführten.

Fert und Mitarbeiter fanden bei Fe/Cr-Multilagen und bei 4 Kelvin sogar einen fünfzigprozentigen Effekt. Fert konnte den Effekt durch spinabhängige Streuung der Leitungselektronen an den Grenzflächen zwischen Ferromagnet und Metall erklären. Grünberg erkannte die enorme technologische Bedeutung des GMR-Effektes und meldete ein Patent an, das zum Schlüsselpatent der Magnetoelektronik wurde. Fert und Grünberg erhielten für ihre Entdeckung zu gleichen Teilen den Physik-Nobelpreis 2007.

Bereits 1989 war Grünberg dafür mit dem Zukunftspreis des Bundespräsidenten und 2006 mit dem Erfinderpreis der Europäischen Kommission ausgezeichnet worden. Im März 2007 hatte er die Stern-Gerlach-Medaille erhalten, die höchste DPG-Auszeichnung für Experimentelle Physik. Zu seinen weiterer Auszeichnungen zählen der Japan-Prize der Science and Technology Foundation of Japan (JSTF) und der Wolf-Foundation-Prize, ebenfalls beide 2007. Die RWTH Aachen, die Universitäten Bochum, Köln, Saarbrücken, Athen, Sendai (Japan) sowie das Gebze Institute of Technology in der Türkei verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Im Jahr 2008 ernannte in die Stadt Jülich zum Ehrenbürger. 2011 wurde er Ehrenmitglied der DPG

Nach Einrichtung der Helmholtz-Professur, war Grünberg 2007 der erste Träger. Die damit verbundenen Ressourcen nutzte er, um mit seiner Jülicher Arbeitsgruppe weiter innerhalb der Spintronik zu forschen. Zudem unternahm er zahlreiche Vortragsreisen im In- und Ausland und unterstützte den Aufbau von Labors für die Spintronikforschung an Universitäten in Südkorea und in China.

Am 1. Januar 2011 gingen das ehemalige Institut für Festkörperforschung und Teile des Instituts für Bio- und Nanosysteme am Forschungszentrum Jülich im Peter-Grünberg-Institut (PGI) auf, das sich der Grundlagenforschung im Bereich neuer physikalischer Konzepte und Materialien in der Informationstechnologie und verwandten Feldern widmet.

„Peter Grünberg war nicht nur ein exzellenter Forscher, er war vor allem auch ein allseits geschätzter und beliebter Kollege. Mehr als 45 Jahre hat er dem Forschungszentrum Jülich die Treue gehalten. Peter Grünberg wird uns fehlen. Das Forschungszentrum wird sein Andenken bewahren“, sagte Wolfgang Marquardt.

Forschungszentrum Jülich / DPG / Alexander Pawlak

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