Von AZUR zu Columbus

  • 07. March 2018

Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum GSOC in Oberpfaffenhofen feiert sein 50-jähriges Bestehen.

Houston, Koroljow, Oberpfaffenhofen – dies sind die Standorte der weltweit ersten drei Kontrollzentren für bemannte Raumfahrtmissionen. Dass in dieser Aufzählung ein oberbayerischer Ortsteil vertreten ist, belegt Deutschlands lange und reiche Tradition in der Erforschung und Nutzung des Weltraums. Eine wichtige Voraussetzung dafür war die Gründung des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums, kurz GSOC (German Space Operations Center). Am 1. März 1968 begann der Aufbau des GSOC am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen bei München. Ein halbes Jahr zuvor war das europäische Satellitenkontrollzentrum ESOC in Darmstadt eröffnet worden.

Das goldene Jubiläum von GSOC feierten rund 400 Gäste aus Forschung, Politik und Industrie am 1. März in Oberpfaffenhofen mit einem Festakt. „Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum GSOC ist die wichtigste nationale Einrichtung zur Steuerung und zum Betrieb von Satelliten. Darüber hinaus hat sich das GSOC als führende europäische Betriebseinrichtung für bemannte Raumflüge etabliert und ist für das ISS-Forschungsmodul Columbus verantwortlich. Auf das Erreichte bin ich sehr stolz“, sagte DLR-Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund.

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Der Kontrollraum K1 ist der größte Kontrollraum des GSOC. Er wird vor allem für die aufwändigen Phasen beim Start und den folgenden kritischen Anfangsphasen im Orbit genutzt, wenn die Satelliten getestet und für die spätere Nutzung konfiguriert werden müssen. (Foto: DLR CC-BY 3.0) Großansicht

Bisher hat das GSOC mehr als 70 Raumfahrtmissionen durchgeführt und ist von sechs Mitarbeitern in der Gründerzeit auf rund 400 Mitarbeiter gewachsen. Aktuell betreuen die Raumflugexperten zehn „fliegende“ Missionen und bereiten zehn weitere Projekte vor. Die Teams sind dabei teilweise im 24-Stunden-Schichtdienst im Einsatz.

Das GSOC in Oberpfaffenhofen wird durch die nahegelegene Bodenstation in Weilheim ergänzt, die mit einigen Monaten Vorsprung parallel zum Raumfahrtkontrollzentrum gebaut wurde. Beide Betriebseinheiten nahmen ihre Arbeit zum Start des ersten deutschen Forschungssatelliten „AZUR“ im November 1969 auf. Wenige Tage nach dem Start durch die NASA übernahm das GSOC die vollständige Verantwortung für den Betrieb. Der Forschungssatellit fliegt noch heute in der Erdumlaufbahn und lieferte während seiner kurzen Missionszeit Daten über kosmische Strahlung.

Mit der Beteiligung am europäisch-amerikanischen Raumfährenlabor „Spacelab“ übernahm das GSOC in den 1970er-Jahren erstmals Aufgaben in der bemannten Raumfahrt. Neben dem Aufbau des Spacelab-Simulators und der Betreuung der deutschen Experimente wurde das GSOC mit der Errichtung des „Remote Payload Operations Control Center“ beauftragt – eine externe Einrichtung für den Nutzlastbetrieb und die erste außerhalb von Houston, USA.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die astronautische Raumfahrt zu einem Schwerpunktthema in Oberpfaffenhofen. So nahm das GSOC 1985 auch eine führende Rolle bei der Spacelab-Mission D1 ein. 1990 wurde das Raumfahrtkontrollzentrums ausgebaut und damit die DLR-Einrichtung „Raumflugbetrieb und Astronautentraining“ geschaffen.

Zu den vielen Meisterleistungen des GSOC gehört der Betrieb des 1990 gestarteten Röntgensatelliten ROSAT, speziell die Rettung der Mission nach einem Versagen des Lageregelungssystems des Satelliten. Zu den besonders anspruchsvollen aktuellen Missionen gehört die deutsche Erdbeobachtungsmission TanDEM-X. Der enge Formationsflug seiner Zwillingssatelliten erfordert seit mehr als zehn Jahren höchste Präzision bei der Steuerung.

„Für die Zukunft der Raumfahrt ist das GSOC, auch dank unserer Unterstützung, bestens aufgestellt. Etwa für den Betrieb der europäischen Navigationssatelliten“, so Ilse Aigner, Bayerische Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie. Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum ist nämlich auch die Geburtsstätte des Galileo-Kontrollzentrums. Das zivile Satellitennavigationssystem Galileo soll Europa künftig unabhängig vom militärischen US-amerikanischen System GPS machen. Für den Betrieb wurde 2006 in Oberpfaffenhofen ein eigenes Kontrollzentrum errichtet und das Tochterunternehmen DLR Gesellschaft für Raumfahrtanwendungen (GfR) mbh gegründet. Mit 22 von insgesamt 30 Navigationssatelliten ist die Galileo-Flotte im All fast vollständig. Der Start der nächsten vier Satelliten ist im Sommer 2018 geplant.

Alexander Pawlak / DLR

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