40 Jahre Voyager: Was nie ein Mensch zuvor gesehen hat

  • 05. September 2017

Am 20. August und 5. September 1977 starteten die beiden Voyager-Sonden auf ihre immer noch andauernde Reise durch das Sonnensystem und darüber hinaus.

Vor genau 40 Jahren startete die Sonde Voyager 1 mit dem Ziel, gemeinsam mit ihrer Schwestersonde die Planeten Jupiter und Saturn zu erforschen. Heute sind die beiden Sonden die am weitesten von der Erde entfernten menschengemachten Objekte. Bereits im August 2012 verließ Voyager 1 das Sonnensystem in Richtung interstellaren Raum, in den Voyager 2 innerhalb der nächsten Jahre ebenfalls eintreten wird. Rund 20 bzw. 17 Milliarden Kilometer haben die Sonden seit ihrem Start zurückgelegt. Ursprünglich auf nur fünf Jahre Missionsdauer ausgelegt, blicken die beiden Voyager-Sonden auf eine nunmehr vierzigjährige Erfolgsgeschichte zurück, in der sie mehr Planeten besucht und mehr Monde entdeckt haben als alle anderen Raumfahrzeuge der NASA.

Bereits 1979 erreichten die beiden Sonden ihr erstes Ziel, den Planeten Jupiter, wo sie unter anderem drei neue Monde und aktive Vulkane auf dem Mond Io entdeckten. Die Sonden zeichneten zudem in der turbulenten Jupiter-Atmosphäre erstmals Blitze auf einem anderen Planeten als der Erde auf.

Ende 1980 erreichte Voyager 1 – rund neun Monate vor der Schwestersonde – das Saturn-System. Dort entdeckten die Sonden wiederum vier neue Monde und fotografierten das Saturn-Ringsystem, dessen Komplexität und Vielfalt damals völlig überraschend war. Nach dem Vorbeiflug an Saturn schwenkte Voyager 1 auf ihre endgültige Bahn zu den äußeren Bereichen des Sonnensystems ein. Aufsehen erregte 1990 eine Fotoreihe, die sechs Planeten unseres Sonnensystems als „Familienporträt“ zeigt.

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Im Jahr 1990 nahm die Sonde Voyager 1, mehr als sechs Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, das erste "Familienporträt" des Sonnensystems auf. Das Bild der Erde "Pale Blue Dot" wurde weltberühmt und ist das Foto, das die Erde aus der bislang größten Distanz zeigt. (Bild: NASA/JPL)

Für Voyager 2 ergab sich die einmalige Chance, auch die beiden äußeren Planeten Uranus und Neptun zu besuchen. Das erforderte eine umfangreiche Anpassung der Software und eine Korrektur der Flugbahn, die Voyager 2 im Jahr 1986 an Uranus vorbeiführte und drei Jahre später an Neptun. Noch nie zuvor hatte eine Sonde diese beiden Planeten erreicht.

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Im Sommer 1989 war Voyager 2 die erste Sonde, die den Planeten Neptun beobachten konnte. Beim Flug durch das Neptun-System entdeckte die Sonde auch bis dato unbekannte Monde. (Bild: NASA/JPL)

Nach dem Vorbeiflug an den Planeten erforschten die Sonden die Grenzregionen unseres Sonnensystems und lieferten spektakuläre Erkenntnisse. So gelang es Voyager 1, kosmische Strahlung und das galaktische Magnetfeld im interstellaren Raum sowie dessen Dichte zu messen. Voyager 2 durchflog vor fast genau zehn Jahren den Terminationsschock der Heliosphäre und bestätigte dabei beispielsweise die Asymmetrie der Heliosphäre. Zudem konnte die Sonde das Sonnenwindplasma in der Schockregion direkt beobachten.

Die Voyager-Mission ebnete mit ihren einzigartigen Erfolgen den Weg für viele weitere NASA-Missionen wie Galileo, Juno oder Cassini. Noch immer senden die Voyager-Sonden täglich Daten über die Region, in welcher der Einfluss der Sonne nachlässt. In rund 40.000 Jahren wird Voyager 2 mit Gliese 445 den nächsten Stern passieren, während Voyager 1 vermutlich keinem weiteren Himmelskörper begegnen wird.

Dass beide Sonden noch in Betrieb sind, gleicht einem Wunder, denn die Voyager-Technologie ist inzwischen völlig veraltet. Um die Lebensdauer der Mission weiter zu verlängern, arbeiten sich die Ingenieure daher durch jahrzehntealte Dokumente und konsultieren Kollegen, die bereits seit den 70er-Jahren dabei sind. Da die Plutoniumbatterien immer weniger elektrische Leistung zur Verfügung stellen, müssen die Instrumente nach und nach abgeschaltet werrden. Nach derzeitigen Schätzungen werden die Ingenieure bis 2030 die letzten Instrumente deaktiviert haben.

Die beiden Sonden aber werden ihren Weg durch den interstellaren Raum unbeirrt fortsetzen und ein Erbe der Menschheit weiter mit sich tragen. Denn an Bord beider Sonden befindet sich eine goldene Datenscheibe mit Musikstücken, über hundert Bildern von der Erde, Geräuschen und Botschaften in 55 verschiedenen Sprachen sowie einer Art „Gebrauchsanweisung“, die möglichen außerirdischen Wesen zeigen soll, wie sie die Scheibe abspielen können. An Bord der Sonden könnte dieser Datenträger auch dann noch Botschafter der Erde und menschliches Leben sein, wenn die Erde eines Tages nicht mehr bewohnbar ist...

Maike Pfalz

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