Spatenstich mit 17 Schaufeln

  • 04. July 2017

Der erste Spatenstich für den Ringbeschleuniger SIS100 markiert den offiziellen Baubeginn der internationalen Beschleunigeranlage FAIR in Darmstadt.

Auf dem Baufeld der internationalen Beschleunigeranlage FAIR gab es am 4. Juli nicht nur einen Spatenstich zu feiern, sondern genau genommen 17. Denn neben der Geschäftsführung von FAIR und Vertretern des Landes Hessen und des FAIR Council halfen auch Vertreter der neun Partnerländer mit, um den Grundstein zu legen für den Ringbeschleuniger SIS100. Dieser symbolische Akt markiert den offiziellen Start der Hoch- und Tiefbauarbeiten für eines der größten Bauvorhaben für die Wissenschaft weltweit.

„Dies ist keine Feier, sondern ein grundlegender Meilenstein“, freute sich der wissenschaftliche Direktor Paolo Giubellino in seiner Eröffnungsrede. „FAIR öffnet die Tür zu erstaunlichen wissenschaftlichen Möglichkeiten. Es ist fabelhaft, heute hier zu sein und zu sehen, wie der Bau beginnt.“ Der Bau wird noch mehrere Jahre dauern, die ersten Experimente könnten in rund fünf Jahren beginnen. Erst 2025 aber soll die Anlage in Vollbetrieb gehen und es insgesamt 3000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 50 Ländern erlauben, neue Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Entwicklung des Universums zu gewinnen. Partner des Projekts, dessen Kosten derzeit auf rund 1,2 Milliarden Euro geschätzt werden, sind neben Deutschland auch Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien, assoziiert ist Großbritannien.

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Am 4. Juli fand auf dem Baufeld nahe des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt der erste Spatenstich für den großen Ringbeschleuniger SIS100 der Beschleunigeranlage FAIR statt. (Foto: Gabi Otto/GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH)

BMBF-Staatssekretär Georg Schütte, Vorsitzender des FAIR Councils, nutzte die Gelegenheit auch zu einem Rückblick auf den holperigen Start des Projekts: „Ein schwerer Anfang ist manchmal zehnmal so gut wie ein einfacher Start“, zitierte er den Schweizer Schriftsteller Jeremias Gotthelf. Damit spielte er auf die Verzögerungen und Preissteigerungen des Projekts an, die es Anfang 2015 erforderlich gemacht haben, das gesamte Projekt wissenschaftlich und strukturell zu evaluieren. Auf Basis der Empfehlungen, welche die Expertenkommission unter Leitung von Rolf-Dieter Heuer damals ausgesprochen hat, seien die Pläne überarbeitet und die finanziellen Beiträge zusammen mit den internationalen Partnern neu abgestimmt worden. Die Ideen seien himmelstürmend, die Herausforderungen aber groß gewesen, unterstrich Schütte. „Heute wollen wir eine neue Phase in diesem Projekt beginnen“, blickte er zuversichtlich in die Zukunft.

Auch Sibaji Raha, Vorsitzender des wissenschaftlichen Councils von FAIR, unterstrich das große Potenzial der Anlage: „FAIR verspricht, eine wahrhaft einzigartige Anlage zu sein, die der Suche nach Wissen dienen wird, und zwar für viele Jahrzehnte nach der Fertigstellung.“

Nach den Grußworten gab der technische Geschäftsführer Jörg Blaurock einen kurzen Überblick über die anstehenden Bauarbeiten, untermalt von eindrucksvollen Zahlen. So entspricht der Erdaushub von zwei Millionen Kubikmetern etwa 5000 Einfamilienhäusern, zudem werden 600.000 Kubikmeter Beton benötigt, mit denen man das Frankfurter Fußballstadion achtmal bauen könnte. Schlussendlich werden 65.000 Tonnen Stahl verbaut, was acht Eiffeltürmen entspricht. Ein echtes Megaprojekt also, wie Blaurock es bezeichnete, das nun mit 17 Spatenstichen seinen Anfang genommen hat.

Maike Pfalz

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