Weltbewegende Werke

  • 31. March 2017

Die Gesamtausgaben der beiden großen Astronomen Nicolaus Copernicus und Johannes Kepler sind fertig.

„Doch so in der nidren Welt sich eine Extra ordinari seltsamkeit zutruge / würde ich nothwendig fehlen müssen. Dann ich sehe nur den Himmel: dem Erdboden aber kann ich nicht in den Magen hienunder sehen / was ihme darinnen stecke / daß etwas herauß muß“, schrieb im Jahre 1623 Johannes Kepler (1571 – 1630). Sein astrologischer „Discurs von der Grossen Conjunction“ ist wie alle anderen seiner Schriften und erhaltenen Briefe in der 26-bändigen Werkausgabe nachzulesen, die nun fertig gestellt wurde und auch frei online zugänglich ist. Mit der Edition hat ein Jahrhundertprojekt seinen erfolgreichen Abschluss gefunden, denn die ersten Anregungen gehen auf das Jahr 1914 zurück.

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Die Werke von Nikolaus Copernicus (Porträt aus dem Straßburger Münster) und Johannes Kepler (Porträt um 1610) haben unser Weltbild entscheidend geprägt. (Bilder: BAdW)

Kepler revolutionierte auf der Grundlage der heliozentrischen Astronomie von Copernicus das Weltbild seiner Zeit: Er entdeckte die Gesetze, nach denen sich die Planeten auf elliptischen Umlaufbahnen um die Sonne bewegen. Seine „Astronomia Nova“ (1609), das die ersten beiden Keplerschen Gesetze enthält, brach mit dem lange gültigen Axiom der gleichförmigen Kreisbewegung der Himmelskörper. Von der Formulierung der Keplerschen Gesetze führt ein direkter Weg zur Begründung der klassischen Physik durch Isaac Newton.

Neben seinem revolutionären Schaffen in der Astronomie – die damals auch die Astrologie umfasste – beschäftigte sich Kepler über viele Jahre hinweg mit optischen und mathematischen Themen. So ist er ein Wegbereiter der Differential- und Integralrechnung.

1609 schrieb Kepler sogar eine Traumreise zum Mond („Somnium“), die erst nach seinem Tod erschien und als eine der ersten Science-Fiction-Erzählungen gelten kann. Selbst wer kein Latein lesen kann, findet in der Werkausgabe immerhin eine Inhaltsangabe und umfangreiche Erläuterungen. Eine deutsche Übersetzung erschien übrigens 1958 in den Physikalischen Blättern (siehe unten).

Zeitgleich mit der Kepler-Werkausgabe ist auch die Arbeit an der 1973 begonnen Copernicus-Gesamtausgabe abgeschlossen. Sie umfasst in zehn Bänden alle Schriften, Briefe, Akten und Lebenszeugnisse von Nicolaus Copernicus (1473 – 1543). Der letzte Band der Edition, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde und seit 2012 ein Projekt am Forschungsinstitut des Deutschen Museums ist, erscheint Anfang 2018.

Copernicus begründete das heliozentrische Weltbild. Sein Hauptwerk De Revolutionibus erschien erst in seinem Todesjahr 1543 und war ein Meilenstein in der Geschichte der Astronomie. Immanuel Kant prägte daher den Begriff der „Copernicanische Revolution“. Neben seinem grundlegenden astronomischen Schaffen wirkte Copernicus als Arzt, Pharmazeut und Verwaltungsfachmann des Bistums Ermland, in dem er fast sein ganzes Leben als Domherr tätig war.

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) und das Deutsche Museum feierten den erfolgreichen Abschluss der Werkausgaben am 30. März mit einem Festkolloquium. Bei anderen Editionsprojekten wird solch eine Feier noch etwas auf sich warten lassen. Von der mit über 100 Bänden veranschlagten Werkausgabe von Gottfried Leibniz sind seit 1923 rund 60 erschienen, die „Collected Papers“ von Albert Einstein umfassen derzeit 14 Bände. Diese enthalten seine Schriften bis Mai 1925, drei weitere Jahrzehnte seines Wirkens sind also noch zu erfassen.

Alexander Pawlak / BAdW / Deutsches Museum

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