Exzellente Förderung seit zehn Jahren

  • 17. March 2017

In dieser Woche feiert der European Research Council mit zahlreichen Veranstaltungen sein zehnjähriges Bestehen.

Fast 7000 geförderte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, eine Fördersumme von 12 Milliarden Euro, mehr als 800 Patentanmeldungen, über 75 Unternehmensgründungen, sechs Nobelpreise und vier Fields-Medaillen – das sind einige der beeindruckenden Zahlen, auf die der European Research Council (ERC) zehn Jahre nach seiner Gründung durch die Europäische Union zurückblicken kann. Zahlreiche europäische Forschungsinstitutionen feiern dieses Jubiläum derzeit in der ERC-Woche vom 13. bis 19. März. Den Schlusspunkt bildet eine wissenschaftliche Konferenz mit Feierstunde in Brüssel am 21. März. In Deutschland gibt es Veranstaltungen in Heidelberg, Bonn, Karlsruhe, Hamburg und Berlin.

Der ERC ist heutzutage eine wichtige Säule im europäischen Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020. Die Förderung richtet sich – gemäß dem Motto „For Scientists, by Scientists“ – an exzellente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Europa – unabhängig von Nationalität, Geschlecht, Alter oder Fachgebiet. Ein wissenschaftlicher Beirat aus 22 herausragenden Wissenschaftlern ist für die Vergabe der verschiedenen Grants zuständig. Dies soll gewährleisten, dass einzig wissenschaftliche Leistungen gewürdigt werden, unabhängig von politischen oder geographischen Beweggründen. Mehr als 50.000 Mitarbeiter in den Arbeitsgruppen der bisher geförderten Forscher, die meist jünger als 40 Jahre waren, haben von den Grants profitiert.

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In zehn Jahren haben Großbritannien, Deutschland und Frankreich die meisten ERC-Grants eingeworben (Bild: ERC).

Im vergangenen Jahr hatte der ERC die Evaluation der ersten 199, inzwischen abgeschlossenen Projekte veröffentlicht. Demnach hatten rund 70 Prozent zu wissenschaftlichen Durchbrüchen geführt. Angesichts all dieser Errungenschaften freut sich EU-Forschungskommissar Carlos Moedas zurecht anlässlich des Jubiläums: „Wenn die Europäische Union beherzt handelt, geschehen wundervolle Dinge. Der Europäische Forschungsrat ist als Teilbereich des EU-Programms Horizon 2020 der schlagende Beweis dafür.“ Die Förderung wirkt auch über die Grenzen Europas hinaus. Beispielsweise sind mehr als 180 Forscherinnen und Forscher mit einem ERC-Grant nach Europa gezogen, viele davon europäische Rückkehrer. Acht Länder haben nationale Forschungsräte ins Leben gerufen, die sich am Vorbild des ERC orientieren.

In einer Broschüre identifiziert der European Research Council die wichtigsten Errungenschaften der ersten zehn Jahre, die weit über die Förderung bahnbrechender Ideen hinausgehen: Der ERC habe einen starken und positiven Einfluss auf die Karrieren von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern gehabt. Diese hätten das Vertrauen und die Freiheit erhalten, um ihre kreativsten Ideen zu verfolgen, und die Unabhängigkeit, um eigene Arbeitsgruppen aufzubauen. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass 70 Prozent der Empfänger von Starting Grants drei Jahre nach der Vergabe eine Professur erhalten haben, verglichen mit 46 Prozent bei Wissenschaftlern ohne Starting Grant. Damit spiele der ERC eine Schlüsselrolle bei der Aus- und Weiterbildung einer neuen Generation von Topwissenschaftlern in Europa.

Nichtsdestotrotz bemängeln einige Kritiker, dass Länder in Südeuropa nur wenige Grants erringen konnten, während die üblichen Top-Institutionen am besten abschneiden – nämlich die University of Oxford (189 Grants), die University of Cambridge (188) und das University College London (133). Die besten deutschen Universitäten sind die LMU München (61 Grants) und die TU München (46). Bei den Forschungsorganisationen liegt die französische CNRS mit 352 Grants deutlich vor der Max-Planck-Gesellschaft (178 Grants) und der Helmholtz-Gemeinschaft (98.). Die meisten Grants gingen in den letzten zehn Jahren nach Großbritannien, gefolgt von Deutschland und Frankreich. Umso spannender wird es sein zu sehen, wie die Brexit-Verhandlungen verlaufen. Schließlich würde mit einem Ausschluss Großbritanniens aus Horizon 2020 das bislang erfolgreichste Land bei der ERC-Grant-Vergabe künftig fehlen…

Maike Pfalz

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