Preisgekrönte Biophysik

  • 08. December 2016

Die beiden Physiker Frank Jülicher und Joachim P. Spatz gehören zu den DFG-Leibniz-Preisträgern 2017.

Drei Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftler erhalten 2017 den Leibniz-Preis, darunter der theoretische Biophysiker Frank Jülicher vom Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden und der Biophysiker Joachim P. Spatz vom Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Stuttgart und der Universität Heidelberg. Beide Physiker sind DPG-Mitglieder. Alle zehn Preisträger erhalten ein Preisgeld von jeweils 2,5 Millionen Euro, dieses Geld können sie bis zu sieben Jahre lang nach ihren eigenen Vorstellungen und ohne bürokratischen Aufwand für ihre Forschungsarbeit verwendet. Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen - pro Jahr an maximal zehn Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler.

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Frank Jülicher (Foto: MPIPKS)

Professor Dr. Frank Jülicher (51), ist ein weltweit führender Wissenschaftler in der Biophysik, der es versteht, universelle physikalische Prinzipien in der komplexen Welt der lebenden Materie herauszuarbeiten. Bereits seine frühen Arbeiten zur Physik des Hörens und zur Mechanik der Zellen erregten Aufsehen. Mit seiner Erforschung der aktiven Materie – deren Bausteine autonome Aktivität zeigen, wie etwa molekulare Motoren – hat Jülicher ein neues Forschungsfeld eröffnet. Dieses wirft viele grundlegende Fragen der Physik des Nichtgleichgewichts auf und hat zugleich zahlreiche neue Anwendungen wie auch biomimetisches Design inspiriert.

Gemeinsam mit französischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erarbeitete der Biophysiker die Grundlagen der Dynamik aktiver Materie, indem er eine allgemeine hydrodynamische Theorie der aktiven Materie formulierte. In neuester Zeit wendete sich Jülicher der Kontrolle und Organisation von Zellen in Gewebe zu. Mit seinen grundlegenden Arbeiten trägt er zum Verständnis der Selbstorganisation von Zellen in Gewebe bei. Sie ist bisher weitgehend unverstanden und sowohl für die Entwicklungsbiologie als auch für die medizinische Anwendung von größter Bedeutung.

Frank Jülicher studierte in Stuttgart und Aachen Physik, wurde 1994 an der Universität zu Köln promoviert und forschte im Anschluss daran zwei Jahre in den USA und in Kanada. 2000 habilitierte er sich an der Universität Paris VII. Seit 2002 ist Jülicher Direktor am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden und Professor für Biophysik an der Technischen Universität Dresden. Im Jahr 2006 erhielt er den Robert-Wichard-Pohl-Preis der DPG.

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Joachim P. Spatz (Foto: Wolfram Scheible)

Professor Dr. Joachim P. Spatz (47) wird für seine herausragenden Forschungen an der Grenze von Materialwissenschaft und Zellbiophysik ausgezeichnet. Seine Forschungen beschäftigen sich mit der Zelladhäsion. Dank einer beispielhaften experimentellen Herangehensweise ist es ihm gelungen, präzise Einblicke in die Kontrolle der Zelladhäsion bis hin zu den physiologischen Prozessen zu gewinnen. Dazu hat Spatz durch den Einsatz von künstlichen, molekular strukturierten Grenzflächen mögliche Wechselwirkungen auf ein Minimum an molekularen Komponenten reduziert.

Die wissenschaftliche Leistung von Joachim Spatz besteht darin, dass er mit Hilfe origineller materialwissenschaftlicher und physikalischer Konzepte die Kommunikationsmechanismen zwischen Zellen auf neuartige Weise untersucht. Mit diesen Mitteln konnte er aufklären, wie der molekulare Mechanismus der kollektiven Zellmigration bei der Schließung von Wunden funktioniert.

Joachim Spatz studierte in Ulm und an der Colorado State University Physik, schloss in Ulm seine Promotion in Makromolekularer Chemie ab und habilitierte sich dort mit einem Thema zur Mechanik von Zellen. Seit 2000 ist er Professor für Biophysikalische Chemie in Heidelberg. 2004 wurde er zum Direktor am Max-Planck-Institut für Metallforschung, dem jetzigen Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, in Stuttgart berufen. Seit 2008 hat er zudem eine Gastprofessur für Molekulare Zellbiologie am Weizmann-Institut in Rehovot in Israel inne.

Eine weitere Preisträgerin ist Prof. Dr. Britta Nestler (Karlsruher Institut für Technologie), die für ihre maßgeblichen, international anerkannten Forschungsarbeiten in der computergestützten Materialforschung und zur Entwicklung neuer Materialmodelle mit multiskaligen und multiphysikalischen Ansätzen ausgezeichnet wird. Nestlers Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie äußerst flexible und leistungsfähige Simulations­umgebungen zur Mikrostruktursimulation von Materialien und Werkstoffen für den Einsatz auf Höchstleistungsrechnern entwickelt. Britta Nestler studierte Physik und Mathematik in Aachen, wo sie auch promovierte. Forschungsaufenthalte führten sie ins englische Southampton und nach Paris. 2001 trat sie eine Professur an der Fakultät für Informatik der Hochschule Karlsruhe an, 2009 übernahm sie ihren jetzigen Lehrstuhl am KIT. 

Verliehen werden die Leibniz-Preise am 15. März 2017 in Berlin.

DFG / MP

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