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Nachtschicht in Namibia

Im Khomas Hochland von Namibia stehen fünf Cherenkov-Teleskope, die den Himmel nach Quellen hochenergetischer Gammastrahlung durchforsten.

  • Maike Pfalz
  • 09 / 2016 Seite: 34

Um 20 nach fünf am Nachmittag sitze ich auf den Stufen zu einem imposanten, 60 Meter hohen Teleskop, das zusammen mit vier kleineren Teleskopen mitten im Nirgendwo von Namibia steht. Der Sonnenuntergang ist eindrucksvoll: Während die Sonne hinter einem der kleinen Teleskope versinkt, färbt sie den Himmel rötlich-golden.

Ein Vogel sitzt oben auf der Stahlkonstruktion und scheint dieses Schauspiel genauso zu genießen wie ich. Erst als der letzte Sonnenstrahl am Horizont verschwunden ist und es schlagartig dunkel wird, fliegt er davon. Für die Mitarbeiter auf der H.E.S.S.-Site beginnt nun die spannendste Phase des Tages, denn sobald es vollkommen dunkel ist, richten sich die Teleskope des High Ener­gy Stereoscopic System (H.E.S.S.) zur Milchstraße aus. Sie suchen nach Gamma­quellen.

Die von einer kosmischen Quelle erzeugte hochenergetische Gammastrahlung kann die Erdatmosphäre nicht durchdringen. Aber sie reagiert mit den Atomkernen der oberen Atmosphäre und wandelt sich in Paare aus Elektronen und Positronen um. Letztlich entsteht dabei eine Kaskade von hochrelativistischen Teilchen, die Cherenkov-Licht emittieren. Der zugehörige Lichtkegel bildet auf der Erde einen Fleck mit einem Durchmesser von rund 250 Metern. Seine Spitze zeigt zurück auf die kosmische Quelle. Die vier kleinen H.E.S.S.-Teleskope stehen auf den Eckpunkten eines Quadrats mit einer Seitenlänge von 120 Metern – ein Kompromiss, um möglichst viele Signale aufzusammeln und um das Licht eines Schauers in mindestens zwei Teleskopen zu registrieren. Nur dann lässt sich zuverlässig auf den Ursprung der kosmischen Quelle schließen. Kürzlich ist es gelungen, im Galaktischen Zentrum die ersten Spuren von Protonen mit einer Energie im Petaelektronenvolt­bereich nachzuweisen. (...)

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