Überblick

Ein Teleskop mit 100 000 Antennen

Das europäische Radioteleskop LOFAR hat erste Ergebnisse geliefert.

  • Marcus Brüggen
  • 12 / 2015 Seite: 35

Astronomische Beobachtungen sind längst nicht mehr auf sichtbare Frequenzen des elektromagnetischen Spektrums begrenzt. Bei Radiostrahlung hat man das Bild von riesigen Parabolspiegeln vor Augen, die das langwellige Licht auf kleine Empfangselemente fokussieren. Dass es auch anders geht, zeigt die Ansicht eines Antennenfeldes von LOFAR. Die großflächigen Anlagen mit vielen tausend Antennen stellen Astro­nomen aber vor große technische Herausforderungen, wenn der Radiohimmel mit hoher Auflösung durchmustert wird.

Auf einem Feld in Norderstedt stehen seit Dezember letzten Jahres knapp zweihundert einfache Antennensegmente, die Radiosignale aus den Tiefen des Weltalls empfangen. Was auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt, ist Teil des derzeit größten Radioteleskops der Welt – des Low Frequency Array (LOFAR), das 2012 seinen regulären Betrieb aufgenommen hat.1) Trotz des scheinbar simplen Aufbaus ist die wissenschaftliche Vielfalt wahrscheinlich unerreicht: Das Teleskop dient zur Messung von kosmischen Strahlen [1]; man beobachtet die Sonne, Magnetfelder in fernen Galaxien und Galaxienhaufen, Pulsare, neutralen Wasserstoff in der Epoche des Universums, bevor es die ersten Sterne gab, und vieles mehr. Selbst die Ursache von Gewittern ließ sich damit untersuchen [2].

Das Zentrum des Teleskops befindet sich mit 38 Stationen im Norden der Niederlande, nahe der deutschen Grenze [3]. Deutschland ist mit sechs Stationen in Effelsberg, Jülich, Tautenburg, Bornim, Unterweilenbach und Norderstedt größter Partner. Weitere Anlagen stehen in Großbritannien, Schweden und Frank­reich (Abb. 1). Vor kurzem wurde die erste polnische Station in Baldy eröffnet. Mit zwei weiteren Anlagen in Polen wird sich LOFAR nach Osten erweitern und dann aus mehr als 100 000 Einzelantennen bestehen. Alle Stationen sind über spezielle Glasfaserkabel, die Übertragungsgeschwindigkeiten von 10 Gb/s erlauben, mit einem Großrechner in Groningen verbunden. ...

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