Preisträger

Wissenschaft zum Anfassen

Wie man junge Menschen für die Naturwissenschaften und Technik begeistern kann

  • Joachim Lerch
  • 09 / 2013 Seite: 57

Der einfachste Versuch, den man selbst durchführt, ist besser als der schönste Versuch, den man nur sieht. – Dieser Satz entstammt nicht einem modernen fachdidaktischen Ansatz, sondern ist von Michael Faraday, der im 19. Jahrhundert für seine faszinierenden Weihnachtsvorlesungen bekannt war. Und obwohl diese Erkenntnis noch heute gilt, hat der handlungsorientierte Physikunterricht bei weitem noch nicht die Bedeutung erlangt, die notwendig wäre, um die Attraktivität des Faches Physik zu steigern.

Als Referendar begann ich 1984 an einer Realschule in Südbaden. Mein damaliger Mentor unterschied sich von vielen Physiklehrern, die ich früher kennengelernt hatte. Er gab den Schülerinnen und Schülern und natürlich auch mir immer sehr viel Raum zum Experimentieren. Bei einem Schulfest, das kurz nach meinem Eintritt stattfand, stellte ich im Physiksaal für die Schüler und die übrigen Gäste einige einfache Experimente zum Mitmachen aus. Einige meiner Schülerinnen und Schüler betreuten die Stationen und ermutigten die Besucher zum Mitmachen bei z. B. einem Bernoulli-Ball im Luftstrom oder einem Wasserkocher aus Papier. Die Resonanz war unerwartet hoch und machte mir klar, wie attraktiv das eigene Experimentieren und Mitmachen für Jung und Alt ist.

Wenige Monate danach hatte ich die Möglichkeit, die Phänomena zu besuchen, die im Sommer 1984 in Zürich stattfand. Dieses Wissenschaftsfestival bestärkte und beeinflusste mich sehr nachhaltig. Hier wurden die Naturwissenschaften – in erster Linie die Physik – in ihrer ganzen Schönheit erlebbar gemacht und von den vielen Besuchern auch begriffen. Das mag vielleicht pathetisch klingen, wer aber dort war, konnte erleben, wie sehr die vielen Phänomene die Menschen begeisterten und im wahrsten Sinne beglückten. Sicher lag es auch daran, dass man auf Formeln, Tabellen und Diagramme verzichtete und sich auf Phänomene konzentrierte.

Die Erfahrungen beeinflussten mein Selbstverständnis als junger Lehrer sehr stark. Ich habe erfahren, dass Schüler zuerst begeistert und motiviert werden müssen und dies durch eigenes Experimentieren, freies Forschen und eigene kleine Projekte am besten gelingt. Dann kann man sie auch von der Notwendigkeit überzeugen, sich mit Formeln, Tabelle und Diagrammen zu beschäftigen. Bei meinen eigenen Kindern konnte ich jedoch feststellen, wie fatal sich die Einstellung zur Physik ändert, wenn sie im Anfangsunterricht zu sehr auf Zahlen und Formeln reduziert wird. ...

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