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Physik in Südafrika

In Südafrika existiert eine vielfältige und lebendige Physik-Community.

  • Alexander Heidt
  • 04 / 2013 Seite: 26

Südafrika bringt man spontan sicherlich nicht mit Laserphysik in Verbindung. Doch strategische Investitionen in die Forschung und internationale Kooperationen haben Südafrika in der physikalischen Forschung – speziell im Bereich Optik und Photonik – gestärkt. Dies zieht immer mehr Wissenschaftler aus aller Welt in das Land der Guten Hoffnung.

Meinen ersten Kontakt mit Südafrika hatte ich 2004. Damals unterbrach ich mein Studium für ein Semester, um als Lehrer in Township-Schulen zu arbeiten, zunächst in Grahamstown im Südosten des Landes und später in Kapstadt. Dieser Einstieg vermittelte mir einen ungewöhnlichen und intensiven Zugang zur Regenbogennation und ihren Menschen, wie er sich Touristen wohl kaum eröffnen dürfte. Ich bewegte mich in einem Schmelztiegel der Kulturen, umgeben von der eindrucksvollen Natur der Kap-Region. Trotz aller aus den Medien bekannten Problemen mit Kriminalität, Armut und Korruption erlebte ich ein Land in Aufbruchsstimmung nach Jahrzehnten der Apartheid, mit unvorstellbar herzlichen und inspirierenden Menschen mit allen erdenklichen kulturellen, sozialen und religiösen Hintergründen. Als junger Student empfand ich dies als eine stimulierende Umgebung. Innerhalb weniger Monate fühlte ich mich dort zu Hause. In dieser Zeit lernte ich das Laser Research Institute (LRI) an der Universität Stellenbosch kennen und war beeindruckt von der familiären Atmosphäre des Instituts, den Forschungsprojekten und der Freiheit, die ich dort bereits als junger Student in der Forschung und Lehre bekam. Ich entschied mich zu bleiben, zunächst für meine Diplomarbeit und anschließend auch für die Doktorarbeit, um neue Aktivitäten im Bereich der nicht­linearen Faseroptik und Faserlaser­entwicklung mitaufzubauen und später mitzuleiten.

Stellenbosch liegt am Fuße der Simonsberge etwa fünfzig Kilo­meter östlich von Kapstadt. Umgeben von mehreren hundert Weingütern bildet es das Zentrum des bekanntesten Weinanbaugebietes Südafrikas. Mit dem zentralen Campus der Universität hat Stellenbosch den Flair einer kleinen aber lebendigen Universitätsstadt. Ihr Erscheinungsbild ist auch heute noch durch die unverwechselbare holländische Kolonial-Architektur und großzügige Eichen-Alleen geprägt. Die Universität zählt zu den führenden Universitäten Afrikas und hat eines der stärksten Forschungsprogramme des Kontinents. In diesem Umfeld hat sich das LRI seit seiner Gründung im Jahr 2000 zu einer der beiden Hochburgen der Optik und Photonik und zu dem führenden Zentrum für Ultrakurzzeitphysik in Afrika entwickelt. Einer der Forschungsschwerpunkte liegt heute in der Untersuchung molekularer Dynamik mit Femto­sekunden-Absorptionsspektroskopie. Eine Besonderheit am LRI ist die Integration von zeitaufgelöster Elektronenbeugung in das Spektroskopiesystem. Das ermöglicht die zeitaufgelöste Untersuchung von photoinduzierten Strukturänderungen und Phasenübergängen in kristallinen Dünnschichten. Mit dem System wird sowohl grundlagenorientierte als auch angewandte Forschung betrieben. Zu den aktuellen Projekten zählen die direkte Beobachtung von Ladungsdichtewellen und periodischen Gitterschwingungen in den hochkorrelierten Elektronensys­temen der Übergangsmetalle, die Untersuchung des Ladungsträgertransports in Solarzellen oder hochaufgelöste Spektroskopie im Vakuum-Ultra­violett (VUV) mit einer eigens entwickelten durchstimmbaren schmalbandigen Lichtquelle. ...

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