Lehre

Lernen mit gestuften Hilfen

Gestufte Lernhilfen fördern selbstständiges Lernen und lassen individuelle Lernwege zu.

  • Rita Wodzinski
  • 03 / 2013 Seite: 45

Im Physikunterricht kämpfen Lehrkräfte stets mit der Schwierigkeit, Aufgaben so zu stellen, dass möglichst viele Schülerinnen und Schüler sie lösen können, ohne aber diejenigen zu langweilen, denen Physik leicht fällt. Gestufte Lernhilfen ermöglichen komplexere Aufgaben, an denen leistungsstarke Schüler sich messen und leistungsschwächere auf Hilfen zurückgreifen können.

Guter Physikunterricht setzt darauf, möglichst viele Schülerinnen und Schüler in physikalische Überlegungen zu verwickeln, sie kognitiv anzuregen und sie fachliche Zusammenhänge selbstständig erschließen zu lassen. Unterricht ist besonders lernwirksam, wenn sich Phasen der Instruktion, also der strukturierten Vermittlung von Inhalten, mit Phasen der Konstruktion abwechseln, in denen die Schüler das Gelernte selbstständig anwenden, verknüpfen und weiter­denken. Aufgaben spielen dabei eine wichtige Rolle.

An der Universität Kassel beschäftigen wir uns seit einigen Jahren mit den „Aufgaben mit gestuften Hilfen“. Dahinter verbergen sich komplexe naturwissenschaftliche Aufgaben, deren Bearbeitung über einen Satz von schriftlich formulierten Hilfen unterstützt wird. Darauf können Schülerinnen und Schüler eigenverantwortlich zugreifen. Josef Leisen hat diesen Aufgabentyp 1999 für den naturwissenschaftlichen Unterricht bekannt gemacht [1]. In unserer Weiterentwicklung verwenden wir zweiteilige Hilfen: Der erste Teil enthält eine Denkanregung, eine Frage oder einen Impuls. Der zweite Teil liefert eine passende Antwort dazu. Die Hilfen sind so gestuft, dass sie typische Schritte im Problemlöseprozess abbilden. Die letzte Hilfe enthält im zweiten Teil schließlich die komplette Lösung.

Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können die Aufgabe ohne Hilfen bearbeiten und erst zum Schluss ihre Lösung mit der letzten Hilfe vergleichen. Andere, die größere Schwierigkeiten haben, können sich mit den Hilfen Schritt für Schritt zur Lösung vorarbeiten und so ebenfalls zu einem Erfolgserlebnis kommen. Auf diese Weise passen sich die Aufgaben bis zu einem gewissen Grad den unterschiedlichen Lernvoraussetzungen an.

Bei einer Beispielaufgabe aus der Mechanik geht es um die Frage, ob sich ein schwerer Einkaufswagen leichter über eine Bordsteinkante heben lässt, indem man den Wagen am Griff anhebt oder am Griff nach unten drückt. Zur Lösung ist das Hebelgesetz erforderlich. Eine Schwierigkeit besteht dabei darin, die Drehpunkte und Hebelarme korrekt zuzuordnen. Auch müssen die Schülerinnen und Schüler eine Annahme über den Schwerpunkt treffen. Gibt man diesen in der Skizze an, reduziert sich der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe. ...

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