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Fights unter Physikern

Unter der Schirmherrschaft der DPG fand in Bad Saulgau das 25. International Young Physicists‘ Tournament (IYPT) statt.

  • Stefan Jorda
  • 10 / 2012 Seite: 19

Deutschland trifft in der ers­ten Runde auf Neuseeland und Tschechien – so hat das Los entschieden. Noch stehen die Mannschaften in kleinen Gruppen beisammen. Die Anspannung ist ihnen anzusehen, denn in wenigen Minuten beginnt der Weltcup. Nein, von Sport ist hier nicht die Rede, sondern von Physik und rhetorischen Fähigkeiten. Statt Trikots tragen die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer Schuluniformen in ihren Landesfarben oder treten im dunklen Anzug bzw. Kostüm auf. Und der Wettkampf findet auch nicht im Stadion statt, sondern in einem Klassenzimmer im oberschwäbischen Bad Saulgau. Dort haben die Kontrahenten ihre Notebooks aufgebaut, Kabel liegen kreuz und quer über den Tischen. Vor dem neuseeländischen Team steht ein Stofftier als Maskottchen, ein Kiwi; den Deutschen soll offenbar ein Pinguin Glück bringen. Neben den fünfköpfigen Mannschaften drängen sich noch eine Jury sowie zahlreiche neugierige Zuschauer in den kleinen Raum.

Fast ein Jahr lang haben sich die Schülerinnen und Schüler auf diesen Moment vorbereitet. Sie haben an zahllosen Nachmittagen und Wochenenden versucht, 17 Aufgaben aus der Physik zu knacken.+) Aus 28 Ländern, darunter Australien und Brasilien, Nigeria und Südkorea, China und Russland, sind sie Ende Juli nach Bad Saulgau gekommen, um beim 25. International Young Physicists’ Tournament (IYPT) ihre Lösungen zu präsentieren und gegenüber kritischen Nachfragen zu verteidigen, auf Englisch natürlich. Fünf Runden („Fights“) tragen die Teams in den nächsten Tagen aus. Dabei besteht jeder „Fight“ aus drei einstündigen Abschnitten mit wechselnden Rollen: Jedes Team präsentiert einmal seine Lösung einer Aufgabe („Reporter“), hinterfragt kritisch die Präsentation eines anderen Teams („Opponent“) und beurteilt die Rolle von Reporter und Opponent („Reviewer“).
Das deutsche Team eröffnet als „Opponent“ die erste Runde. „Wir fordern Euch heraus zur Aufgabe 6“, wendet sich der deutsche Kapitän Michael Kern vom Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (SFZ) an das neuseeländische Team, das nach kurzer Beratung akzeptiert – dreimal darf jede Mannschaft während des gesamten Turniers ohne Punktabzug passen. Genau fünf Minuten haben die Neuseeländer jetzt Zeit, ihre Präsentation vorzubereiten. Dann tritt Oliver Hughes vor mit einem Spielzeug in der Hand: Ein hölzerner Specht ist mit einer Spiralfeder an einem Holzring befestigt, der auf einer Stahlstange gleiten kann. Die Aufgabe dazu lautet kurz und knapp: „Der Specht führt eine oszillierende Bewegung aus. Untersuche und erkläre die Bewegung.“ Hughes hebt den Specht an und zeigt, wie dieser klopfend an der Stange herabrutscht. Dann erläutert er, wie durch das Verkanten des Holzrings auf der Stange der periodische Wechsel zwischen Rutschen und Klopfen zustande kommt, präsentiert Messdiagramme, betrachtet die elastische Energie der Feder sowie die Gravitationsenergie, diskutiert die Frage, ob das Hookesche Gesetz auch gilt, wenn die Feder nicht gestreckt, sondern gebogen wird und analysiert verschiedene Parameter. Auf einem großen Monitor läuft eine Uhr, nach neun Minuten wechselt ihre Farbe von Grün auf Orange, nach zwölf Minuten auf Rot. Auf die Sekunde genau kommt Hughes mit seiner Präsentation zum Ende. ...

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