Geschichte

Verdienste und Verfehlungen

Zum 150. Geburtstag von Philipp Lenard (1862 – 1947)

  • Andreas Kleinert
  • 07 / 2012 Seite: 51

Nur wenig erinnert heute an Philipp Lenard. Allenfalls das in älteren Lehrbüchern erwähnte Lenard-Fenster wird noch mit ihm in Verbindung gebracht. Um so bekannter ist sein Name bei allen, die sich mit der Geschichte der Naturwissenschaften im Nationalsozialismus beschäftigt haben. Mit seinem zwischen 1936 und 1944 vielfach aufgelegten Lehrbuch „Deutsche Physik“ versuchte Lenard Relativitäts- und Quantentheorie als „jüdische Physik“ zu diskreditieren.

Als Lenard 1905 mit dem Nobel­preis ausgezeichnet wurde, war er der angesehenste Physiker in Deutschland. An ihn wandte sich Friedrich Althoff, der legendäre Hochschulreferent im preußischen Kultusministerium, als er 1906 ein außeruniversitäres „Institut für Physikalische Forschung“ gründen wollte, mit der Bitte, in einer Denkschrift darzulegen, was ein solches Institut leisten könnte. Zweifellos hatte er Lenard auch als Direktor des zu gründenden Instituts ins Auge gefasst. Die Episode zeigt, dass Lenard damals in der Hierarchie der deutschen Physiker ganz oben stand; insbesondere war sein Prestige weit größer als das des in der Öffentlichkeit aufgrund seiner spektakulären Entdeckung viel bekannteren Wilhelm Conrad Röntgen.

Wäre Lenard damals im Alter von 44 Jahren gestorben, dann wäre er uneingeschränkt als großer Gelehrter in die Geschichte eingegangen, so wie sein Bonner Lehrer Heinrich Hertz, der nur 36 Jahre alt geworden ist. Wie nach Hertz wären auch nach Lenard bis heute Schulen, Straßen und Plätze benannt worden. Als Lenard aber 1947 starb, war sein Ruf so nachhaltig ruiniert, dass er aus dem his­torischen Gedächtnis weitgehend verdrängt wurde. Erst vor zwei Jahren erschien eine kritische und kommentierte Ausgabe von seiner Autobiografie [2], deren Existenz seit 1965 bekannt ist ([3], S. 248), und im Gegensatz zu Planck, Einstein, Röntgen und Hertz – um nur einige seiner prominenten Zeitgenossen zu nennen, die schon mehrere Biografen gefunden haben – gibt es über ihn bisher nur einige Gedenkartikel. ...

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