Bildung - Beruf

Karriere auf Rezept

Auch für Physiker bietet die Pharmabranche interessante Berufsperspektiven, beispielsweise im Bereich Data-Mining oder in der Entwicklung medizinischer Geräte.

  • Maike Pfalz
  • 04 / 2012 Seite: 22

Zunächst mal heißt es „Handys aus“. Kaum hat man die moderne, in blauem Glas schimmernde Pyramide auf dem Merck-Gelände betreten, wird man aufgefordert, alle elektronischen Geräte komplett auszuschalten – so streng gelten die Sicherheitsvorkehrungen. Bei der Busfahrt über das rund einen Quadratkilometer große Werksgelände wird auch klar, warum: Die Chemikalien, die Merck in seiner Produktion einsetzt und die in gesicherten Behältern lagern, sind teilweise leicht entflammbar. Elektrogeräte wie Handys können Funken verursachen und sollten daher – genau wie an einer Tank­stelle – sicherheitshalber ausgeschaltet sein. Das gesamte Gelände ist durch Gegensätze gekennzeichnet: In über 100 Jahre alten Back­stein­häusern sind durch die Fenster modernste Chemieanlagen zur Fertigung von Flüssigkristallen zu sehen. Schräg gegenüber schimmert die silberne Aluminium-Außenfront eines ganz neuen Gebäudes. Alt und neu stehen in diesem ältes­ten aller pharmazeutischen Unternehmen, dessen Geschichte bis in das Jahr 1668 zurück­reicht, sichtbar nebeneinander.


Rund 9100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind beim Pharma- und Chemiekonzern Merck in Darmstadt beschäftigt. Einer davon ist seit Ende 2008 der 44-jährige Physiker Stefan Gilb, der auf Umwegen zur Pharmabranche gekommen ist: Ursprünglich hat er eine Ausbildung zum Physiklaboranten gemacht, doch bei seiner täglichen Arbeit bei der BASF merkte er, dass er mehr Verantwortung übernehmen und Dinge besser verstehen wollte. „Die Entscheidung für das Physikstudium lag dann nahe, zumal mich die viele Laborarbeit in der Chemie abgeschreckt hat“, erinnert sich Stefan Gilb. Während der Promotion an der Uni Karlsruhe hat er Laserspektroskopie an sehr kleinen Metallclustern in der Gasphase betrieben. Anschließend war er noch eine Weile in München als Post-Doc tätig, bevor er sich entschlossen hat, in die Industrie zu gehen. „Ich wollte keine Forschung mehr machen, sondern einen anderen Blick auf die Dinge bekommen“, erzählt Gilb. Die Pharmabranche kannte er bereits von einer Tätigkeit als freier Mitarbeiter während seines Studiums.

Die Physik gehört für Stefan Gilb nicht mehr zum Tages­geschäft, denn bei Merck arbeitet er im Bereich Research Informatics. Diese Abteilung unterstützt die Forscher und Laboranten darin, ihre Daten einheitlich auszuwerten und abzulegen. Ziel ist es, dass die Ergebnisse von Tests im gesamten Unternehmen weltweit vergleichbar sind und überall auf die gleiche Weise registriert werden, damit ein Forscher in Darmstadt auf den ersten Blick erkennt, unter welchen Bedingungen z. B. ein Forscher in den USA einen Test durchgeführt und welche Ergebnisse er dabei erzielt hat. Stefan Gilb koordiniert drei Standorte: Darmstadt, Genf und Billerica in der Nähe von Boston. „Im letzten Jahr habe ich mehrere Monate in Genf und Billerica gearbeitet, um mit den Leuten vor Ort zu reden und zu verstehen, was sie im Labor genau machen und welche Wünsche sie an eine Datenbank haben“, erklärt er. All diese unterschiedlichen Anforderungen gilt es, in ein generelles Konzept einzubetten. Aufbauend auf dem Wissen, das er sich in den verschiedenen Laboren angeeignet hat, versucht Stefan Gilb nun aufzuzeigen, wo man Prozesse harmonisieren kann. ...

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