Streifzug

Mit weitem Blick

Der Astronom Max Wolf war ein wichtiger Pionier der modernen Himmelsfotografie, der seiner Geburtsstadt Heidelberg ein Leben lang treu blieb.

  • Stefan Oldenburg
  • 10 / 2018 Seite: 48

Heidelberg ist ein bedeutendes Zentrum astronomischer Forschung. Einen der Grundsteine dafür legte Maximilian „Max“ Wolf, der am 21. Juni 1863 in der März­gasse 16 geboren wurde, worauf eine Gedenktafel hinweist. In diesem klassizistischen Bau nahm seine wissenschaftliche Karriere ihren Anfang, dank der Unterstützung seiner Eltern. Sein wohlhabender Vater, der Arzt Franz Wolf, interessierte sich wie sein Sohn für Astronomie. Daher kam Max schon als Jugendlicher in den Genuss, das Firmament mit recht passablen Refraktoren vom Flachdach des Hausanbaus aus zu beobachten.

Der Zufall will es, dass in direkter Nachbarschaft die Wiege der modernen Astrophysik liegt: Vier Jahre vor Max Wolfs Geburt hatten in der Hauptstraße 52   der Chemiker Robert Bunsen und der Physiker Gustav Kirchhoff die Spektral­analyse entwickelt. Doch Astronomie konnte man in Heidelberg noch nicht studieren, weshalb Max Wolf zunächst Mathematik und Physik belegte, um dann 1884 für ein Semester in Straßburg Astronomie-Vorlesungen zu hören. Für den 21-Jährigen war es eine besondere Zeit, denn sein Vater ließ ihm am Kopfende des Hausanbaus eine Sternwarte errichten. Über die Konstruktion hatte er sich mit seinem Sohn in einem regen Briefwechsel ausgetauscht. Der 12 Meter hohe Turm samt drehbarer Kuppel steht heute noch und ist mit einem Blick über das Hoftor gut zu sehen.

Diese erste Sternwarte auf Heidelberger Gemarkung war weltweit einzigartig. Das Herzstück, ein kurzbrennweitiger 6-Zoll-Doppelrefraktor mit großem Öffnungsverhältnis, ist heute im Haus der Astronomie auf dem König­stuhl   zu besichtigen. Damit avancierte Max Wolf zum Pionier der Astrofotografie. Er war zwar nicht der erste, der Himmelsobjekte fotografierte, aber er zeigte mit seinen Weitwinkelaufnahmen vom Sternenhimmel völlig Neues: Die Platten bildeten Himmelsregionen von etwa 6° × 8° Ausdehnung ab, sodass sich erstmals größere Strukturen von sternenreichen Milchstraßenregionen oder Dunkel­nebeln sichtbar machen ließen. Eine wichtige Entdeckung war 1891 die des Nord­amerikanebels im Sternbild Schwan. Dieser ausgedehnte, diffu­se Wasserstoffnebel ist visuell nur sehr schwer zu beobachten und wird erst auf langbelichteten Foto­grafien sichtbar...

Share |
thumbnail image: Mit weitem Blick

Aktuelles Heft

Inhaltsverzeichnis
10 / 2018

thumbnail image: PJ 10 2018

LHCb und neue Physik

Quark-Gluon-Plasma

Berufsreportage Energie

Zugang Physik Journal

Nur DPG-Mitglieder haben vollen Zugriff auf alle Hefte und Online-Inhalte des Physik Journal und müssen sich dafür mit ihrer Mitgliedsnummer registrieren » 

Erst wenn die Artikel des Physik Journal älter als drei Jahre sind, stehen sie kostenlos und frei zugänglich zur Verfügung

Als DPG-Mitglied erhalten Sie den Physik Journal Newsletter, wenn Sie sich dafür bei der DPG registrieren »

Mediadaten

Die Mediadaten für Werbe­mög­lich­kei­ten im Phy­sik Jour­nal finden Sie als PDFs hier:
2018 deutsch / englisch

Site Login

Bitte einloggen

Andere Optionen Login

Website Footer