Streifzug

Fächerstadt mit Hertz 

Auf Spurensuche in Karlsruhe, wo Heinrich Hertz die elektromagnetischen Wellen nachwies

  • Matthias Hahn
  • 07 / 2018 Seite: 52

Ende 1884 war der 27-jährige Heinrich Hertz mit seiner beruflichen Lage unzufrieden. Zwar war er in Kiel nach seiner Habilitation als Extraordinarius im Gespräch, aber die Verhandlungen zogen sich hin. Zudem war die Stelle für theo­retische Physik ausgeschrieben, doch Hertz wollte lieber experimentieren. Da erreichte ihn am 20. Dezember 1884 ein Ruf aus Karlsruhe, der badischen Hauptstadt. Die dortige polytechnische Schule suchte einen Nachfolger für Ferdinand Braun, der an die Universität Tübingen wechselte.

Karlsruhe hatte damals rund 65 000 Einwohner und wuchs rasant. Das Polytechnikum – ab Herbst 1885 Technische Hochschule – galt als renommiert, war aber geringer angesehen als eine Universität, was sich auch in den Gehältern niederschlug. Von den 350 Studen­ten war nur eine Handvoll in naturwissenschaftlichen Fächern eingeschrieben. Hertz wollte sich daher selbst ein Bild vor Ort machen und fuhr am 28. Dezember 1884 mit dem Zug nach Karlsruhe. Am Ankunftstag notierte er in sein Tagebuch: „Bis dahin große Abneigung gegen Karlsruhe.“ Das änderte sich schon am folgenden Tag: „Wunsch nach Karlsruhe sehr groß.“ Den Ausschlag hatte die vergleichsweise üppige Laborausstattung gegeben – ein Vermächtnis Brauns. Hier konnte er experimentieren!
Am 29. März 1885 schritt Hertz als Physikprofessor durch das Eingangsportal des Polytechnikums in der Kaiserstraße 12 . Das heutige Hauptgebäude des Karlsruher Instituts für Technologie KIT ist so erhalten, wie Hertz es angetroffen haben mag. Hinter dem Eingangstor öffnet sich ein großer Ehrenhof, der zum Verweilen wie Besichtigen einlädt. Gleich rechts nach der Torpassage findet sich das am 30. Oktober 1925 angebrachte Denkmal zur Erinnerung an Heinrich Hertz. Die Einweihung fand am Rande der 100-Jahrfeier der ältesten deutschen Technischen Hochschule statt. Neben der Witwe Elisabeth waren die beiden Töchter Johanna und Mathilde anwesend. Mathilde hatte die dort angebrachte Büste ihres Vaters geschaffen. Sie hatte nach dem Abitur zunächst eine künstlerische Ausbildung in Karlsruhe und Weimar absolviert. Später promovierte sie in Biologie und habilitierte sich an der Universität Berlin. 1933 wurde ihr die Lehrbefugnis entzogen, da sie als „nichtarisch“ galt. Ihr Urgroßvater war Jude, der 1834 mit all seinen Kindern zum Protes­tantismus konvertierte. Mathilde emigrierte – trotz Fürsprache Max Plancks – 1936 nach England und holte Mutter und Schwester nach...

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