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Phänomenale Phänomene

Weltweit gibt es hunderte von Science Centern, die zum Experimentieren einladen. Ein wichtiger Vorreiter in Deutschland ist die Phänomenta in Flensburg.

  • Maike Pfalz
  • 10 / 2017 Seite: 30

Als erstes höre ich ein Muhen, direkt danach erklingt die Sirene eines Krankenwagens, um abgelöst zu werden vom Krähen eines Hahns. Nein, ich bin nicht auf einem Bauernhof gelandet oder an einer belebten Straße, sondern im Science Center Phänomenta. Hier geht es ausgesprochen lebhaft zu: So laden bereits im Eingangsbereich verschiedene Experimente mit Wasser zum Ausprobieren ein – etwa ein drehbarer Brunnen mit verschiedenen Fontänen, die das Wasser parallel zueinander ausspucken. Doch sobald der Brunnen sich in Bewegung setzt, überkreuzen sich die Wasserstrahlen. Unweigerlich kommt man ins Grübeln – was passiert hier und warum?

Dieses „Warum“ steht im Mittelpunkt jedes Science Centers. Ziel dieser Ausstellungshäuser ist es, durch interaktive Exponate, die nicht hinter Glaskästen verborgen stehen, zum Mitmachen anzuregen. Dieses spielerische Experimentieren ist darauf ausgerichtet, dem Besucher technische und naturwissenschaftliche Zusammenhänge anhand von Phänomenen nahezubringen. Der Lerneffekt beruht dabei auf der persönlichen Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsstück. Das Exploratorium in San Francisco, das 1969 – initiiert von Frank Oppenheimer – seine Tore öffnete, gilt weltweit als erstes Science Center. Die ersten Science Center in Europa entstanden in den 1980er-Jahren.

In Deutschland gehört die Phänomenta in Flensburg zu den Vorreitern: Initiator dieses Science Centers ist der Physikdidaktikprofessor Lutz Fiesser von der Europa-Universität Flensburg, der sich Anfang der 1980er-Jahre intensiv mit Unterrichtsforschung befasste. Dabei hat er mit Erschrecken festgestellt, wie ineffektiv, ja sogar hinderlich, der Unterricht zu der Zeit war. „Wir konnten damals zeigen, dass es besser wäre, Physik gar nicht zu unterrichten. Dann hätten die Schüler wenigstens nicht einen solchen Horror vor diesem Fach entwickelt“, erzählt Lutz Fiesser. Im Jahr 1981 richteten die Biologen in Flensburg ein Freilandlabor ein, in dem Fiesser auch physikalische Fragestellungen unterbrachte, z. B. diejenige, warum sich vor einem Finger, den man in einen Bach hält, Wellen entwickeln. Sein persönliches Aha-Erlebnis hatte er 1984, als im Fernsehen über eine Ausstellung in Zürich berichtet wurde. „Ich war völlig von den Socken: In der Ausstellung haben Erwachsene experimentiert und dafür sogar Geld bezahlt. Mir war sofort klar, dass ich mir das vor Ort ansehen muss“, erinnert sich Lutz Fiesser...

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