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Frei, aber doch nicht kostenlos

Die Digitalisierung hat das Publikationswesen radikal verändert. Die Open-Access-Bewegung wird immer stärker, Fragen des Urheberrechts sind dabei neu zu klären.

  • Maike Pfalz
  • 05 / 2017 Seite: 24

Vor 20 Jahren gehörte der regelmäßige Gang in die Universitätsbibliothek zum Studium noch dazu wie Vorlesungen und Übungsgruppen: Fachbücher musste man ausleihen und nach Hause schleppen, Fachartikel mühsam in einem unübersichtlichen Tool der Bibliothek suchen. Wer Glück hatte, konnte die gewünschte Zeitschrift im Regal suchen und die interessanten Artikel kopieren. Wer Pech hatte, musste sie per Fernleihe bestellen. Die heutige Realität ist eine andere: Dank Internet und Digitalisierung stehen unzählige Artikel und Bücher online zur Verfügung – häufig sogar kostenlos. Dadurch können Studierende und Wissenschaftler bequem vom eigenen Rechner auf wichtige Journals zugreifen und im Volltext durchsuchen. Der Zugang zu Wissen ist schnell und einfach möglich – und doch ist das erst der Anfang: Ziel vieler Initiativen ist es, sämtliche wissenschaftlichen Ergebnisse in digitaler Form für alle Nutzer ohne finanzielle, technische oder rechtliche Barrieren zugänglich und nutzbar zu machen, also in Form von Open Access (OA).

Als ein Meilenstein dieser Bewegung in Deutschland gilt die „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ aus dem Jahr 2003.1) Diese verdeutlicht die Bedeutung des Internets zur Verbreitung von wissenschaftlichem Wissen und kulturellem Erbe und kommt zu dem Schluss, dass die damit verbundenen Entwicklungen das Wesen des wissenschaftlichen Publizierens erheblich verändern werden. Die Berliner Erklärung verfolgt das Ziel, „das Internet als Instrument für eine weltweite Basis wissenschaftlicher Kenntnisse und menschlicher Reflektion zu fördern.“ Denn unsere Aufgabe, Wissen weiterzugeben, sei nur halb erfüllt, wenn diese Informationen für die Gesellschaft nicht in umfassender Weise und einfach zugänglich seien. Zu den ersten Unterzeichnern der Erklärung gehörten in Deutschland die Fraunhofer- und Max-Planck-Gesellschaft, der Wissenschaftsrat, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz- und Helmholtz-Ge­mein­schaft sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft. Heutzutage haben bereits über 500 Ins­ti­tu­tionen weltweit die Erklärung unterschrieben.

Doch der Übergang zu Open Access geht langsam voran: Seit der Berliner Erklärung sind Jahre vergangen, und dennoch liegt der Anteil reiner Open-Access-Veröffentlichungen immer noch bei nur 15 Prozent – obwohl fast 90 Prozent der Wissen­schaftler überzeugt sind, dass es vorteilhaft für ihr Forschungsfeld und die Arbeitsweise ihrer Community ist, ihre Artikel frei zugänglich zu publizieren. Zu diesem Ergebnis kam die groß angelegte „Study of Open Access Publishing“ (SOAP), die im Rahmen des siebten Forschungsrahmenprogramms der Europäischen Kommission gefördert und vom CERN koordiniert wurde.2) Darin wurden die Antworten von fast 40 000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aller Disziplinen weltweit ausgewertet, die mindestens eine Publikation in einer Peer-Review-Zeitschrift in den letzten fünf Jahren vor der Umfrage veröffentlicht hatten. Mehr als 3000 Antworten stammten von Forschern aus der Physik oder Astro­nomie...

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