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Der größte Hörsaal der Welt

Studierende können Massive Open Online Courses aus einem weltweit verfügbaren Angebot wählen – die meisten Universitäten erkennen die Abschlüsse aber nicht an.

  • Kerstin Sonnabend
  • 03 / 2017 Seite: 29

Der Professor trägt einen dunklen Anzug und tritt souverän auf: Er weiß, wovon er spricht. Sein Englisch ist mit einem französischen Akzent gefärbt – er spricht deutlich und langsam, in klaren und wohl durchdachten Sätzen. Wo andere Dozenten sich verhaspeln, leitet er auch komplizierte Formeln ohne Umweg her und erklärt präzise die Methoden, die es erlauben, Probleme der Statistischen Mechanik mit Computern zu lösen. Mark, Physikstudent im zweiten Mastersemester, hört aufmerksam zu. „The crucial condition of detailed balance renders consistent with the Monte Carlo algorithm.“ Ein Satz mit Begriffen, die er noch nie zuvor gehört hat, verknüpft mit einer Formel, die eine ganze Zeile füllt. Zeit, auf Stopp zu drücken und zurück auf Anfang zu spulen.

Mark sitzt nicht in einem Hörsaal, sondern in seinem WG-Zimmer vor dem Computer. Er nimmt an einem Massive Open Online Course (MOOC) teil, den Werner Krauth von der École Normale Supérieure (ENS) in Paris anbietet. Für Mark ist der MOOC die Chance, eine Vorlesung zu einem sehr speziellen Thema bei einem der führenden Experten weltweit zu verfolgen. Die Videos dauern etwa 20 bis 30 Minuten und sind in einzelne Lernabschnitte aufgeteilt. Wenn Mark die Fragen am Ende eines Abschnitts problemlos beantworten kann, hat er alles verstanden und lässt das Video weiterlaufen. Meist braucht er 90 Minuten und mehr, bis er alles angeschaut hat: Er unterbricht die Sendung und spult zurück. Wird ihm zum Ende der Lektion klar, dass er zu Beginn etwas Wichtiges verpasst hat, fängt er von vorne an. Das ist von Werner Krauth durchaus so gewünscht: „Ich behandele in einem halbstündigen Video den Stoff, der bei einer klassischen Vorlesung eine Doppelstunde füllt.“
Im Gegensatz zu eLearning-Angeboten, die Universitäten speziell für ihre Studenten anbieten, stehen MOOCs auf Plattformen im Internet („online“) weltweit frei zur Verfügung. Ziel ist es, möglichst viele Teilnehmer („massive“) unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Bildungsstand oder ihren finanziellen Möglichkeiten („open“) zu erreichen (Infokasten). Die Betreiber der Plattformen arbeiten gewinn­orientiert (z. B. Coursera mit Angeboten aus Stanford oder Princeton) oder gemeinnützig (z. B. edX mit Kursen vom MIT, aus Harvard oder Berkeley). Kurze Videos vermitteln den Lernstoff. Die Festigung erfolgt mittels Übungen, die entweder als Multiple-Choice-Aufgaben angeboten oder in einem Peer-to-Peer-Review korrigiert werden. (...)

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