Teilchenbewegung und Berge

  • 13. January 2017

Im neuen Rätsel von Physik in unserer Zeit wird ein etwas in Vergessenheit geratener Erforscher der Brownschen Bewegung gesucht. Wir verlosen drei Buchpreise.

Zyniker sagen, nichts sei besser für Nachruhm als ein früher Tod, und sie ziehen als Belege Menschen wie Evariste Galois, Henry Moseley oder Wolfgang Amadeus Mozart heran. Mit dem Gesuchten, übrigens einem Landsmann Mozarts, kann man jedoch eher das Gegenteil belegen: Als bekannter und erfolgreicher Wissenschaftler ereilt ihn aufgrund einer Ruhrinfektion mit 45 Jahren der Tod – und er gerät umgehend fast völlig in Vergessenheit.

Dabei ist er zu Lebzeiten nicht nur im physikalischen Europa, sondern auch in den höchsten gesellschaftlichen Kreise bekannt. Letzteren entstammt er nämlich, als Sohn eines hohen Ratsbeamten im Kreis um Kaiser Franz Joseph. Als Kind lässt er sich von den Pianoklängen und Gesangsdarbietungen seiner hochmusikalischen Frau Mama und einer Tante in Florenz verzaubern und besucht für zehn Jahre das angesehene Collegium Theresianum, wo seine Freude an Naturwissenschaften, besonders an Physik und Astronomie, geweckt wird.

Noch ein zweites Vergnügen entdeckt er bereits als Schüler: Das Bezwingen von Berggipfeln. Zusammen mit seinem Bruder und einem Schulfreund, der später unter anderem als Lehrer von Erwin Schrödinger in die Annalen der Physik eingehen soll, widmet er sich ausgiebig der Bergsteigerei. In den Dolomiten und den Ortler-Alpen erkunden sie 24 neue Aufstiege.

In Physiklabors fühlt er sich jedoch ebenso wohl wie auf Berggipfeln: An der Universität Wien studiert er Physik und wird nach nur fünf Jahren promoviert (eigentlich vier: eines verbringt er im Militärdienst). Anschließend unternimmt er eine Tour durch wichtige europäische Forschungszentren, als Anlauf für einen steilen Aufstieg in die Wissenschaftswelt. Er besucht die Sorbonne, das Labor von William Thomson (Lord Kelvin) und schaut in Berlin bei Emil Warburg vorbei. Nach seiner Rückkehr wird er erst in Wien Privatdozent, dann in Lwow Professor. Mit nur 28 Jahren ist er jüngster Universitätsprofessor im großen Reich der Habsburger, später sogar Rektor der Universität Krakau. Ein Gastsemester verbringt er am Cavendish Laboratory in Cambridge, wo er 1912 einen Vortrag auf dem Internationalen Kongress der Mathematik hält – denn die Physik, die er erforscht, steht bei seinen Kollegen hoch im Kurs.

Wenn man ihn heute kennt, dann wegen seiner Forschung an der Brownschen Bewegung: Er entdeckt Gleichungen, die heute nach ihm und Albert Einstein benannt sind und einen Zusammenhang zwischen dem Diffusionskoeffizienten und der Beweglichkeit der Teilchen darstellen; sie gehören heute zu den Grundlagen der statistischen Physik. Einsteins Arbeit kam jedoch einige Monate früher und unabhängig vom Gesuchten. Ein anderer „Konkurrent“ ist Stefan Boltzmann, der ähnliche Ergebnisse mit etwas anderen Methoden produzierte.

So bleibt der Gesuchte trotz fundamentaler Ideen im Schatten seiner Kollegen: Verhallt sind ein Nachruf von Arnold Sommerfeld und einige Erinnerungen berühmter Kollegen.

Andreas Loos, Berlin

Wer war der Erforscher der Brownschen Bewegung? Schreiben Sie die Lösung auf eine Postkarte an: Physik in unserer Zeit, Wiley-VCH, Boschstraße 12, 69469 Weinheim, oder per Email an: thomas@buehrke.com. Absender bitte nicht vergessen! Einsendeschluss ist der 15.2.2017. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Wir verlosen drei Exemplare des Buches Physik für Dummies von Steven Holzner.

Das Rätsel ist in der aktuellen Ausgabe von Physik in unserer Zeit erschienen. Diese Ausgabe steht komplett zum freien Download zur Verfügung.

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