Leber unter der Lupe

  • 24. August 2017

Europäisches Mikroskopie-Projekt untersucht Alterungsprozesse der menschlichen Leber.

Mit rund 3,7 Millionen Euro fördert die Europäische Kommission ein neues Programm in Physik und Biomedizin, für das sie jetzt die Zusage erteilt hat. 14 junge Wissenschaftler erforschen gesundes Altern unter dem Mikroskop: Sie entwickeln neuartige optische Verfahren, mit denen sich die Leber mikroskopisch-hochauflösend untersuchen lässt. Ziel ist es, zu klären, wie Medikamente auf die Leber wirken und wie sich das Organ mit zunehmendem Alter verändert. Im Januar 2018 startet das Projekt DeLIVER, koordiniert von der Universität Bielefeld. Es ist bereits das siebte Marie-Skłodowska-Curie European Training Network (Europäisches Ausbildungs­netzwerk für den wissenschaftlichen Nachwuchs) an der Universität Bielefeld.

Abb.: Fluoreszenzmikroskopie-Aufnahme einer einzelnen Leber-Endothelzelle. Die kleinen Poren darin sind nur dank der neu entwickelten Mikroskope sichtbar. (Bild: U. Bielefeld)

Abb.: Fluoreszenzmikroskopie-Aufnahme einer einzelnen Leber-Endothelzelle. Die kleinen Poren darin sind nur dank der neu entwickelten Mikroskope sichtbar. (Bild: U. Bielefeld)

Die Nachwuchswissenschaftler forschen und promovieren in dem Netzwerk an sechs europäischen Partner­universitäten und Firmen in insgesamt neun Ländern. Die Verfahren, die sie in dem Projekt entwickeln, sollen minimal-invasiv sein. Ähnlich wie bei der Endoskopie werden neuartige optische Instrumente entwickelt und genutzt, um Leber-Proben mikroskopisch höchst­auflösend zu untersuchen. Langfristig sollen die Methoden auch genutzt werden, um Leberzellen direkt im Körper mikroskopisch aufzunehmen.

„In dem neuen Projekt verknüpfen Forschende aus Physik und Biomedizin ihre Analysen und Entwicklungen und gehen damit gemeinsam das gesunde Altern an, eine der derzeit großen gesellschaftlichen Heraus­forderungen. Die enge Verbindung der zwei Disziplinen macht dieses Programm besonders“, sagt Thomas Huser von der Fakultät für Physik der Universität Bielefeld. Als Vertreter seiner Fakultät koordiniert er das neue Netzwerk. Husers Arbeitsgruppe „Bio­molekulare Photonik“ entwickelt höchst­auflösende Mikroskope, mit denen es möglich ist, Strukturen in Körperzellen sichtbar zu machen und zu untersuchen, die herkömmliche optische Mikroskope nicht darstellen können.

Aus Bielefeld an dem Programm beteiligt sind zudem die Fakultät für Biologie und das mittel­ständische Bielefelder Unternehmen LaVision BioTec GmbH, das Mikroskope speziell für die Biomedizin entwickelt und fertigt.

„DeLIVER bietet jungen Menschen die Chance, während ihrer Promotion mit erfahrenen Wissen­schaftlerinnen und Wissenschaftlern zusammen­zuarbeiten und fortschrittliche Technologie und modernste physikalische Methoden zu nutzen“, sagt Thomas Huser. Hinzu komme die praktische Erfahrung in der Industrie, die die Forscher während ihrer Aufenthalte bei den Unternehmen sammeln. „So werden sie gezielt auf den akademischen und nicht-akademischen Arbeitsmarkt vorbereitet.“ Alle Nachwuchs­wissenschaftler verbringen mehrere Monate bei den europäischen Partnern und Firmen sowie bei den wissenschaftlichen Partnern in den USA, China und Australien.

Zu dem Verbund gehören: Universität Bielefeld mit den Fakultäten für Physik und Biologie, Vrije Universiteit Brussel (Belgien), Oxford University (England), University of Birmingham (England), Gothenburg University (Schweden), University of Tromsø (Norwegen), sowie die Unternehmen LaVision BioTec GmbH (Bielefeld), Cherry Biotech (Rennes, Frankreich), Elvesys (Paris, Frankreich) und D'Liver (Tromsø, Norwegen). Mit dem Programm assoziiert sind außerdem wissenschaftliche Partner am National Institute of Biomedical Imaging and Bioengineering (USA), der Hong Kong University (China) und der University of Sydney (Australien) sowie die Bayer AG (Leverkusen).

U. Bielefeld / DE

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