Großes Physiker-Ranking

  • 18. November 2009

Ein google-artiges Verfahren bewertet den Rang von Physikern in Zitiernetzen.

Ranglisten werden in der Wissenschaft immer beliebter. Ob einzelne Forscher, Universitäten oder Kontinente: Alle werden danach bewertet, wie oft „ihre“ Fachveröffentlichungen zitiert worden sind. So liegt Bethe vor Dirac, Harvard vor Oxford oder Europa vor Nordamerika. Doch das bloße Zählen von Zitaten liefert oft ein verfälschtes Bild, denn von einem Nobelpreisträger zitiert zu werden, wiegt viele Zitate von weniger bekannten Kollegen auf. Jetzt haben Forscher von der Indiana University ein aussagekräftigeres Ranking für Physiker vorgestellt, das demjenigen von Internetseiten ähnelt.

Für ihr Physiker-Ranking haben Alessandro Vespignani und seine Mitarbeiter die Datenbank der Zeitschriftenfamilie „Physical Review“ ausgewertet, die 407236 Veröffentlichungen aus dem Zeitraum von 1893 bis 2006 enthält. Die Artikel wiederum enthielten insgesamt 9359556 Verweise auf andere Arbeiten. Nachdem die Forscher die für ihre Zwecke unbrauchbaren Zitate der Form „Smith et al.“ aussortiert hatten, blieben 8783994 Zitate übrig, die die Namen aller beteiligten Autoren aufzeigten.

 

Aus den Zitaten wurde ein gewichtetes Zitiernetz erstellt, in dem die Physical Review-Autoren die Knoten waren, während gerichtete Verbindungen von den zitierenden Autoren zu den zitierten zeigten. Gewichtet wurde jede Verbindung dadurch, dass sich die n Autoren einer zitierten „n-Männer-Arbeit“ das Zitat teilen mussten. Anfangs erhielten alle Autoren die gleiche „Reputation“ zugewiesen. Dann ließ ein Algorithmus die zitierten Autoren an der Reputation der zitierenden teilhaben. Die Reputation diffundierte gewissermaßen über die gewichteten Verbindungen durch das ganze Netz. Ein Dämpfungsmechanismus sorgte dafür, dass sich nach wenigen Iterationen ein stabiler Zustand einstellte. Ein ähnliches Verfahren benutzen Internetsuchmaschinen, um die Rangfolge von Internetseiten festzulegen.

Mit diesem „Science Author Rank Algorithm“ (SARA) bestimmten die Forscher die Rangfolge der Physical Review-Autoren für verschiedene Zeitintervalle. Auf diese Weise konnten sie verfolgen, wie sich der Rang eines bestimmten Autors im Laufe der Zeit änderte und wie sich die Spitzenreitergruppe wandelte. Während 1967-1973 M. Gell-Mann, S. Weinberg und J. Schwinger vorne lagen, hieß 2003-2004 das Führungstrio P W. Anderson, E. Witten und Y. Tokura. Wer einen hohen SARA-Rang hatte, hatte auch tatsächlich ein hohes wissenschaftliches Ansehen: Für 1967-1973 hatten von den 20 Spitzenreitern 16 den Physiknobelpreis, die Boltzmann-, Dirac- oder Planck-Medaille erhalten.

Verglichen mit anderen Ranking-Verfahren, die nur die Zahl der Zitate berücksichtigen, kommen bei SARA kaum Ausreißer vor, etwa wenn berühmten Wissenschaftlern ein relativ niedriger Rang zugewiesen wird. Beispiele sind Hermann Weyl und Pascual Jordan, die bei bisherigen Rankings immer sehr schlecht abgeschnitten hatten, jetzt aber weit vorn lagen. Auch bei der Frage, welche Physiker prädestiniert für einen der genannten Preise waren, macht SARA deutlich bessere Vorhersagen als andere Ranking-Verfahren.

Von SARA werden bisher nur Physical Review-Autoren berücksichtigt, sodass viele berühmte Physiker benachteiligt werden oder sogar leer ausgehen. Wer jedoch schon einmal in einem der erfassten Journale publiziert hat, kann den eigenen wissenschaftlichen Rang und seine zeitliche Entwicklung auf der unten genannten Seite berechnen lassen.

RAINER SCHARF

  

Weitere Infos

Weitere Literatur: 

KP 

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