Erster Gaia-Sternkatalog kommt

  • 01. September 2016

Astronomisches Rechen-Institut veröffentlicht Datenbank mit mehr als einer Milliarde Sternen.

‪Seit Juli 2014 vermisst der Wissenschafts­satellit Gaia drei­dimensional die Milchstraße. Die Mission der Euro­päischen Weltraum­organisation ESA, an der das Astro­nomische Rechen-Institut ARI am Zentrum für Astro­nomie der Universität Heidel­berg maßgeblich beteiligt ist, soll mit Positionen, Ent­fernungen, Eigen­bewegungen, Hellig­keiten, Farben und Tempera­turen der Sterne einen möglichst umfang­reichen Datensatz unserer Heimat­galaxie erstellen. Ender­gebnisse sind für das Jahr 2023 geplant, ein erster Sternkatalog mit hoch­genauen Positionen und Hellig­keiten von 1,143 Milliarden Sternen sowie Bewegungen und Parallaxen von zwei Millionen Sternen wird in Kürze am Mittwoch, 14. September 2016, öffentlich zugänglich gemacht. Parallel zur Veröffent­lichung dieses Gaia DR1 genannten Katalogs im spanischen Villa­franca wird das ARI die Daten am selben Tag in Heidelberg Astro­nomen, Journa­listen und der interes­sierten Öffent­lichkeit vorstellen.‬

Abb.: Mit seinen beiden Spiegelteleskopen von 1,45 x 0,5 Metern und einer Brennweite von 35 Metern kann Gaia rund eine Milliarde Sterne der Milchstraße vermessen. (Bild: ESA / D. Ducros)

Abb.: Mit seinen beiden Spiegelteleskopen von 1,45 x 0,5 Metern und einer Brennweite von 35 Metern kann Gaia rund eine Milliarde Sterne der Milchstraße vermessen. (Bild: ESA / D. Ducros)

„Das ARI war von Beginn der Mission im Jahr 1992 an eine der treibenden Kräfte und stets an führender Position beteiligt“, sagt Ulrich Bastian vom Astro­nomischen Rechen-Institut. Er ist einer der sechs Gründer­väter von Gaia und gehörte von 1993 bis 2016 zum Leitungs­team der Mission. Unter anderem orga­nisiert und leitet das ARI die gesamte Daten­verarbeitungs­kette von den Rohdaten des Satelliten bis zu den daraus abgelei­teten endgültigen Positionen, Bewegungen und Ent­fernungen der Sterne.

Die Heidel­berger Wissen­schaftler entwickelten dazu ein Software-System, das seit Januar 2014 auf den Großrechnern des ESA-Astro­nomie-Zentrums in Villafranca läuft und es seither ermöglicht hat, über 100 Daten­probleme zu erkennen und zumeist auch zu beheben. Das ARI wird außerdem die Gaia-Kataloge als Daten­bank für den welt­weiten Direkt­zugriff von Astro­nomen und von interes­sierten Hobby-Astro­nomen bereit­stellen.

Der Stern­katalog beruht auf Messungen, die Gaia zwischen Juli 2014 und September 2015 vorge­nommen hat. Zur Vorstellung der Daten lädt das Astro­nomische Rechen-Institut am 14. September in das Kirchhoff-Institut für Physik, Im Neuen­heimer Feld 227, ein. Im Hörsaal 2 und im Foyer werden Plakate und ein Gaia-Modell ausgestellt. Neben einem englisch­sprachigen Fach­vortrag zu Inhalt und Eigen­schaften des ersten Gaia-Katalogs wird es auch einen deutsch­sprachigen Vortrag für interessierte Laien geben, in dem die Gaia-Mission vorgestellt und erläutert wird. Nach einer kurzen Direkt­schaltung zur zentralen ESA-Presse­veranstaltung in Villa­franca wird mittags der Gaia-Katalog geöffnet und erklärt, wie darauf zuge­griffen werden kann.

U Heidelberg / JOL

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