Strom aus dem Schacht

  • 26. August 2016

Neue Studie zeigt, dass Bottroper Zeche als Pumpspeicheranlage geeignet ist.

Alte Kohle­schächte als Speicher für Ökostrom? Diese Idee scheint tatsächlich machbar. Das hat das Pilot­projekt auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop ergeben. Seit 2012 untersuchen Forscher der Universitäts­allianz Ruhr, ob sich ein unter­irdisches Pumpspeicher­kraftwerk nach 2018 bauen lässt. Diese Woche haben die Partner erste Ergebnisse der Machbarkeits­studie vorgestellt. Umwelt­minister Remmel sicherte zudem 850.000 Euro für weitere Unter­suchungen zu. Das Geld stellen das Land und der Bund bereit; NRW hat das Vorhaben bisher schon mit 1,3 Millionen Euro gefördert.

Abb.: Schema eines unterirdischen Pumpspeicherkraftwerks, die im Ruhrgebiet realisiert werden könnten (Bild: UPSW)

Abb.: Schema eines unterirdischen Pumpspeicherkraftwerks, wie sie im Ruhrgebiet realisiert werden könnten. (Bild: UPSW)

Ein unter­irdisches Pump­speicher­kraftwerk würde dafür sorgen, dass der über­schüssige Strom aus Wind- und Sonnen­energie nicht verloren geht. Das passiert, indem Wasser umgewälzt wird. Solche Kraftwerke haben sich über Tage bereits bewährt. Bei Bürgern sind sie aber unbeliebt, da sie viel Platz brauchen. Platz, den Stollen und Schächte bieten. Allerdings sind still­gelegte Zechen nicht geeignet, haben die 50 Forscher der Univer­sitäten Duisburg-Essen und Bochum sowie von den Unter­nehmen RAG und DMT herausgefunden. Denn der Zustand dieser Anlagen ist nicht exakt bekannt. Anders beim Bottroper Pütt. Er ist bis Ende 2018 voll in Betrieb, und auch die tech­nischen Voraus­setzungen, etwa die Fallhöhen zwischen den Sohlen, stimmen.

„Prosper-Haniel ist geologisch und von der Infra­struktur her geeignet, um hier ein unter­irdisches Pump­speicher­kraftwerk als geschlos­senes System umzusetzen“, sagt André Niemann. Der Experte für Wasserbau und Wasser­wirtschaft leitet das Projekt. „Wir gehen von einem Speicher­volumen von 600.000 Kubik­metern aus. Das heißt, bei voller Ladung bekäme man vier Stunden lang eine Leistung von etwa 200 Megawatt. Das reicht für 450.000 Haus­halte.“

Rechtlich gibt es keine Bedenken, und auch die Bürger scheinen aufge­schlossen: In einer repräsen­tativen Umfrage hat eine große Mehrheit ihre Zustimmung signa­lisiert. Allerdings rechnet sich der Pump­speicher nicht. Jedenfalls nicht zurzeit, betont Hermann-Josef Wagner: „Zwar sind die Kosten einer untertägigen Anlage mit 600 bis 2.400 Euro pro Kilowatt vergleichbar mit denen einer ober­irdischen. Allerdings sind die regula­torischen Bedin­gungen in Deutschland gerade sehr ungünstig“, erklärt der Energie-Experte der RUB: „Für Strom­speicher etwa wird ein doppeltes Netzentgelt verlangt.“ So werde leider nicht wert­geschätzt, wie flexibel solche Kraftwerke auf die Strom­nachfrage reagieren können.

Dennoch zeigten sich Umwelt­minister Johannes Remmel und RAG-Vorsitzender Bernd Tönjes bei dem Termin auf Prosper Haniel optimistisch, dass aus alten Schächten einmal grüner Strom kommen wird. Das Ruhrgebiet sei prädes­tiniert hierfür, waren sie sich einig, auch was das Know-how angeht. So heißt es in der Machbarkeitsstudie, dass das Projekt über­wiegend mit Partnern aus NRW umgesetzt werden kann. „Die Industrie“, bestätigt Niemann, „hat schon jetzt großes Interesse.“ Der neue Förder­bescheid wird helfen, dass es zunimmt.

UA Ruhr / JOL

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