Einblick in fremde Welten

  • 09. August 2016

Sonderausstellung „Kometen. Die Mission Rosetta. Eine Reise zu den Ursprüngen des Sonnensystems” in Berlin eröffnet.

Schwer zu sagen, was die Wissenschaftler und Ingenieure der Rosetta-Mission am meisten überrascht hat: Die ungewöhnliche Form des Kometen Churyumov-Gerasimenko, der ihm den Spitznamen „Bade-Ente" einbrachte? Die bizarre, unerwartet vielseitige Landschaft mit Rissen, Terrassen, Löchern, Steilhängen und sogar dünen­ähnlichen Strukturen? Die Landung, bei der Philae im November 2014 nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach landete, weil der Lander erst nach einigen kilometer­weiten Hüpfern zur Ruhe kam? Oder die harte Kometen­oberfläche, bei der viele ursprünglich befürchtet hatten, dass sie eigentlich sehr weich sein würde? Die Vielzahl der erstmals auf einem Kometen entdeckten Moleküle? Rund um den Erdball fieberten die Menschen mit, als die Wissenschaftler mehrere hundert Millionen Kilometer entfernt im Weltall zum ersten Mal einen Kometen unter die Lupe nahmen. In der Sonder­ausstellung „Kometen. Die Mission Rosetta. Eine Reise zu den Ursprüngen des Sonnen­systems” zeigt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ab dem 9. August 2016 in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde Berlin und der Max-Planck-Gesellschaft, warum Kometen so faszinierend sind und wie die Rosetta-Mission ihre Geheimnisse erforschte.

Abb.: Poster zur Ausstellung (Bild: DLR)

Abb.: Poster zur Ausstellung (Bild: DLR)

Die Idee, eine Raumsonde und einen Lander zu einem Kometen zu schicken, wurde schon vor fast dreißig Jahren geboren. Man wollte nicht nur einen kurzen Blick auf diese Himmels­körper aus den Anfängen unseres Sonnen­systems werfen, sondern länger vor Ort bleiben – und beobachten, wie der Komet auf seinem Weg um die Sonne zunehmend aktiv wird und dabei Gas und Staub ins Weltall schleudert. „Diese kometen­typischen Prozesse waren nicht ausreichend erforscht, wir hatten vieles nicht verstanden”, sagt Ekkehard Kührt, Planeten­forscher am DLR und zuständig für den wissenschaftlichen Anteil des DLR an der Mission mit Rosetta und Philae. „Außerdem gelten Kometen als Zeitzeugen der Planeten­entstehung, da sie ihre ursprünglichen Eigenschaften weitgehend erhalten haben – das wollten wir nutzen, um in diese frühe Zeit zu schauen."

Die Ziele waren damit gesetzt: Zum ersten Mal sollte eine Raumsonde um einen Kometen kreisen und ihn auf seinem Weg durch das Weltall begleiten, zum ersten Mal sollte mit dem von einem Konsortium unter Leitung des DLR entwickelten Lander Philae ein Labor auf einem Kometen aufsetzen und dort Messungen durchführen. Näher konnte man einem Kometen nicht mehr kommen. Die passenden Namen für Sonde und Lander waren schnell gefunden: Mit Rosetta erinnerte man an den Stein von Rosetta, mit dessen Hilfe die Hieroglyphen entschlüsselt werden konnten. Zusammen mit den Inschriften eines Obelisken aus dem Tempel von Philae gelang es Jean Françoise Champollion 1822, die bis dahin völlig rätselhafte Hiero­glyphen­schrift zu entziffern.

Insgesamt 21 Instrumente flogen mit Rosetta und Philae zum Kometen Churyumov-Gerasimenko: Die internationalen Wissenschaftler-Teams wollten fotografieren, bohren, schnüffeln, klopfen und lauschen – und unter anderem herausfinden, wie sich der Komet zusammen­setzt, welche physikalischen Eigenschaft er hat und auch, ob Kometen einst Wasser und die Bausteine des Lebens auf die Erde brachten. „Die Entwicklung des Lebens ist eine Grundfrage unserer Forschung", erklärt Tilman Spohn, Direktor des DLR-Instituts für Planeten­forschung. „Rosetta hat uns gezeigt, dass Kometen als Lieferanten präbiotischer Moleküle in Frage kommen, aber sicher nicht die Haupt­quelle von Wasser auf der Erde waren."

Die internationale Mission startete am 2. März 2004. Zehn Jahre dauerte die Reise durch das Weltall, bei der die Rosetta-Sonde bei nahen Vorbeiflügen an Erde und Mars Schwung holte, unterwegs die Asteroiden Šteins und Lutetia fotografierte und schließlich sogar zweieinhalb Jahre im Winter­schlaf auf Churymov-Gerasimenko zuflog. Am 6. August 2014 erreichte Rosetta ihr Ziel, am 12. November 2014 erfolgte dann mit Philae die erste Landung auf einem Kometen. Alle diese Stationen dokumentiert die Ausstellung, in der auch ein Modell der Rosetta-Raumsonde im Maßstab 1:5 sowie ein Modell des Philae-Landers in Originalgröße gezeigt werden. Ein weiterer Protagonist der Mission, der Komet Churyumov-Gerasimenko, steht – 4,3 Meter mal 3,6 Meter groß und somit im Maßstab 1:1000 – als Größen­vergleich auf dem Stadtplan von Berlin-Mitte.

Für die Ingenieure und Wissenschaftler war das Arbeiten mit Philae ein Auf und Ab: Nachdem der Lander zunächst ungeplant von der Oberfläche abprallte, sammelte er dennoch mit seinen zehn Experimenten an Bord 64 Stunden lang Daten, während das Team im DLR-Kontroll­zentrum rund um die Uhr im Schicht­betrieb Philae kommandierte und betrieb. Aus dem anschließenden Winter­schlaf meldete sich Philae dann am 13. Juni 2015 zum ersten Mal wieder mit Daten­paketen zurück und nahm dann noch sieben weitere Male Kontakt mit dem Team am Boden auf.

Am 9. Juli 2015 erhielten die Wissenschaftler zum letzten Mal ein Signal ihres Landers. Dann herrschte Funkstille, aus der sich Philae nicht mehr zurückmeldete. Für die Rosetta-Sonde war die Arbeit am Kometen aber noch lange nicht zu Ende: Die Mission lief so erfolgreich, dass die Weltraum­organisation ESA sie um neun Monate bis zum 30. September 2016 verlängerte.

Die Resultate der Mission: Traumhafte Bilder von einem zerklüfteten, tiefschwarzen Kometen, der bei der Annäherung an die Sonne zunehmend ausgast und gewaltige Gasströme mit Kometen­material ins All schleudert. Das Wissen, dass Kometen keine „schmutzigen Schnee­bälle" aus lockerem Material sind, sondern eisige, poröse Staubbälle mit einer unerwartet harten Oberfläche. Und die Erkenntnis, dass Kometen wie Churyumov-Gerasimenko wohl doch nicht das Wasser auf die Erde gebracht haben.

Im September 2016 werden die Rosetta-Raumsonde und Lander Philae zum Missions­ende wieder vereint sein: Rosetta wird auf der Kometen­oberfläche aufsetzen, währenddessen noch spektakuläre Messungen machen und anschließend mit Philae gemeinsam auf Churyumov-Gerasimenko um die Sonne reisen. Ein Funk­kontakt wird ab diesem Zeitpunkt zu beiden jedoch nicht mehr möglich sein.

Die Ausstellung „Kometen. Die Mission Rosetta. Eine Reise zu den Ursprüngen des Sonnensystems" des DLR in Kooperation mit dem Museum für Naturkunde Berlin und der Max-Planck-Gesellschaft wird am 9. August 2016 eröffnet.

DLR / DE

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