X-Struktur in der Milchstaße

  • 20. July 2016

Zentrale Verdickung der Galaxie soll sich durch die dynamische Wechselwirkung der Sterne entwickelt haben.

Zwei Astronomen haben die erste direkte Abbildung einer gigan­tischen x-förmigen Struktur rund um das Zentrum der Milchstraße erstellt. Das Projekt profitierte von Offenheit im Umgang mit wissen­schaftlichen Daten: Es begann, als Dustin Lang von der Universität Toronto einen Tweet mit einem selbst angefertigten Milchstraßen­bild verschickte; Melissa Ness vom Max-Planck-Institut für Astronomie erkannte das wissen­schaftliche Potenzial der dort gezeigten Daten für die Geschichte unserer Galaxis. Die x-förmige Struktur zeigt an, dass die zentrale Verdickung unserer Milchstraße durch dynamische Wechsel­wirkungen der Sterne entstanden sein dürfte, nicht durch den Zusammen­stoß mit kleineren Galaxien.

Abb.: In diesem Bild ist die X-förmige Verteilung von Sternen im Bulge unserer Milchstraße besonders deutlich herausgearbeitet. (Bild: D.Lang, Dunlap Inst.)

Abb.: In diesem Bild ist die X-förmige Verteilung von Sternen im Bulge unserer Milchstraße besonders deutlich herausgearbeitet. (Bild: D.Lang, Dunlap Inst.)

Manchmal reicht ein einziger Tweet, um ein Forschungs­projekt in Gang zu setzen. Als Dustin Lang vom Dunlap Institute for Astronomy & Astro­physics der Univer­sität Toronto im Mai 2015 ein Bild der Milch­straße tweetete, das er aus Daten des NASA-Satel­liten WISE erstellt hatte, war er zunächst einmal froh, ein komplexes Projekt zu einem guten Abschluss gebracht zu haben. Was er zu jenem Zeitpunkt nicht wusste: dass sein Tweet bereits der Auftakt zu einem ganz anderen Forschungs­projekt war.

Als Melissa Ness vom Max-Planck-Institut für Astro­nomie den Tweet sah, fiel ihr auf, dass darauf eine Struktur zu sehen war, nach der Astronomen lange gesucht hatten, die sie aber noch nie hatten abbilden können: eine X-förmige Anordnung von Sternen in der zentralen Verdickung, dem „Bulge“ unserer Milch­straße. Einige Wochen später trafen sich Ness und Lang auf einer Konferenz und machten sich gemeinsam daran, Langs Bilder so aufzu­bereiten, dass das gigan­tische X im Herz unserer Galaxis deutlich sichtbar wurde.

Für Astronomen wie Ness, die sich für die Entwicklungs­geschichte unserer Heimat­galaxie interessieren, ist der Bulge ein wichtiges Element bei der Entstehung unserer Galaxie. Ness sagt: „Wenn wir den Bulge verstehen, dann verstehen wir die Schlüsselprozesse, die das Entstehen und die Form unserer Galaxie bestimmt haben.“ Speziell die Anwesenheit der X-Struktur zeigt an, dass die zentrale Verdickung unserer Milch­straße sich durch die dynamische Wechsel­wirkung der Sterne unserer Galaxis entwickelt hat und nicht, so die Alternativ­erklärung, durch die Ver­schmelzung kleinerer Galaxien mit unserer eigenen.

Für Lang ist der wichtigste Aspekt der Arbeit die Rolle, die der offene Umgang mit wissenschaft­lichen Ergebnissen gespielt hat. Er sagt: „Für mich ist diese Studie ein Beispiel dafür, was an uner­warteter interes­santer Wissen­schaft möglich wird, wenn große Datensets öffentlich gemacht werden. Ich freue mich sehr, dass meine WISE-Himmels­karten jetzt benutzt wurden um Fragen zu beantworten, die ich vorher noch nicht einmal kannte.“

MPIA / JOL

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