Startschuss für European Extremely Large Telescope

  • 26. May 2016

Europäische Südsternwarte vergibt größten Auftrag in der Geschichte der bodengebundenen Astronomie.

Im Rahmen einer Feierlichkeit in Garching bei München unterzeichnete die Europäische Südstern­warte heute mit dem ACe-Konsortium bestehend aus Astaldi, Cimolai und dem nominierten Zulieferer EIE Group den Vertrag für die Konstruktion von Kuppel und Teleskop­struktur des European Extremely Large Telescope (E-ELT). Hierbei handelt es sich um den größten Auftrag, der je von der ESO aus­geschrieben wurde und zugleich auch um den größten Auftrag in der Geschichte der boden­gebundenen Astronomie. Bei der Feier wurde auch der Konstruktions­entwurf des E-ELT vorgestellt, so dass der Bau von Kuppel und Teleskop­struktur nun beginnen kann. Das European Extremely Large Telescope (E-ELT) mit einem Haupt­spiegel­durchmesser von 39 Metern wird das größte optische/nah­infrarote Teleskop der Welt sein: sozusagen das größte Auge auf den Himmel. Gebaut wird es im Norden Chiles, an einem Standort, der bereits entsprechend vorbereitet wurde.

Abb.: Die ESO unterzeichnet für Kuppel und Teleskopstruktur des E-ELT den größten Auftrag in der Geschichte der bodengebundenen Astronomie (künstlerische Darstellung; Bild: ESO / L. Calçada / ACe Consortium)

Abb.: Die ESO unterzeichnet für Kuppel und Teleskopstruktur des E-ELT den größten Auftrag in der Geschichte der bodengebundenen Astronomie. (künstlerische Darstellung; Bild: ESO / L. Calçada / ACe Consortium)

Die Vereinbarung über den Bau der Kuppel und die Struktur des Teleskops wurde von Tim de Zeeuw, dem General­direktor der ESO, Paolo Astaldi, dem Vorstand­vorsitzenden von Astaldi, und Luigi Cimolai, dem Geschäfts­führer von Cimolai, unterzeichnet. Die ESO hieß bei der Zeremonie H.E. Stefania Giannini, Italiens Ministerin für Bildung, Universitäten und Forschung, herzlich willkommen. Darüber hinaus wohnten der Zeremonie auch Renato Cianfarani, der italienische General­konsul in München, Patrick Roche, der ESO-Rats­präsident, und Nicolò D’Amico, der italienische ESO-Rats­delegierte (der auch Geschäfts­führer von INAF ist) und Matteo Pardo, Wissenschafts­attaché in der italienischen Botschaft in Berlin, bei. Gianpietro Marchiori, der Geschäfts­führer von EIE, sowie weitere Gäste und Vertreter des Konsortiums waren ebenfalls anwesend.

Der Auftrag umfasst Planung, Produktion, Transport, Konstruktion, Montage vor Ort und Prüfung der Kuppel und Teleskop­struktur. Mit einem geschätzten Wert von 400 Millionen Euro handelt es sich um den größten Auftrag, der jemals von der ESO ausgeschrieben wurde und zugleich auch um den größten Auftrag in der Geschichte der boden­gebundenen Astronomie.

Mit Kuppel und Teleskopstruktur des E-ELT dringt die Entwicklung von Teleskopen in bisher unbekannte Gebiete vor. Der Vertrag beinhaltet nicht nur die riesige, rotierende 85-Meter-Kuppel, die insgesamt etwa 5000 Tonnen wiegt, sondern auch die Teleskop­aufhängung und Rohr­struktur, mit einer sich bewegenden Gesamt­masse von mehr als 3000 Tonnen. Beide Komponenten sind mit Abstand die größten, die jemals für ein optisches/infra­rotes Teleskop gebaut wurden und stellen damit alle Vorgänger in den Schatten. Die Kuppel ist fast achtzig Meter hoch und hat einen Grundriss, der mit der Größe eines Fußball­feldes vergleichbar ist.

Das E-ELT wird derzeit auf dem Cerro Armazones gebaut, einem 3000 Meter hohen und vom Paranal-Observatorium der ESO etwa zwanzig Kilometer entfernten Gipfel. Der Bau der Zufahrts­straße und die Einebnung des Gipfels sind bereits abgeschlossen. Die Arbeiten vor Ort an der Kuppel sollen 2017 beginnen.

ESO-Generaldirektor Tim de Zeeuw ist überzeugt: „Mit dem E-ELT werden uns Entdeckungen gelingen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können, und es wird Menschen auf der ganzen Welt dazu inspirieren, sich über Wissenschaft, Technologie und unserem Platz im Universum Gedanken zu machen. Die heutige Unterschrift stellt einen entscheidenden Schritt in Richtung der Inbetriebnahme im Jahr 2024 dar.“

Paolo Astaldi, Vorstandsvorsitzender von Astaldi, fügt hinzu: „Dieses Projekt ist wirklich visionär, sowohl darin, was es für das Gebiet der Astronomie bedeutet, als auch für Entwicklung und Konstruktion. Astaldi und unsere Projekt­partner Cimolai und die EIE Group sind überaus stolz, bei die Ausschreibung der ESO ausgewählt worden zu sein und nun einen Beitrag dazu leisten zu können, ihre Vision Realität werden zu lassen. Astaldi ist bekannt für seine erst­klassigen technischen Fähigkeiten, ausgereifte Konstruktionen und stabile Umsetzungen, und wir werden mit unseren Kern­kompetenzen mit voller Kraft hinter dem Projekt stehen. Mit großer Spannung unterzeichne ich einen Vertrag mit solch großem astronomischen Bestreben.“

Luigi Cimolai, Geschäftsführer von Cimolai, ergänzt: „Wir fühlen uns geehrt und sind dankbar dafür, dass unserem Unternehmen die Möglichkeit geboten wurde, einen Beitrag zu dieser technisch anspruchsvollen astronomischen Heraus­forderung zu leisten. Das European Extremely Large Telescope wird ein hohes Maß an qualitativer Entwicklung und Konstruktion erfordern und ich glaube, dass dies zweifellos dazu beitragen wird, unsere Fähigkeiten in der Entwicklung von Projekten zu verbessern, die immer komplexer werden.“

Auch in vielen anderen Bereichen des Baus des E-ELT geht es zügig voran. Die ESO hat bereits Vereinbarungen für die Konstruktion der Instrumente MICADO, HARMONI und METIS für das erste Licht, sowie das MAORY-System Adaptiver Optik für das E-ELT unterschrieben. In naher Zukunft werden auch die Vereinbarungen für den riesigen zweiten Spiegel des Teleskops unterschrieben.

Die Lichtsammelfläche des E-ELT wird größer sein als die aller bereits existierenden optischen Forschungs­teleskope zusammen und sein System Adaptiver Optik soll Bilder liefern, die etwa 15 Mal schärfer sind als die des Hubble-Weltraum­teleskops von NASA/ESA bei gleicher Wellen­länge. Es bietet zahlreiche Möglichkeiten für technologische und ingenieur­wissenschaftliche Ableger­produkte, Technologie­transfer und weitere Vertrags­abschlüsse. Der neue Vertrag zeigt, dass das E-ELT das Potenzial hat, ökonomische Entwicklung voranzutreiben und zugleich Unternehmern in Mitglieds­ländern der ESO eine Möglichkeit bietet, Groß­projekte auf internationaler Ebene zu leiten.

ESO / DE

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